REMICH/LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Getrübte Erwartungen - Nächste Woche beginnen die meisten Winzer mit der Weinlese

Vielleicht gibt es doch noch ein halbes Happy End im Weinbau-Krisenjahr 2016. Der falsche Mehltau (Peronospora) hat in diesem Jahr ja besonders stark - nicht nur - in den luxemburgischen Weinbergen gewütet. Schon seit längerem ist bekannt, dass es zu drastischen Ernteeinbrüchen kommen wird. Das „Journal“ berichtete schon mehrfach darüber.

Hoffen auf die Qualität

Serge Fischer vom Weinbauinstitut in Remich erwartet eine Erntemenge von 60 Prozent einer durchschnittlichen Lese. Andererseits hat das warme Wetter der letzten Wochen dafür gesorgt, dass die von Peronospora befallenen Trauben, vertrocknet und von den Stöcken abgefallen sind. Die Qualität der verbliebenen Trauben ist ausgesprochen gut, nicht zuletzt wegen des guten Wetters der vergangenen Wochen. Die meisten Winzer werden noch bis nächste Woche warten, und versuchen noch einige trockene Tage mitzunehmen, bevor sie mit der Lese beginnen. Das Weinbauinstitut wird am kommenden Montag in seinen eigenen Weinbergen mit der Erntearbeit loslegen.

Ein ungewöhnliches Jahr

Bei der gemeinsamen Weinbergbegehung des Weinbauinstituts zusammen und einer Reihe von Experten uns Wissenschaftlern in der letzten Woche wurde es wieder deutlich, der allgemeine Tenor lautet: „Das Weinjahr 2016 wird so schnell niemand vergessen.“

Dahinter stehen die Wetterkapriolen: Ein ungewöhnlich milder Winter ohne Schnee und Frost; März und April waren kühl und nass, Ende April setzte heftiger Spätfrost ein - mit spürbaren Folgen für einzelne Weinlagen.

Zunächst Sintflut statt Sonne

Mit einem gewaltigen Tiefdruckgebiet Ende Mai kam auch die Pilzkrankheit Peronospora. Was noch moderat begann, verschlimmerte sich im Juni drastisch. Die übliche Niederschlagsmenge wurde um das Doppelte übertroffen. Nasse Blätter und sehr milde Temperaturen ließen die Peronospora geradezu explodieren.

Der Monat August brachte Erholung. Die nicht mehr anfälligen Trauben konnten in der Sommerwitterung in den Reifeprozess übergehen. Laut Weinbauinstitut sorgte der abrupte Wechsel auf Maximaltemperaturen über 35°C für teilweise beachtliche Sonnenbrandschäden an den Trauben. Dank eines stabilen Hochdruckgebiets in den beiden ersten Septemberwochen konnte der Reifeprozess der Trauben unter idealen Bedingungen vorangehen.

Die Experten bilanzieren ihre Begehung kurz vor der Lese so: „Die Ertragsaussichten für das Weinjahr 2016 werden quantitativ ein gutes Stück unter dem Durchschnitt liegen. Mit einer geschätzten Erntemenge von rund 80.000 Hektolitern, würde dies in etwa 60% einer normalen Ernte von 130.000 Hektoliternentsprechen.“
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