PASCAL STEINWACHS

Ob es am unermüdlichen Einsatz von Außenminister Jean Asselborn lag, der sich wochenlang auf höchster Ebene für eine schnellstmögliche Aufhebung der systematischen, Corona-bedingten Kontrollen an den Grenzen mit Luxemburg eingesetzt hat, dass ab morgen zumindest die Grenzübergänge mit Deutschland wieder geöffnet sind, wobei ja insbesondere die geradezu schikanösen Kontrollen an der deutschen Grenze für viel Ärger und noch mehr Staus sorgten? Fakt ist, dass die Grenzen mit der Bundesrepublik ab Samstag wieder ohne Vorzeigen des Ausweises, des Passierscheines und der Fahrzeugpapiere passierbar sind, was zuvor für viel Frust nicht nur bei den Pendlern sorgte.

Jean Asselborn bezeichnete die Öffnung am Mittwoch in einer offiziellen Mitteilung des Außenministeriums dann auch als „wichtiges Signal hinsichtlich einer schrittweisen Wiederinkraftsetzung des Schengener Abkommens“, wobei es aber auch darum gehe, „das Vertrauen der Bürger in offene Grenzen in unserer europäischen Modellregion wiederaufzubauen“.

So wurde seit der Schließung der Grenzen Mitte März doch derart viel bilaterales und europäisches Porzellan zerschlagen, dass es lange dauern dürfte, das deutsch-luxemburgische Verhältnis, wie auch das verloren gegangene Vertrauen in den europäischen Geist, sofern es einen solchen überhaupt noch gegeben hat, wieder zu kitten.

So richtig scheint der dienstälteste Chefdiplomat der EU dem Frieden jedoch nicht zu trauen, ansonsten er in seiner Mitteilung nicht auch noch darauf hinweisen würde, dass es nun darum gehe, zusammen mit Deutschland auszuarbeiten, wie dieser prinzipielle Beschluss der Beendigung der Grenzschließungen und -kontrollen, konkret umgesetzt werden könne, vor allem vor dem Hintergrund der in Deutschland geltenden Quarantänebestimmungen. Sowohl in Luxemburg als auch in Deutschland würde es nämlich weiterhin eine Reihe von Einschränkungen im Rahmen der Pandemiebekämpfung geben, die es zu respektieren gelte, so Asselborn. Im Klartext könnte dies bedeuten, dass das mit dem bereits an diesem Wochenende geplanten Shopping in Trier, auf das sich die seit Mitte März in ihrem Land eingesperrten Luxemburger ja – zusammen mit der Trierer Geschäftswelt, die zu einem Großteil von ihrer Kundschaft aus dem Großherzogtum abhängig ist - anscheinend besonders freuen, zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht doch nicht sicher ist. In ein paar Tagen wissen wir mehr.

Die schrittweisen Lockerungen bei den Grenzkontrollen und die vorsichtige Rückkehr zu einer neuen Art von Normalität in den meisten Ländern bedeuten aber nicht, dass nun auch das Virus besiegt wäre. Wer jetzt so tut, als sei das Gröbste überstanden und als gäbe es im Moment nichts Dringlicheres, als seinen Sommerurlaub zu buchen - und die EU-Kommission hat am Mittwoch ein Konzept für sichere Sommerurlaube in Zeiten von Corona vorgelegt -, der hat den Ernst der Lage noch immer nicht begriffen, aber der Mensch ist gut im Vergessen, und noch besser im Verdrängen.

Die Bilder aus Bergamo, wo im März ganze Kolonnen aus Militärlastwagen die Corona-Toten abtransportierten, weil die Leichenhäuser überfüllt waren, dürfen sich nicht wiederholen...