LUXEMBURGNIC. DICKEN

Bankenvereinigung ABBL blickt zum 75jährigen Jubiläum nach vorn

Vor vollbesetztem Saal in der Philharmonie auf Kirchberg feierte die luxemburgische Bankenvereinigung ABBL gestern Abend ihr 75jähriges Bestehen und nutzte die Jubiläumsveranstaltung weniger zu einem Rückblick auf die von einer erfolgreichen Entwicklung gekennzeichnete Geschichte als vielmehr zu einer Bestandsaufnahme der aktuellen Situation der Finanzbranche und zu einem Ausblick auf die Herausforderungen, mit denen sich der Sektor und die darin tätigen Unternehmen mittel- und langfristig konfrontiert sehen. Unter den Anwesenden weilte neben zahlreichen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft auch Großherzog Henri, der in der Vergangenheit öfters an Promotionsreisen teilgenommen hatte, die der luxemburgische Finanzsektor nach wie vor regelmäßig in die verschiedenen Regionen der Welt unternimmt. Aus bescheidenen Anfängen - das Gründungsjahr 1939 war nicht unbedingt der günstigste Zeitpunkt für den Schnellstart einer u.a. auch international ausgerichteten Berufsvereinigung - entpuppte sich die ABBL ab Mitte der 60er Jahre als Begleiter und Partner für die rasante Entwicklung des Finanzplatzes, der heute unbestritten den wichtigsten Bestandteil der luxemburgischen Wirtschaft darstellt.

Bestehende Stärken nutzen

Der Erneuerungsprozess, in dem sich der Finanzsektor zur Zeit befinde, spiele sich nicht unbedingt in einem freundlichen Umfeld ab, so Premierminister Xavier Bettel in seiner Ansprache, doch jede Herausforderung berge auch neue Chancen. Im Hinblick auf höhere Transparenz, die zu den wesentlichen Anliegen zähle, habe sich zuletzt, und gerade auch in den letzten Tagen, viel getan. Den Befürchtungen der Kritiker hielt Xavier Bettel entgegen, dass in den jüngsten Zugeständnissen, die Luxemburg hinsichtlich des automatischen Informationsaustauschs gemacht habe, auch der Aufbruch in eine neue Ära des Platzes gesehen werden müsse. Gerade in den letzten beiden Monaten habe Luxemburg einen wesentlichen Faktor seines bisherigen Erfolges unter Beweis gestellt, nämlich die hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an neue Realitäten, man habe keine Angst vor der Konkurrenz mit anderen Plätzen.

Der Eurobond-Markt in den 60er Jahren und später das Private Banking und die Vermögensverwaltung seien starke Grundpfeiler gewesen, aus denen sich zahlreiche artverwandte Aktivitäten entwickelt hätten.

Durch maßgeschneiderte Dienstleistungen und spezifische Produkte sei Luxemburg zu einem international anerkannten Zentrum geworden, das im Asset Management heute einen globalen Spitzenplatz beanspruchen könne, wozu wesentlich auch die Fondsindustrie beigetragen habe. Auch mit dem Versicherungssektor habe sich Luxemburg erfolgreich international positioniert.

Dennoch bleiben wichtige Herausforderungen: Nach dem Wegfall der Souveränitätsnischen komme es mehr denn je auf Kompetenz und gute Mitarbeiter an. Deshalb wolle die neue Regierung allen Sparanliegen zum Trotz auf keinen Fall bei der Ausbildung sparen, um der jüngeren Generation beste Zukunftschancen zu bieten und darüber hinaus auch kompetente und motivierte Laute aus anderen Weltregionen nach Luxemburg ziehen. In diesem Bestreben spiele auch die Uni Luxemburg eine wichtige Rolle, die sich als Bindeglied zur Wirtschaft weiter etablieren müsse. Durch die Schaffung attraktiver Angebote und mit neuen Ideen könne die Branche selbst zum künftigen Erfolg beitragen.

Rahmenbedingungen sollen auch weiterhin stimmen

Der Finanzplatz brauche sich keineswegs unter Wert zu verkaufen, die bestehende Basis erlaube den Aufbau neuer Aktivitätsfelder, mit denen der Finanzplatz international punkten und renommierten Plätzen die Stirn bieten könne, ein Anliegen, das die Regierung mit dem Sektor teile, so Bettel, der unterstrich, man sei gut aufgestellt, um auch für Kunden und Anleger aus neuen Weltregionen zu einem bevorzugten Partner zu werden, wie die Aufnahme chinesischer Institute und der Aufbau des Islamic Finance zuletzt gezeigt hätten. Das Jubiläum sei zugleich auch Anlass für einen neuen Aufbruch, zu dem die Politik den rechtlichen Rahmen beisteuern wolle, in dem auch Platz bleibe für spezifische Vorteile.

Gemeinsam müsse man daran arbeiten, die wegen falscher Vorwürfe lädierte Reputation des Platzes wieder herzustellen.

Dazu gehöre insbesondere ein klarer und unmissverständlicher Sprachgebrauch, so Bettel, der die ABBL als das Herz des Finanzsektors bezeichnete und gleichzeitig die Verantwortung unterstrich, die die Banken im Interesse der gesamten Wirtschaft mittragen müssten.

Erfolg als Resultat von Zusammenarbeit

Für ABBL-Präsident Ernst Wilhelm Contzen haben die Entstehung und der Werdegang der Bankenvereinigung und des Finanzplatzes gezeigt, dass man gerade als kleiner Platz Erfolg nur erreichen kann, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht.

Diese Gemeinsamkeit im Bestreben mache den wesentlichen Faktor des Erfolges aus, und der Finanzsektor müsse deshalb auch „realer“ Bestandteil der Wirtschaft gesehen werden.

Dafür würden allein die beeindruckenden Zahlen sprechen, die von der Finanzbranche zur Wirtschaftsleistung beigetragen werden. Zudem müsse man alle Aktivitätsfelder mit einbeziehen, die - von der Anwaltskanzlei über Gastgewerbe bis hin zu Raumpflege - eng mit dem Finanzplatz verflochten sind.

Die starke Exportorientierung der Finanzbranche in Kooperation mit der Fondsindustrie habe Luxemburg einen neuen Platz auf der Weltkarte verschafft, weil es für Luxemburg, wie die europäische Integration zeige, immer wichtig gewesen sei, über die Grenzen zu schauen.

Durchaus real seien deshalb auch die Ziele, die der Finanzsektor mit dieser Strategie und mit seiner außerordentlichen Diversifizierung erreicht habe und die ABBL beanspruche daran, ohne falsche Bescheidenheit und gemeinsam mit anderen Berufsvereinigungen, einen unverkennbaren Anteil, genau wie sie sich auch in zahlreiche nationale und internationale Initiativen eingebracht habe.

Angesichts der bevorstehenden Herausforderungen sei man am Finanzplatz auch künftig auf enge Zusammenarbeit angewiesen, so Contzen, der dabei die bisherige Wandlungsfähigkeit des Platzes beschwor und sich bei den früheren Regierungen für verständnisvolle Aufmerksamkeit gegenüber den Finanzaktivitäten bedankte und eine gleiche Einstellung auch bei der neuen Regierung voraussetzte. Nur gemeinsam könne man Erfolg haben, so der ABBL-Präsident am Ende.