LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Zahl der Toten steigt auf 83 (+3) - Hospitalisiert sind im Moment noch 165 Leute

Wie das Gesundheitsministerium am späten Nachmittag mitteilte, hat Luxemburg drei neue Corona-bedingte Todesfälle zu beklagen. Damit haben hierzulande bislang 83 Menschen den Kampf gegen das Virus verloren. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt bei 83 Jahren.

Auf Covid-19 positiv getestet wurden in Luxemburg inzwischen 3.665 Personen - das sind elf mehr als am Vortag. Der Altersdurchschnitt liegt hier immer noch bei 46 Jahren. Von den infizierten Personen sind 2.979 Ansässige und 686 Nichtansässige; 51,1 Prozent sind Männer und 48,9 Prozent Frauen.

Seit Beginn der Krise wurden bislang insgesamt 36.891 Corona-Tests durchgeführt. Hospitalisiert sind im Moment 165 Leute (Covid-19 und Verdachtsfälle), von denen 27 auf der Intensivstation liegen. Entlassen wurden bislang 728 Corona-Patienten.

Da morgen erneut Regierungsrat ist - die Minister trafen sich auch bereits am Mittwoch dieser Woche - , um zusätzliche Dringlichkeitsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Krise in die Wege zu leiten, dürfte damit zu rechnen sein, dass Premierminister Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert am Nachmittag erneut via Videoschalte eine Pressekonferenz abhalten, um das Land über die jüngsten Corona-Beschlüsse der Regierung ins Bild zu setzen. Auch könnte es angesichts der Dringlichkeit der Regierungsbeschlüsse sein, dass die Abgeordnetenkammer erneut am Samstag zu einer öffentlichen Sitzung zusammenkommt. Nächste Woche ist dann eine reguläre Sitzungswoche geplant.

Kommt ein spezielles Pandemie-Gesetz?

Der grüne Vizepremier François Bausch, der auch für die innere Sicherheit zuständig ist, setzte seinerseits bereits heute Nachmittag - zusammen mit dem delegierten Armee- und Polizeiminister Henri Kox - die Mitglieder des zuständigen Kammerausschusses ins Bild, dass die Regierung drüber nachdenke, ein spezielles Pandemie-Gesetz auszuarbeiten, in dem eine Reihe von Regeln definiert werden sollen. Am 18. März wurde ja wegen des Coronavirus der nationale Notstand ausgerufen.

Zur Sprache kam auch die Situation an den Grenzen, und hier insbesondere die Grenzkontrollen an der deutsch-luxemburgischen Grenze, die bei den Abgeordneten für Verärgerung sorgten. Der Minister versprach, die Sorgen der Abgeordneten weiter zu geben.

Zu erfahren war auch, dass Luxemburg in Zukunft ein Militärzelt für medizinische Zwecke kaufen wolle - so eines wie im Moment gerade beim hauptstädtischen „Centre Hospitalier“ steht. In diesem Zusammenhang könne man sich auch eine Art Militärspital vorstellen, so Bausch, das an ein normales Krankenhaus angegliedert werden könne. Hierbei würde es sich um eine flexible Struktur handeln, die in Zusammenarbeit mit der Universität Luxemburg und der Ärztevereinigung AMMD ausgearbeitet werde, und in normalen, Nicht-Krisen-Zeiten der Forschung diene, um dann, im Krisenfall zum Militärspital zu werden.

François Bausch gab ebenfalls an, dass in den vergangenen fünf Wochen insgesamt rund 5.000 Polizeikontrollen stattfanden, bei denen 1.600 Verstöße festgestellt wurden, weil die Leute sich nicht an die Corona-bedingten Regeln gehalten haben, wie auch 60 Protokolle geschrieben wurden, weil Geschäfte oder Baustellen nicht geschlossen waren.

Gültigkeit der in der Corona-Krise abgelaufenen Personalausweise wird verlängert

Den Fragen der Abgeordneten stellte sich aber auch in der zuständigen Kammerkommission Innenministerin Taina Bofferding via Videokonferenz. Hierbei war zu erfahren, dass zivile Hochzeiten in Zukunft auch außerhalb der Gemeinden stattfinden könnten, und dass die Gültigkeit der in der Corona-Krise abgelaufenen Personalausweise verlängert werde.

LSAP-Vizepremier und Sportminister Dan Kersch hielt ebenfalls eine Videokonferenz mit den Mitgliedern der parlamentarischen Sportkommission ab. Dabei gab er an, dass Spitzensportler ab dem 4. Mai wieder in der Coque auf Kirchberg trainieren dürfen. Auch wurde bekannt, dass rund 315 Leute, die bei Sportverbänden angestellt sind, einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt haben. Sportunterricht in der Schule finde in diesem Schuljahr indes nicht mehr statt.

Landwirtschaftsminister Romain Schneider hielt derweil eine Videokonferenz mit Vertretern aus dem Lebensmittel produzierenden Agrarsektor ab, wobei er bekannt gab, dass er an einem diesbezüglichen Wiederbelebungsplan für nach der Krise arbeite. Sorgen macht dem Landwirtschaftsminister aber derzeit neben der Corona-Krise auch die große Trockenheit, die ebenfalls negative Konsequenzen für die Landwirtschaft habe.

André-Losch-Stiftung unterstützt Covid-19-Forschung

Die André-Losch-Stiftung kündigte ihre Beteiligung im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie an. Sie unterstützt „Research Luxembourg“ mit einer ihrer bisher bedeutendsten Spenden. Die Zusage der Stiftung in Höhe von 1,4 Millionen Euro wird dazu beitragen, drei Covid-19-Studien zu finanzieren, die derzeit in Luxemburg durchgeführt werden: Die Con-Vince-Studie, mit der die Dynamik der Ausbreitung der Krankheit in Luxemburg bewertet werden soll; die Predi-Covid-Studie, die sich der Suche nach Markern widmet, die die Schwere der Krankheit vorhersagen können; und eine Studie, die statistische Projektionen und Modellierung der Epidemie entwickelt. Darüber hinaus wird die André-Losch-Stiftung auch vier Transporter finanzieren, mit denen Krankenschwestern und -pfleger Gewebeproben von Studienteilnehmern abholen können, um diesen den Weg ins Krankenhaus zu ersparen.

Der größte Teil dieser Spende ist jedoch für die beiden wichtigsten Covid-19-Forschungsstudien des Großherzogtums bestimmt, die beide von „Research Luxembourg“, einer gemeinsamen Initiative der Hauptakteure des öffentlichen Forschungssektors, durchgeführt werden. Die Con-Vince-Studie wurde am 9. April gestartet, um genaue Daten über die Prävalenz und Übertragung der Krankheit in Luxemburg zu erhalten. Das Projekt Predi-Covid ist eine Stratifikationsstudie die sich auf Risikofaktoren konzentriert, die den Verlauf der Krankheit beeinflussen können. Ihr Hauptziel besteht darin, klinische, epidemiologische und molekulare Merkmale zu identifizieren, die mit der Schwere der Symptome assoziiert sind.

Durch eine dritte Spende wird einer Forschungsgruppe ermöglicht, an statistischen Simulationen der Entwicklung, der Auswirkungen und der Ausbreitung der Pandemie zu arbeiten, die als wissenschaftliche Basis für Entscheidungsfindung dienen könnten. „Die Forschungsgemeinschaft des Landes engagiert sich voll und ganz im Kampf gegen die Epidemie. Diese großzügige Spende wird uns enorm dabei helfen, das zu erreichen, was wir uns vorgenommen haben“, erklärt Prof. Ulf Nehrbass, Leiter der „Research Luxembourg“-Task Force.

„natur & ëmwelt“ begrüßt grüne Corona-Rettungspakete

Zu Wort meldete sich ebenfalls die Umweltschutzorganisation „natur & ëmwelt“, die das Vorhaben der Luxemburger Regierung begrüßt, grüne Corona-Rettungspakete zu schaffen. In einem Mobilisierungsaufruf, den viele Unternehmen, Minister, Europaabgeordnete und Nichtregierungsorganisationen unterzeichnet haben, wird gefordert, die Wirtschaft in eine neue und nachhaltigere Richtung zu orientieren und auf einem solchen Modell zu verankern. So sollen die Gelder, die zur Rettung der europäischen Wirtschaft aufgebracht werden, gleichzeitig dem Übergang zu einem klimaneutralen Wirtschaftssystem, dem Schutz der Artenvielfalt und der Umsetzung einer widerstandsfähigeren und nachhaltigeren Nahrungsmittelwirtschaft dienen.