PASCAL STEINWACHS

In einer Woche, den ein Großteil der Luxemburger zum Sonnetanken im Ausland verbringt, kann es schon mal vorkommen, dass, wenn überhaupt, die politische Aktualität an einem Tag aus einer einzigen Pressekonferenz besteht, so dass diesem einsamen Rendezvous dann natürlich auch eine größere Medienaufmerksamkeit beigemessen wird, als wenn sich in einer normalen Arbeitswoche die Termine nur so überschlagen. So geschehen am letzten Dienstag, als Chancengleichheitsministerin Lydia Mutsch und Vizepremier und Wirtschaftsminister Etienne Schneider (beide LSAP) zu einer Pressekonferenz einluden, um auf dieser noch einmal daran zu erinnern, dass die Regierung sich mehr Frauen wünscht: In Führungspositionen und auch sonst überall, womit wahrscheinlich die Regierung selbst gemeint ist, in der 13 Herren gerade einmal fünf Damen gegenübersitzen.

Bis 2019, so steht es jedenfalls im Regierungsprogramm, sollen nämlich 40 Prozent der Verwaltungsratsposten in öffentlich-rechtlichen Institutionen und in Unternehmen mit staatlicher Beteiligung mit Frauen besetzt werden, was dem Vizeregierungschef zufolge aber immer noch nur einem Etappenziel entspreche, sei eine richtige Gleichheit doch erst bei 50 oder sogar mehr Prozent erreicht. Momentan liegt der diesbezügliche Frauenanteil übrigens bei mageren 22,35 Prozent, was im Vergleich zur Vergangenheit aber bereits ein großer Fortschritt sei, wie es auf der Pressekonferenz hieß. Dass der Vizepremier nicht gut auf die Vorgängerregierung zu sprechen ist, obwohl er dieser ja zum Teil selbst angehörte, zeigte sich aber auch an einer beiläufigen Bemerkung Schneiders, derzufolge das Chancengleichheitsministerium inzwischen definitiv kein Alibiministerium mehr sei. So scheint die LSAP immer noch nicht überwunden zu haben, dass das Frauenministerium vor 20 Jahren ausgerechnet vom seinerzeit nigelnagelneuen CSV-Premier Jean-Claude Juncker ins Leben gerufen wurde (damals unter dem Namen „Ministère de la Promotion féminine“, das 2004 dann in „Ministère de l’Égalité des chances“ umbenannt wurde), dem damit nicht nur ein waschechter Überraschungscoup gelang, sondern der damit vor allem den kleineren Koalitionspartner kräftig demütigte, indem er ungeniert bei dessen potenzieller Wählerschaft wilderte.

Wie auch immer: Für die nächsten Legislativ- und Europawahlen will Blau-Rot-Grün nun eine Frauenquote von 40 Prozent auf den Wahllisten einführen; wenn eine Partei sich nicht dran hält, drohen finanzielle Sanktionen. Dabei ist gewusst, dass die meisten politischen Parteien jetzt schon Schwierigkeiten haben, um genügend Frauen zu finden, die bereit sind, sich in der Politik zu engagieren. Und wenn sie dann in der Politik sind, sehen sie oftmals, wie rezenterweise Runa Egilsdottir (déi gréng) im hauptstädtischen Gemeinderat oder Christiane Wickler (ebenfalls déi gréng) in der Abgeordnetenkammer, dass die Politik doch viel mehr Zeit in Anspruch nimmt, als ursprünglich gedacht.

Die Quoten - in Politik und Wirtschaft - sollte man sich sparen: Genommen werden sollten nur die Besten, unabhängig vom Geschlecht...