LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Einmal erstanden ist Kunst im Staatsbesitz unverkäuflich

Soll und kann er verkauft werden? Die Diskussion um den Picasso, der dem Finanzministerium seit 1999 gehört, ist erst einmal abgeschlossen. Interessant ist der Blick darauf, wie Kunst in Staatsbesitz kommt und wie damit verfahren wird aber allemal.

Grundsätzlich und gesetzlich festgelegt gilt, dass Stücke, die einmal in Luxemburger Staatseigentum gelangen, nicht mehr verkauft werden können – sie werden zum sogenannten Bien de l’Etat. Es gibt heute drei Möglichkeiten, wie der Staat Kunst erwirbt: Über das Musée National d’Histoire et d’Art (MNHA), über das Kulturministerium, das eine eigene Sammlung hat, sowie über die „Administration des Bâtiments Publics“ (ABP), denn ein Prozent der Baukosten eines öffentlichen Gebäudes sind für die sogenannte Kunst am Bau vorgesehen. Diese Kunstwerke und Dekorationsstücke werden auch von der ABP verwaltet.

Die größte und bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts zusammengetragene Sammlung hat das MNHA: Unterteilt ist es in die Sektionen Prähistorisches, die gallo-römische Epoche, das Mittelalter, das Münzen- und Medaillenkabinett, dekorative und traditionelle Volkskunst, Waffen und Festung sowie die Schönen Künste. Eine Annex des MNHA ist nun das im Juli 2012 eröffnete „Musée Dräi Eechelen - Forteresse, Histoire, Identités“.

Schenkungen, Erbschaften, Eigenmittel

Das MNHA ist direkt abhängig vom Kulturministerium und hat drei Quellen für seine Sammlung. Es werden Schenkungen aus privatem Familienbesitz angenommen, wenn das Museum interessiert ist: Ab einem gewissen Wert (um die 12.500 Euro) wird die Museums-Kommission damit befasst, und schlussendlich entscheidet der Regierungsrat. Das MNHA kann zudem testamentarisch festgelegte Hinterlassenschaften - „legs“ – erhalten und schließlich kann die Kollektion über das eigene Budget ergänzt werden. So werden fehlende Stücke aufgekauft, um die Entwicklung der Kunst in Europa abbilden zu können, es wird in moderne Kunst investiert und gezielt Werke luxemburgischer Künstler aufgekauft.

Jeder Minister hat übrigens die Möglichkeit, sich sein Büro mit Stücken seiner Wahl aus der Sammlung des MNHA zu verschönern.

Ein anders gelagerter Fall ist das MUDAM (Fondation Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean), eine vom Staat gegründete und finanzierte Stiftung privaten Rechts. Ihre Kollektion wird mit der Subvention des Staates erweitert, streng genommen gehört sie aber der Stiftung.