LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Altenpflege und Krippen sind das Geschäft der Lavorel-Gruppe, die wieder zugekauft hat

Mit fast 400 Mitarbeitern ist Stanislas Lavorel einer der größeren Arbeitgeber in Luxemburg - und einer der diskretesten. Der Franzose betreibt die Krippen von Ribambelle, Children´s World, Villa Wichtel und kidsCare unter dem Dach von EUROPE CRECHES, dem größten Anbieter von Krippen in Luxemburg, der sich in etwa 30 Strukturen um rund 1.200 Kinder kümmert. Jetzt hat ist er auch noch Aktionär bei EducaZen geworden, einem führenden französischen Anbieter von Babysitting und Tagesmüttern. Im Exklusiv-Interview erklärt der 44-Jährige, wie er die neue Sprachregelung vorbereitet, was er noch vorhat und warum er nicht nur in Kinder, sondern auch in Intensivmedizin investieren will.

Herr Lavorel, Sie investieren in Kinderbetreuung, kommen aber eigentlich aus dem Finanzbereich und der Altenpflege. Wie passt das zusammen?

Stanislas Lavorel Nach einer Finanzausbildung bin ich in das elterliche Unternehmen eingestiegen, das in Lyon im Bereich Pflege aktiv war. Wir sind dann an die Börse gegangen. Bei der Suche nach Investitionsmöglichkeiten traf ich Lars Uhlen, den Gründer von Bonitas in Deutschland. Das ist ein ambulanter Fachpflegedienst für Alten- und Krankenpflege. Anfangs war das ein kleines Unternehmen aus dem westfälischen Herford mit rund hundert Mitarbeitern. Uhlen ist gelernter Krankenpfleger hatte eine sehr menschliche Vision, die mir gut gefallen hat. Er wollte den Service ausbauen. So sind wir als Lavorel-Gruppe vor 17 Jahren dort eingestiegen.Heute sind wir mit über 3.200 Mitarbeitern an 44 Standorten der größte deutsche Anbieter.

Wie kamen Sie dann zu Krippen in Luxemburg?

Lavorel Wir wollten uns in Nordeuropa weiterentwickeln. Luxemburg liegt in der Mitte und hier spricht man viele Sprachen, auch Französisch und Deutsch. Als wir 2012 herkamen, wollten wir eigentlich in den Gesundheitsbereich. Dann kam der Kontakt zu Ribambelle und die Übernahme. Man muss dazu sagen, dass wir rund sieben Jahre zuvor in Lyon auch schon mal an einer Krippe als Minderheitsaktionär beteiligt gewesen waren. Wir wollen in den menschlichen Bereich investieren und dort Service anbieten. Nach dem ersten Kauf habe ich im Dezember 2013 eine Pressemitteilung gemacht. Das fiel zufällig zusammen mit den Ankündigungen der damals neuen Regierung zur Krippenregelung. Das journalistische Interesse war also groß. Gleichzeitig hatten viele Krippenbetreiber Angst. Nach der Pressekonferenz kamen weitere Angebote. Im Juli 2014 haben wir Children´s World übernommen. Diese Krippen mit einem anglophonen Ansatz waren ganz anders als die Ribambelle-Krippen. Im November folgte dann die Villa Wichtel, eine sehr luxemburgische Struktur, und im Januar 2015 kidsCare, die von Montessori geprägt sind. So sind wir schnell zur Nummer eins der Krippen in Luxemburg geworden.

Wie bereiten Sie sich auf die neue Sprachenregelung für Krippen vor?

Lavorel Wir wollen die besten Ansätze, die best practice. Erst einmal mussten wir alle ehemaligen Konkurrenten zu einem Unternehmen zusammenschweißen. Wir haben viel investiert, rund vier bis fünf Millionen Euro. Die größte war das Zentrum für interne Weiterbildung; „l´acadmie des metiers de l´enfance“. Dorthin kommen interne und externe Ausbilder. Auf dem Markt gibt es viele deutschsprachige Angebote, aber wir haben sehr viele frankophone Mitarbeiter. Die müssten teilweise ein Jahr auf einen Platz warten. Jetzt soll das besser klappen. Ich will Weiterbildung, aber auch Persönlichkeitsentwicklung ermöglichen. Viele Kompetenzen wachsen intern. Was die Sprachen angeht, so haben wir jetzt überall die benötigten Kompetenzen. Wir müssen aber die Leute auch halten, und deshalb ist mir die Persönlichkeitsentwicklung so wichtig. Als Franzose finde ich es bemerkenswert und sehr positiv, wie Luxemburg das macht. Ich bin selbst Vater von vier Kindern und mir war der Fremdsprachenerwerb der Kinder wichtig.

Warum sind Sie bei EDUCAZEN eingestiegen, dem französischen Anbieter für Kinderbetreuung?

Lavorel Der Gründer des Unternehmens war in zehn Jahren so groß geworden, dass er sich nicht mehr in der Lage fühlte, die nächste Etappe allein zu meistern. Die anderen Interessenten wollten kaufen, aber ich merkte im Gespräch, wie sehr er an allem hing. Wir hatten einen gemeinsamen Ansatz. So habe ich ihm vorgeschlagen, Hauptaktionär zu werden, damit er blieb. Jetzt werde ich rund eine Million Euro investieren. Die Qualität ist sehr wichtig. Bei EducaZen kommen 85 Prozent der Kunden über Mund-zu-Mund-Propaganda und die durchschnittliche Vertragsdauer liegt bei fünf Jahren. Das sind sehr gute Werte. Jetzt wollen wir die Kinderbetreuung zu Hause entwickeln. Sie wird in Frankreich - anders als in Luxemburg - sehr stark finanziell gefördert, so dass die Kosten nur noch bei rund sechs Euro pro Stunde liegen.

Was haben Sie in Luxemburg vor?

Lavorel In Deutschland sind wir stark in der Intensivpflege. Dort hat Bonitas in letzter Zeit kleine Wohngemeinschaften namens „Kleines Heim mitten im Leben“ aufgebaut. Bei diesem Projekt werden Pflegebedürftige in kleineren Wohngemeinschaften ihrer Nachbarschaft aufgenommen. Bis 2018 sollen in Deutschland 41 dieser Wohngemeinschaften hinzukommen. Das könnte ich mir auch in Luxemburg vorstellen, denn wir sind oft preiswerter als das Krankenhaus. Diese Menschen müssen nicht auf einer Intensivstation liegen, sind aber noch nicht bereit für ein Palliativhaus. Es gibt dort Schlafmöglichkeiten für Ehepartner, Spielzimmer für Kinder, Gemeinschaftsküchen und chiropraktische Angebote. Ich liebe es, unsere Strukturen in Deutschland zu besuchen. Eine Frau dort hat mich neulich gedrückt, so froh war sie, dort zu sein.