LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Spuren der Renaissance in Luxemburg

Die Renaissance, die zwischen mittelalterlichen Burgen und barocken Schlössern eingeklemmte Kunstperiode, kommt in der luxemburgischen Architekturgeschichte kaum vor. Das liegt nicht daran, dass man hier hinterwäldlerisch war und von den neuen Zeiten nichts mitbekommen hat, sondern an der bewegten Geschichte der Stadt. Stadtbrände und vor allem kriegerische Auseinandersetzungen haben dafür gesorgt, dass fast alle Bauten dieser Epoche verschwunden oder nur stark verändert erhalten sind. Insbesondere Ludwig XIV. hat sich bei der Eroberung der Stadt Luxemburg nicht zurückgehalten und die Oberstadt in Schutt und Asche gelegt. Was dabei nicht zerschossen wurde, stand danach dem Festungsausbau von Marschall Vauban im Weg. Das bekannteste Opfer ist das Mansfeld-Schloss in der Unterstadt Clausen, von dem heute nur noch Reste übrig sind.

Natürlich kennt jeder das Großherzogliche Palais, aber auch hier wurde über die Jahrhunderte um- und ausgebaut. Nur der ganze linke Teil stammt noch aus der Renaissance. Am Haus Mohr-de Waldt, Sitz der sozialistischen Fraktion, läuft man einfach so vorbei, dabei lohnt es sich, das gesamte Ensemble aus der Zeit um 1600 näher anzusehen. Den Innenhof der Maison de Raville in der Rue de la Reine kennen nur Experten – ein verstecktes Kleinod. „Versteckt“ passt auch zu einem anderen historischen Gebäude mit einer langen Geschichte. Der frühere Justizpalast, das heutige Außenministerium, ist bis in die Dachbalken ein herrliches Stück Renaissancearchitektur. Leider mussten ihm einige Banausen 1886 eine historistische Fassade vorblenden. Die Kathedrale, einst eine Jesuitenkirche, wird heute von ihrem aus den 1930er stammenden Ausbau in einem pseudo-gotischen Stil beherrscht. Dabei ist das alte Langhaus der ursprünglichen Jesuitenkirche mit seinem manieristischen Durcheinander von Stilmitteln mehr als einen Blick wert. Ebenso die Nordfassade mit dem alten Eingang. Den Renaissanceschlössern im Land, insbesondere dem von Ansemburg und dem von Befort, erging es deutlich besser. Durch ihre abgelegene Lage geschützt überstanden sie die Jahrhunderte besser als die Stadthäuser. Einen Blick wert sind aber alle Spuren der Renaissance im Land.