LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„The Racer“ spielt 1998 bei der Tour de France

Ausgangspunkt für die irisch-belgisch-luxemburgische Koproduktion „The Racer“ von Kieron J. Walsh ist die 85. Tour de France aus dem Jahr 1998. Der Startschuss fiel in Dublin, und es folgten noch zwei weitere Etappen in Irland, ehe die Tour in Frankreich weitergefahren wurde. Im Mittelpunkt des Radrennens standen jedoch nicht die sportlichen Erfolge, sondern etliche Doping-Fälle, besonders in der Mannschaft von Festina. Ein Pfleger wurde sogar verhaftet, weil die Polizei in seinem Besitz über 400 EPO-Ampullen fand. Weitere Verhaftungen gab es im Team von TVM-Farm Frites. Es kam sogar zu einem Streik der Radfahrer. Am Ende wurde Marco Pantani Toursieger und Jan Ullrich Zweiter. Jedoch wurden beide nachträglich mit der Einnahme von EPO in Verbindung gebracht. Konsequenzen blieben aber aus. Das Drehbuch von „The Racer“ inspiriert sich an diesen Vorfällen.

EPO verleiht Flügel

Der Film beginnt mit einem Zitat von Radlegende Eddie Merckx: „The race is won by the rider who can suffer the most“ (Das Rennen wird von dem Fahrer gewonnen, der am meisten leiden kann). Ein Radfahrer, Dominique Chabol (Louis Talpe), genannt Dom, trainiert in einem Zimmer und scheint bis an die Grenzen seiner physischen Fähigkeiten zu gehen. Er fährt für das Team von Austrange. Eigentlich ist er ein Wasserträger, der dafür zu sorgen hat, dass der Star des Teams Tartare (Matteo Simoni) gewinnt. Dom hat 39 Jahre, und diese Tour wird mit großer Wahrscheinlichkeit seine letzte sein. Die Chancen auf eine Vertragsverlängerung durch den Team-Chef Viking (Karel Roden) sind inexistent. Eine wie es scheint „normale“ Routine praktiziert der Team-Masseur Sonny (Iain Glen), der einen Kühlschrank voller Doping-Mittel im Gepäck hat. Die Fahrer werden mit Erythropoetin (EPO) vollgepumpt, damit sie mehr Kraft und Ausdauer bekommen. Dom lernt die irische Ärztin Lynn Brennan (Tara Lee) kennen, die jedoch zusammen mit Dr. Foegel (Marco Lorenzini) für die Anti-Doping-Agentur arbeitet.

Fehlende Informationen

Dass der Start der Tour in Dublin nicht im Detail nachgestellt werden konnte, ist nicht das Problem des Films. Verschiedene Rennszenen sehen recht bescheiden aus, während andere eine gewisse Spannung versprühen. Regisseur Walsh geht davon aus, dass alle Zuschauer wissen was EPO ist. Ja, man hat diese Abkürzung schon gehört, aber die wenigsten werden wissen, wie diese Doping-Methode funktioniert. Im Film ist sie eine Selbstverständlichkeit, die jedoch ohne weitere Erklärungen auskommt. Es fehlt die konkrete Auseinandersetzung über Gut und Böse dieser unfairen Methode, ein Rennen zu gewinnen. Über die tödlichen Gefahren von EPO fällt nur ein Satz von Dr. Brennan: „Wie kannst du dir dieses Gel spritzen?“

Die beiden Hauptakteure Talpe und Simoni sind belgische Schauspieler, die stellenweise recht unbeholfen in ihren Rollen wirken, so wie die meisten der involvierten Schauspieler, von denen Iain Glen als Doping-Doktor am meisten übertreibt. Somit verfehlt der Film zumindest das Ziel, eine konstruktive Kritik an den unlauteren Methoden einiger Fahrer und Betreuer zu sein.

Produzent Jesus Gonzalez-Elvira (Calach Films) finanzierte den Film mit, der zum Teil in Luxemburg gedreht wurde. Die luxemburgischen Schauspieler Marco Lorenzini, Timo Wagner in der Rolle des Fahrers Stefano Drago und Nilton Martins sind in Nebenrollen zu sehen sowie die in Luxemburg tätigen Julian Nest und Jérôme Varanfrain.