UTE HEINZ

Wer kein festes Dach über dem Kopf hat, dem bleiben viele Türen verschlossen. Obdachlose stehen am Rande unserer Gesellschaft und schaffen es oft nicht, durch eigene Kraft sich wieder zurückzukämpfen. Organisationen wie „Caritas Accueil et Solidarité“ schaffen Struktur und helfen diesen Menschen, wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

„Es gibt drei Formen von Obdachlosigkeit. Die, die wortwörtlich auf der Straße leben, Menschen, die keinen Wohnsitz haben und etwa in Strukturen wie dem ‚Centre Ulysse‘ untergekommen sind, und dann noch versteckte Obdachlosigkeit, sprich Menschen, die in prekären Lebenssituationen sind und etwa temporären Unterschlupf bei Freunden oder Familie finden.

Wie viele Menschen in Luxemburg auf der Straße leben, dazu gibt es keine offiziellen und gesicherten Zahlen. Ausgehend von den Schlafplätzen, die in unseren Einrichtungen zur Verfügung stehen, kann man jedoch sagen, dass vor allem die 64 Betten im ‚Centre Ulysse‘ fast immer belegt sind. Auch bei der Winteraktion, die das Familienministerium zusammen mit uns, der ‚Croix-Rouge‘ und ‚Interaction‘ durchführt, während der zusätzliche 100 Betten zur Verfügung gestellt werden, sind wir fast immer komplett belegt. Da es aber auch Menschen ohne Obdach gibt, die weder in unsere festen Strukturen noch zu der Winteraktion kommen, kann man nur schätzen, wie viele Menschen es sind.

Was wir aber festgestellt haben ist, dass die Fluktuation abgenommen hat. Wir sehen also in einem Jahr immer öfter die gleichen Gesichter wieder. So hatten wir 2010 etwa 500 Personen, die im ‚Centre Ulysse‘ vorbei kamen. Aktuell sind es nur rund 260 Personen. Die Menschen bleiben also länger, da es schwieriger geworden ist wegzukommen. Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass es immer mehr Menschen werden, die unsere Tagesstrukturen aufsuchen. Unter dem Strich kann man festhalten, dass viele Menschen obdachlos sind.

Die Gründe, warum diese Personen in diese Situation geraten, sind unterschiedlich. Die Obdachlosigkeit ist dabei aber immer nur ein Symptom. So muss man zunächst den Zugang zu einer Wohnung haben, also die Ressourcen und die Fähigkeit haben, in dieser Wohnung zu bleiben. Die Menschen, denen wir begegnen, haben aufgrund einer Scheidung oder des Verlusts der Arbeit oft nicht die finanziellen Mittel hierzu. Oft sind es auch Menschen mit psychischen Krankheiten, oder sie kommen aus prekären Lebenssituationen, wie einem Kinderheim.

Außerdem spielen Abhängigkeiten eine große Rolle. 80 Prozent der Personen, denen wir begegnen, sind abhängig, nicht nur von Drogen, sondern sind etwa spielsüchtig. Oft ist es das Zusammenspiel von mehreren dieser Faktoren, die zum Verlust einer Wohnung führt. Außerdem gibt es jene Personen, die aufgrund ihres Status kein Recht auf RMG oder Zugang zu den üblichen Strukturen haben.

Diesen Personen nicht nur ein Obdach zu geben, sondern dauerhaft zu helfen, damit sie wieder selber für ihren Unterhalt sorgen können, das ist unser langfristiges Ziel. Darum erweitern wir auch immer weiter unsere Einrichtungen und Dienste. Und auch der Gesetzgeber passt sich der Realität auf der Straße weiter an und gibt uns weitere Möglichkeiten zu helfen. Aber auch wir müssen uns eingestehen, so sehr wir auch diese Menschen unterstützen und der Sozialstaat verbessert wird, werden wir Obdachlosigkeit wohl leider nie komplett beseitigen können.“