Die Auswirkungen der europäischen Weinmarktreform sind jetzt auch in Luxemburg angekommen. Mit dem Jahrgang 2014 wurde das alte Bewertungssystem, das die Weine im Grunde mit einer einzigen Geschmacksprobe klassifizierte und weder Produktionsmengen und noch zu erwartende Lebensdauer berücksichtige, aufs Altenteil geschickt. Die Zeit der massenhaften „Grand premier cru“ ist vorbei.
Der 2014er wird jetzt als erster Jahrgang nach den Standards der „Appellation d’origine protégée -Moselle Luxembourgeoise“ geprüft und klassifiziert. Weinbauminister Fernand Etgen stellte bei der Präsentation des neuen Bewertungssystems im Weinbauinstitut in Remich fest, dass der Einstieg in den von der Europäischen Weinmarktordnung geschaffenen Billigsektor für Weine ohne Herkunftsbezeichnung für Luxemburg völlig außer Frage stand und steht. Da Luxemburg auf Qualität setzen müsse, habe man gemeinsam mit den Weinbauvertretern ein Lastenheft für die Schaffung einer „Appellation d’origine protégée - Moselle Luxembourgeoise“ (AOP) erarbeitet.
Ständig sinkender Marktanteil
Etgen bedauerte ausdrücklich, dass 40 Prozent der hiesigen Bevölkerung überhaupt keinen Wein trinken. 33 Prozent greifen wenigstens zweimal pro Monat zur Weinflasche und nur sechs Prozent gönnen sich täglich ein Gläschen Wein.
Roby Ley, der Direktor des Weinbauinstituts, wies auf die immer weiter auseinander gehende Schere zwischen der steigenden Bevölkerungsentwicklung und dem Absatzrückgang für Luxemburger Wein, der Marktanteil liegt nur noch knapp über zehn Prozent. Es sei dringend geboten diesen Trend umzukehren und auch die ausländischen Mitbürger für luxemburgischen Wein zu begeistern. Größter Exportmarkt sei immer noch Belgien, aber auch die Großregion werde mehr und mehr von den luxemburgischen Winzern als Absatzgebiet erkannt.
Auf der Habenseite des luxemburgischen Weinbaus steht nach seinen Worten der „Crémants“ mit drei Millionen verkauften Flaschen. Luxemburg könne mit seinem Qualitätsbewusstsein von der Brüsseler Reform nur profitieren, so Ley, Luxemburger Wein stände für „Terroir“ und Authentizität.
Genaue Definition der Einzellagen
Weinkontrolleur André Mehlen fasste die prinzipiellen Grundlagen der AOP so zusammen, dass die Quantität pro Hektar sinkt und die Qualität deutlich angehoben wird.
Zunächst wird der Hektarertrag auf 100 Hektoliter pro Hektar beschränkt (Ausnahmen für Rivaner und Elbling). Die bisher geprüfte „Qualität im Glas“ werde durch das - international übliche - Herkunftsprinzip ersetzt. Dazu mussten die geografischen Einheiten genau festgelegt werden, insbesondere die kleinen, hochwertigen Lagen mussten exakt erfasst und dokumentiert werden. Mehlen wörtlich: „Je enger die geografische Einheit, desto schmeckbarer die Herkunft“.
AOP-Weine gliedern sich in Zukunft in vier Stufen:
„Crémant de Luxembourg“ basiert auf AOP-Weinen aus gesunden und aromatischen Trauben, die den Qualitätsanspruch an den Crémant erfüllen.
Weine mit der Herkunftsangabe „Côtes de...“ sind harmonische Einsteigerweine für den unkomplizierten Genuss.
Die Bezeichnung „Coteaux de...“ steht für rebsortentypische Premiumweine, klassische Luxemburger Moselweine.
Die Spitze bilden die Weine mit „Lieu-dit…“, diese Lagen-Weine aus ausgewählten Parzellen geben das „Terroir“, also den Boden, das Mikroklima und die naturnahe Bewirtschaftung wieder.
Es gehe aber darum, nicht nur die Spitze zu definieren oder noch weiter auszubauen, sondern auch die Basisqualität nach oben zu ziehen, so Mehlen.


