LUXEMBURG
MAGDALENA MIDA

Den Auftrag von Arbeitsminister Dan Kersch, einen Mobbing-Gesetzesvorentwurf  auszuarbeiten, hat die Mobbing asbl abgeschlossen. Doch eine rechtliche Grundlage zu schaffen, wie von der Vereinigung gefordert, reicht alleine nicht aus, sagt Magdalena Mida, Psychologin und Direktorin der asbl, die in diesem Jahr einen Corona-bedingten Anstieg an Kontaktaufnahmen verzeichnete.

„Unter Mobbing verstehen wir als Mobbing asbl nach der Definition von Heinz Leymann wiederholte und systematische, sich verschlimmernde persönliche Angriffe über eine längere Dauer. Persönliche Attacken können sich auf vielfältige Art und Weise äußern: Kontaktverweigerung, Rufschädigung, die einer Person aufgetragenen Aufgaben bis hin zu leichter Gewaltanwendung oder –androhung.  Der Psychologe Leymann nennt eine Dauer von sechs Monaten, doch aus Erfahrung wissen wir, dass eine Person, die täglich persönlichen Angriffen ausgesetzt ist, nach ein zwei Monaten völlig am Ende sein kann. Nicht als Mobbing angesehen werden schlechte Witze oder Einzelaktionen so wie auch Zurechtweisungen vom Vorgesetzten für berufliche Fehler. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Mobbing auf allen Ebenen vorkommt: unter gleichgestellten Kollegen, von oben herab oder auch von unten herauf, wenn sich beispielsweise eine Abteilung gegen einen neuen Vorgesetzten stellt. Jede Person kann in eine solche Situation geraten.

Als Mobbing asbl können wir einen Corona-bedingten Anstieg der Anfragen stellen. Bis Anfang dieser Woche gab es 467 Kontakte, davon zwei Drittel Informationsanfragen. 133 Personen waren bereit, eine Akte anzulegen. Sehr viele Risiko-Personen, die weiterhin arbeitsfähig sind, haben sich bei uns gemeldet. Sie sind nach dem Lockdown wieder zurück an ihren Arbeitsplatz, wo die Barrieregesten nicht von allen Mitarbeitern respektiert wurden und man sich deshalb über sie lustig machte. Es gab auch viel Unklarheiten rund um die Kurzarbeit und den speziellen Sonderurlaub aus familiären Gründen, sodass Personen, die nach einem halben Jahr zur Arbeit zurückkehrten, den Vorwurf zu spüren bekamen, ihre Arbeitskollegen im Stich gelassen zu haben.

Als Mobbing asbl besteht unsere erste Aufgabe darin, zu ermitteln, ob es sich tatsächlich um einen Mobbing-Vorfall handelt und falls dem so ist, den Vorgesetzten anzuschreiben, um ihn einzuladen, seine Sicht der Dinge zu schildern so wie auch sich mit dem Betroffenen auszutauschen. Grundsätzlich ist es am Arbeitgeber, Vorschläge zur Lösung des Konflikts zu machen. Wir können aber beispielsweise vorschlagen, einen Mediator hinzuzuziehen.

Ein Anti-Mobbing-Gesetz ist sicher wichtig, um eine dem Mobbing ausgesetzte Person zu schützen. Fakt ist aber auch, dass trotz einer stärkeren Thematisierung in der Öffentlichkeit der Stellenwert der psychischen Gesundheit der Mitarbeiter nach wie vor verbesserungswürdig ist. Wichtig wäre es, dass ein Unternehmen für Werte einsteht und klarmacht, dass Mobbing nicht akzeptiert wird und des Weiteren  Folgen haben wird. Viele Leute sind sich der Auswirkungen von Mobbing nicht bewusst, einerseits auf individueller Ebene für den Betroffenen  (Depressionen, Angstzustände bis hin zu Selbstmordgedanken und –versuchen), andererseits auch für das Unternehmen selbst, denkt man an die Kosten und die Folgen für die Arbeitsorganisation durch Krankmeldungen. Fakt ist: Ein gesunder und glücklicher Mensch macht seine Arbeit besser als ein vernachlässigter und krank werdender.“