LAURENT PEUSCH

Menschen mit genehmigtem Asylantrag, „Personen mit internationalem Schutzstatus“ (PIS) haben auch die Möglichkeit, über die „Agence pour le développement de l’emploi“ (ADEM) einen Arbeitsplatz oder eine Ausbildungsstelle zu suchen. Leicht ist die Vermittlung aber nicht, denn meist fällt eine gute Einschätzung der Fähigkeiten sehr schwer. Die ADEM hat sich daher neue Lösungen einfallen lassen - die Betriebe spielen dabei auch eine wichtige Rolle, wie Laurent Peusch, Chef de Service Adjoint der ADEM, erklärt.

„Eine Vermittlung in einen Betrieb läuft prinzipiell identisch ab wie in jedem anderen Fall. Wir müssen nur im voraus genau wissen, welche Qualifikationen tatsächlich vorliegen. Diese Auswertung ist notwendig, damit wir nicht versehentlich jemanden unterqualifiziertes vermitteln, was beim Arbeitgeber nur für Frust sorgt - und auch für uns besonders penibel ist. Natürlich wollen die Menschen eine Arbeit in einer Branche finden, in der sie auch vor ihrer Flucht aktiv waren. Vieles davon aber hängt davon ab, welche Informationen zum Profil jeweils zur Verfügung stehen.

Leider ist ein Diplom aus dem Ausland nicht immer anwendbar; man denke etwa an Architekten oder Statiker, die bei uns nie mit Schnee rechnen müssen - wortwörtlich. Eine Äquivalenz der Diplome ist also alles andere als garantiert. Hinzu kommt, dass nur wenige PIS tatsächlich ihre Diplome während ihrer Flucht mit sich geführt haben. Meist haben wir nur eine persönliche Angabe der Betroffenen über ihre Leistungsfähigkeit und ihre abgeschlossene Bildung. So geben beispielsweise 33 Prozent an, eine fortgeschrittene Bildung abgeschlossen zu haben, 40 Prozent hingegen haben nur ein geringes Bildungsniveau.

Die wirklichen Qualitäten können somit eigentlich nur direkt bei der Arbeit festgestellt werden. Wir versuchen deshalb das Problem zu lösen, indem wir die Leute an Betriebe in der Form eines Stage unterbringen, bei denen uns die Arbeitgeber dann auch mitteilen können, ob der betroffene BPI für eine bestimmte Arbeit qualifiziert ist. Diese Lösung war nicht einfach, schließlich hatten wir einige rechtliche Hürden zu überwinden: Wer ist haftbar, wenn bei der Arbeit ein Unfall passiert, beispielsweise. Aber es zeigt sich, dass die Arbeitgeber sehr positiv auf dieses Angebot reagieren, wir gewinnen viele Partner für das Projekt. Das ist gut so, denn dieses Feedback ist für uns enorm wichtig, um die bei uns eingeschriebenen Personen vernünftig einschätzen zu können.

Wir hoffen, dass wir auf diese Weise eine Lösung bereitstellen können, die beiden Parteien - den Arbeitgebern und der Personen mit internationalem Schutzstatus gleichermaßen - hilft. Wünschenswert wäre auch, in Zukunft gezielte Sprachenkurse anbieten zu können, die sich mit den nötigen Begrifflichkeiten für einen Arbeitsplatz befassen.“