LUXEMBURGCAROLINE KNEPPER

Das Leben einer „Sklavin“

Die junge Tania berichtete gestern, wie sie zu einer Sklavin wurde, heute erzählt sie im „Journal“-Interview wir ihr Alltag aussieht.

Ist es schwer einen „Dom“ zu finden?

Tania Jein, ich persönlich finde es schwer. Dass zwei Personen automatisch zueinander passen ist ja schon im normalen Leben nicht unbedingt leicht. Da es im SM viele verschiedene Neigungen und Fetische gibt, ist es ungleich schwieriger, den Richtigen zu finden, sei es als Lebenspartner oder Spielgefährten.

Hältst Du diese Seite von dir privat oder redest du auch darüber?

Tania BDSM gehört für mich zum Sex. Und Sex ist intim und Intimität ist privat. So wie für alle anderen auch. Außer ich tausche mich mit Gleichgesinnten aus, also eher dann im geschlossenen Kreis. Anfangs, vor meiner jetzigen Beziehung, besuchte ich ab und zu einen Stammtisch, doch jetzt nicht mehr. Man wird auch vorsichtiger, da man sehr schnell verurteilt wird und sich damit auch selbst schaden kann. Luxemburg ist einfach sehr klein, jeder kennt jeden. Ich käme ehrlich gesagt nicht auf die Idee mich zu outen.

Was sind die allgemeinen Probleme SM auszuleben?

Tania Solange man nur zu zweit ist und seinen Partner gefunden hat ist es kein Problem. Man gehört nicht zwingend zu einer Szene. SM ist nicht gleich SM mit dem Klischee von Dungeons und Klubs, so bezeichnet man die Räume in denen man SM auslebt. Wie der im Film von „50 Shades of Grey“. Diese gibt es sicherlich, doch der Großteil der Leute gehört nicht automatisch dazu. Wenn man eine Familie gegründet hat geht es einem nicht anders als anderen jungen Eltern. Sex hat plötzlich einen anderen Stellenwert und man muss sich neu finden. Mittlerweile haben wir unsere ganz eigene Art der Sexualität gefunden. Es ist kein Blümchensex, es ist kein SM, es ist einfach er und ich ohne Tabus. Das geniale und gefährliche am SM ist, es erfordert sehr viel Vertrauen und den Willen dem anderen wirklich zu begegnen so wie man ist. Ehrlichkeit mit sich selbst und dem Partner gegenüber ist unabdingbar für die Sicherheit beider Seiten.

Nervt es dich, dass plötzlich nach dem Film von „50 Shades of Grey“ ein Hype um die SM-Szene gemacht wird?

Tania Viele wissen wohl gar nicht recht, wovon sie reden. Es gibt für mich auch nicht die eine SM-Szene, sondern viele Menschen mit ebenso vielen Vorlieben. Solange es in beidseitigem Einverständnis passiert, geht es sonst niemanden etwas an. Es ist einfach ein Thema das noch immer schockiert, viele Klischees transportiert und auf Unverständnis stößt. Die Menschen fürchten, was sie nicht verstehen und Angst schürt Aggressionen. Als ausgeglichener Mensch, der mit beiden Beinen im Leben steht und es nebenher genießt jemandem, dem man total vertraut, die Kontrolle zu überlassen und einfach los zu lassen, kann es ziemlich verletzend sein, verurteilt zu werden. Doch mittlerweile erwarte ich kein Verständnis vom breiten Publikum mehr und beobachte eher etwas amüsiert und ab und zu genervt was so an Vorurteilen kursiert.

Was würdest Du den Menschen raten, die sich an dieses Thema herantasten wollen?

Tania Sehr vorsichtig sein, sich an den richtigen Stellen informieren, zum Beispiel Stammtische, Internetseiten wie Datenschlag zum Beispiel. Und vor allem nicht einfach so einen quasi Unbekannten daten. Vertrauen braucht Zeit und am Anfang ist Kontrolle besser, man sollte sich eventuell covern lassen von einer Freundin, wenn man jemanden das erste Mal trifft. Es gibt leider viele kranke und perverse Leute, die sehr manipulativ sind und sich in diesen Kreisen verstecken und das Geheime am BDSM ausnutzen, um Opfer zu finden. Das gilt für Männer genauso wie für Frauen.