LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Octavie Modert fragt nach der von Francine Closener und Nicolas Schmit im Oktober vorgestellten Idee einer Hotelfachschule der „Zweiten Chance“ im Schengener Schloss

Der CSV-Abgeordneten Octavie Modert aus dem Ostbezirk wird es eine diebische Freude bereitet haben, diese parlamentarische Frage zu formulieren. Modert, früher selbst einmal Kulturministerin, bezieht sich mit ihrer Frage auf einen politischen Heißluftballon, den die beiden damaligen sozialistischen Regierungsmitglieder Francine Closener, Wirtschaftsstaatssekretärin, und Nicolas Schmit, Arbeitsminister, kurz vor den Parlamentswahlen im Oktober 2018 hatten steigen lassen. Beide sahen die Zukunft des Schengener Schlosses, das derzeit noch in Privathand ist und nach gescheiterten Umbauplänen seit Jahren leer steht, in einer Hotelfachschule der „Zweiten Chance.“

Nur ein Wahlversprechen?

Zur Ehrenrettung muss man aber festhalten, dass Francine Closener damals bewusst auf eine geänderte Strategie setzte: Sie meinte, zuerst die Idee ausarbeiten, dann die Infrastruktur dafür schaffen.

Die Grundidee von Closener und Schmit war ein Qualitätshotel, das gleichzeitig als Ausbildungsplatz für gastronomische Berufe dient. Das Angebot sollte sich an Jugendliche mit einer schwierigen Biografie, etwa aus prekären Verhältnissen oder mit einer abgebrochenen Schulkarriere, richten und ihnen eine neue Perspektive eröffnen. Man orientierte sich am Sozialprojekt des französischen Spitzenkochs Thierry Marx, der neben seinem Sterne-Restaurant sieben Kochschulen für benachteiligte Jugendliche in Frankreich betreibt. Marx setzt einerseits darauf in seinen viermonatigen Kursen das Interesse an der Gastronomie zu wecken, andererseits verlangt und vermittelt er Grundwerte wie Pünktlichkeit und Arbeitsdisziplin. Um das Projekt eines Ausbildungshotels umzusetzen sei der Staat bereit, das Schengener Schloss anzukaufen, meinten Minister und Staatssekretärin im Oktober 2018.

Noch aktuell?

Entsprechend präzise stellte nun Octavie Modert ihre Fragen an Wirtschaftsminister Etienne Schneider, der dieses Kuckucksei nach dem Ausscheiden von Schmit und Closener aus der Regierung geerbt hat.

Was die Regierung seit Oktober 2018 unternommen habe, um wieder Eigentümer des Schlosses zu werden? Wie hoch der Kaufpreis für das Schloss sei? Ob die Summe im Budget 2019 berücksichtigt werde? Wie weit das Projekt (einer Hotelfachschule) seit Oktober gediehen sei? Gibt es schon einen verantwortlichen Projektentwickler? Ob die Regierung das Vorhaben nach dem Ausscheiden von Closener und Schmit überhaupt fortführen wolle? Sei die angekündigte Realisierungsphase von zwei Jahren noch aktuell?

Alles wird geprüft

Schneider ließ die meisten konkreten Fragen unbeantwortet, sondern verwies, wie seine ehemalige Staatssekretärin, auf den hohen Personalbedarf des Hotel- und Gaststättengewerbes, das bereits über 20.000 Mitarbeiter beschäftigt und dringend weiteres Personal sucht. Eine weitere Ausbildungsstätte sei da nur sinnvoll. Die Regierung halte daran fest den Personalmangel durch eine Aus- und Weiterbildung zu bekämpfen.

Laut Schneider ist die von Closener und Schmit empfohlene Idee in der „Analysephase“, um die Rahmenbedingungen festzulegen. Außerdem sei das Schloss ein geschütztes Denkmal, auch dies müsse berücksichtigt werden. Im Budget 2019 seien keine Mittel dafür vorgesehen.

Michel Gloden: Staat soll Schloss kaufen

Noch in der vergangenen Woche hatte der Schengener Bürgermeister Michel Gloden betont, dass seine Gemeinde ganz stark daran interessiert ist, dass der Staat das Schloss ankauft, nicht zuletzt um dessen Verfall zu vermeiden.