LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Wettbewerbssieger von 2009 wird die Trambahnhaltestellen in Luxemburg nicht gestalten

Ein rüder Ton kommt gelegentlich in parlamentarischen Anfragen vor, allerdings handelt es sich dabei in der Regel um eine Anfrage der Opposition.

Gelegentlich kommt es auch anders. Zwei sozialistische Abgeordnete aus dem Zentrum, Marc Angel und Franz Fayot, haben in einer Frage an einen Minister der eigenen Koalition mehr als klar durchblicken lassen, dass sie mit dessen Handlungsweise nicht einverstanden sind. Entsprechend formuliert dieser in seiner Antwort sein „tiefstes Erstaunen“ über Teile der Anfrage. Adressat der Frage war Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister François Bausch (déi gréng).

Worum ging’s? Im Umweg über das Magazin Paperjam hatte die Betreiberfirma der zukünftigen Straßenbahn „Luxtram“ mitgeteilt, dass man sich vom Sieger des Architekturwettbewerbs 2009 für die Gestaltung der Tram-Haltestellen getrennt habe, weil man auf standardisierte „Stadtmöbel“ zurückgreifen werde. Man habe sich von der Idee der Maßanfertigung getrennt, heißt es in dem Artikel. Diese Entscheidung sei bei „Luxtram“ intern mit Zustimmung der Aktionäre gefallen. Teilhaber an „Luxtram“ sind die Stadt Luxemburg zu einem Drittel und das Infrastrukturministerium (MDDI) zu zwei Dritteln.

Laut der Verkehrsschöffin der Stadt Luxemburg, Sam Tanson (déi gréng), seien die vom - siegreichen - Architektenbüro vorgeschlagenen Lösungen ziemlich teuer, das sei aber nicht der Grund gewesen, den Lieferanten zu wechseln. Der wahre Grund sei, so zitieren die beiden LSAP-Abgeordneten die Schöffin, dass es notwendig sei, die Gestaltung der Haltestellen an die bestehende Stadtmöbilierung anzupassen.

Eine Lex JCDecaux?

Fayot und Angel meinen zu wissen, dass sich Ministerium und Hauptstadt bereits für ein Standardmodell aus dem Katalog des Außenwerbungskonzern JCDecaux entschieden haben. Im Gegensatz zu dieser Standardware hätte das Architekturbüro „Lifschutz Davidson Sandilands“ aus London eine auf den Kontext der Stadt Luxemburg zugeschnittenes Konzept geliefert.

In der eigentlichen parlamentarischen Anfrage geht es zunächst darum, warum sich Minister Bausch gegen den Gewinner des Wettbewerbs von 2009 entschieden hat und warum die vorgeschlagenen Entwürfe von „Lifschutz Davidson Sandilands“ nicht akzeptiert wurden.

Die zweite Frage ist in ihrer Formulierung recht krass: Warum die neue Ausschreibung so formuliert sei, dass die Anforderungen genau auf den Werberiesen JCDecaux zugeschnitten seien. Zuletzt wollten die beiden Abgeordneten wissen, wie viele Anbieter es gibt, die eine Europastadt wie Luxemburg beliefern können.

In seiner Antwort verweist Bausch auf seine Pressekonferenz von 2015, wo er die Planung für den öffentlichen Raums vorgestellt habe,

Wegfall der Oberleitung verlangt Umdenken

Das von „Lifschutz Davidson Sandilands“ entworfene Konzept orientiere sich an den Vorgaben von 2009 - damals sei noch eine durchgängige Oberleitung zur Stromversorgung der Straßenbahn vorgesehen gewesen. Es habe noch die Gestaltung von Masten und öffentlicher Beleuchtung umfasst.

Die Entscheidung, auf ein modernes Trambahnsystem zu setzen, dass es erlaubt, im Innenstadtbereich ohne Oberleitung zu fahren - die Stromversorgung erfolgt an den Haltestellen von unten -, ändere den „Esprit“ des Projektes. Die Entwürfe von „Lifschutz Davidson Sandilands“ könnten nicht daran angepasst werden. Die aktuelle Planung für die Gestaltung liege in den Händen von „Villes et Paysages“, das ähnlich wie das Londoner Büro eine europäische Referenzadresse sei.

Die laufende Ausschreibung umfasse Bau, Unterhalt, Betrieb und Vermarktung der Werbeflächen an den Straßenbahnhaltestellen und richte sich streng nach den Regeln des Gesetzes. Die europäische Ausschreibung sei im Mai 2016 lanciert worden. Es gebe auf nationaler, europäischer und weltweiter Ebene potenzielle Kandidaten die erfahren genug seien diese Aufgabe zu bewältigen.

Auf den Vorwurf der LSAP-Abgeordneten, dass die Ausschreibung einzig und allein auf JCDecaux zugeschnitten sei, reagiert Bausch deutlich genervt: Er konstatiert „mon plus profond étonnement.“ Europäische und nationale Gesetzgebung ständen dem klar entgegen.

Das Ausschreibungsverfahren soll Ende 2016 abgeschlossen sein.