Ausruhen kann sich Andrew Campbell in Luxemburg nicht: Die meiste Arbeit liegt zwar hinter dem US-Amerikaner, wenn Mitte August die Vianden Music Festival and School-Veranstaltung in Luxemburg beginnt. Er müsse Probleme lösen, wenn welche auftreten, erklärt er mit einem Lachen. Der Assistant-Professor des „Katherine K. Herberger College of Fine Arts“ der Arizona State University sitzt leicht gestresst in der Ankunftshalle am Flughafen Findel: Der US-Amerikaner ist gerade aus Paris gelandet, erneut gab es Probleme mit dem Gepäck. Nach einem Zwischenstopp in Luxemburg geht es weiter nach Saarburg zu den Saarburger Serenaden, Mitte August kehrt er für das Viandener Festival nach Luxemburg zurück. Mehrere Monate vor dem Beginn der Sommerklassen im Norden Luxemburgs muss er das Instrumental-Repertoire für die jungen Musiker und die Zeitpläne zusammenstellen. Festival-Organisator Semyon Rozin ist für die Zusammenstellung des Vokal-Repertoires zuständig.
Im April bekommt Campbell von Rozin die Liste der Teilnehmer zugeschickt, auf der unter anderem das Alter der Teilnehmer und alle Sommerkurse, die sie belegt haben, angeführt sind. Auf Basis dieser Liste baut der US-Amerikaner das Repertoire für die Masterklassen und Konzerte zusammen. Selbstverständlich habe er aber schon einige Ideen im Kopf, ehe er von Rozin die Teilnehmerliste bekomme, merkt er an. In Vianden nehmen Studenten aller Altersklassen teil, die meisten aus Asien und den Vereinigten Staaten. Die Auswahl des Repertoires ist ein Balanceakt. Man dürfe die einzelnen Musiker weder unter-, noch überfordern, wirft Rozin ein. Der Amerikaner engagiert auch die Gastmusiker, die für eine Veranstaltung wie das Vianden Music Festival and School unabdingbar sind. Sie alle stammen aus Campbells Institut. Früher zogen sich Rozin und Campbell in Bibliotheken zurück, um Partituren für den Unterricht zu suchen, heute werden sie auf spezialisierten Online-Plattformen fündig.
Selten unvorbereitet
Zwei Monate vor Veranstaltungsbeginn erhalten die jungen Musiker das Repertoire, das sie bis Mitte August einstudieren; am ersten Tag des Festivals müssen alle Teilnehmer vorspielen. Bei Musikschülern, die unvorbereitet in Luxemburg erscheinen, halten sich Rozin und seine Kollegen das Recht vor, sie von der Teilnahme auszuschließen. Dies komme aber sehr selten vor, präzisiert der Gesangslehrer Rozin und ergänzt, dass man keine mittelmäßigen Darbietungen dulde. In der Stadt an der Our erwartet die Schüler ein sehr strammes Programm: Masterklassen, Proben, Auftritte. „In Vianden ist ein Tag wie eine Woche: Die Teilnehmer machen sehr viele Fortschritte“, unterstreicht der ukrainische Vocal Coach und Organisator.
Die Vianden Music Festival and School-Veranstaltung wird hauptsächlich von US-amerikanischen und asiatischen Studenten besucht. Dieses Jahr hat die Zahl an Musikern von Festland China zugenommen. In einem knappen Monat beginnen die Kurse, bis dahin wird auch Campbells Gepäck in Luxemburg gelandet sein. Es sei ja nicht das erste Mal, dass es Probleme gegeben habe, erklärt er mit einem Grinsen und ergänzt, dass Rozin immer Ersatzkleidung für ihn parat habe.


