LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Küchenmesser-Attacke: 44-jährige Amerikanerin vor Gericht

Wegen versuchten Mordes stand am Dienstagmorgen eine 44-jährige Amerikanerin vor der Kriminalkammer Luxemburg. Laut Ermittlungen der Kripo hatte die Frau am 26. Juni 2014 gegen 23.00 versucht, ihren Lebensgefährten in der gemeinsamen Wohnung in Kirchberg mit einem Küchenmesser zu töten. Der Mann überlebte jedoch den mutmaßlichen Anschlag.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Fall Anklage wegen versuchten Mordes erhoben. Weil das Opfer nicht vor Gericht erschien, wurde es von der Vorsitzenden Richterin Sylvie Conter zu einem Ordnungsgeld von 500 Euro verdonnert, denn die Pflicht eines Zeugen, vor Gericht zu erscheinen, ist in den Verfahrensordnungen als eine allgemeine Staatsbürgerpflicht normiert.

Die gebürtige Amerikanerin lebte zusammen mit ihrem Ehemann in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses in Kirchberg. Wie die Staatsanwaltschaft berichtet, hätten sich die beiden im Internet kennengelernt. Als sie sich in ihren Mann verliebte, habe sie die Vereinigten Staaten von Amerika (Chicago) verlassen und sei mit ihm nach Luxemburg gezogen.

Wie es scheint, hängt der Hintergrund des blutigen Dramas mit monatelangen Eheproblemen zusammen. Am Abend des 26. Juni 2014 geriet das Ehepaar zunächst „wegen Nichtigkeiten“ in Streit. Sie warf ihm vor, im Internet Kontakt zu anderen Frauen aufgenommen zu haben. Weil sie eine andere Wohnung suchte, wollte sie ihn fragen, ob er sie dabei finanziell unterstützen könnte. Weil er sich aber ein Fußballspiel der Weltmeisterschaft ansah, wollte er nicht mit ihr reden. Dann eskalierte der Streit.

Die Frau soll dann mit einem Messer mit einer Klingenlänge von fast 16 Zentimetern ein Mal auf den 42-jährigen eingestochen haben.

Streit eskalierte

Die 44-Jährige ist wenige Stunden nach der Tat in der Wohnung festgenommen worden und war von Anfang an geständig. Doch auch wenn die mutmaßliche Täterin die Tat an ihrem Ehemann gestanden hat, bleiben vor Gericht Fragen offen: Ist die mutmaßliche Täterin glaubwürdig? Hat die Frau besonders skrupellos gehandelt? Oder wollte sie sich gar selbst töten?

Bei der Einvernahme vor dem Untersuchungsrichter hatte die Frau erzählt, sie habe Angst vor ihrem Mann gehabt. „Ich habe ihn geliebt. Aber meine Ehe war die Hölle“, sagt die Frau. In der polizeilichen Vernehmung gibt sie zu Protokoll, dass ihr Ehemann moralische und häusliche Gewalt ausgeübt hätte. Sie habe unter einem Eheterror gelitten.

Bis zu jenem Tag, an dem der letzte Streit blutig endete. Zeugen, die den Streit mitbekommen hatten und in die Wohnung eilten, berichteten, dass die 44-Jährige bei ihrer Ankunft ein Messer in der Hand hielt. Die Frau hätte am ganzen Körper gezittert. Sie sei in Panik gewesen, schilderten drei Zeugen vor Gericht. Das Opfer hätte am Boden gesessen und hätte stark geblutet. Sie hätte mehrfach gesagt, dass sie ihr Verhalten bedauere. „Ich wollte das nicht! Sorry, Sorry!“ Sie sei körperlich und seelisch fertig gewesen. Laut Opfer habe die 44-Jährige im Affekt gehandelt, eine spontane Tat.

Drei Tage Intensivstation

Professor Dr. Andreas Schuff ist Gerichtssachverständiger. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft erstellte er ein medizinisches Gutachten. Die medizinischen Untersuchungen ergaben allerdings, dass der Messerstich nicht zum Tod des Ehemannes hätte führen können. Der Stich hatte den rechten Rippenbereich durchbohrt. Weiter stellte Dr. Schuff eine Verletzung des Zwerchfells und eine Verletzung der Leber sowie eine Schnittwunde an der rechten Hand fest. Das Opfer lag drei Tage in der Intensivstation.

Ob das Gericht die Tat bei einem Schuldspruch als versuchten Mord einstuft, ist offen. Ein Psychiater trägt heute vor Gericht sein Gutachten vor.

Der Prozess wird fortgesetzt