LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ein Wochenende mit dem Passat Variant Elegance 2.0 TSI

Das Problem mit diesem Auto ist eigentlich, dass er kein Problem hat - er ist überperfekt und wie alle überperfekten Zeitgenossen neigt er zu Belehrungen. Wenn auf dem Display, das den klassischen Instrumententräger ersetzt, der Spruch auftaucht „Fenster schließen, Luftwiderstand erhöht den Verbrauch“, weiß man, dass „Big Brother“ irgendwo unter der Motorhaube wohnt. Über das Für und Wider dieses Autos entscheidet die jeweilige Autofahrer-Philosophie.

Ausnahmsweise mal ein Benziner

Wir fuhren den „Passat Variant Elegance 2.0 TSI 140 kW DSG7“ für ein langes Wochenende. Der kryptische Name entschlüsselt sich so: Variant heißen VW-Kombis seit den Zeiten des seligen 1600er (Typ 3), Elegance ist die Ausstattungsvariante - in diesem Fall vom Feinsten, 2.0 TSI ist ein Zweiliter Benzinmotor mit einer Leistung von 140 kW (ca. 190 PS) mit einer 7-Gang-Doppelkupplungsautomatik. Den 2.0 l-Benziner gibt es auch noch in einer höheren Leistungsstufe, womit er dann schon in die Bereiche der Konzernbrüder von Audi vorstößt und sich mit den schwäbisch-bayrischen Konkurrenten messen kann.

Schon der von uns gefahrene „kleine“ Zweiliter braucht sich vor niemandem zu verstecken. Der Passat ist tadellos verarbeitet, bietet bequem Platz für vier und auch noch ordentlich für fünf. Der Kofferraum ist ein gähnendes schwarzes Loch, dessen Tiefen für jeden Umzug ausreichen. Als Benziner lässt er seine sportliche Seite durchblicken, die Fahreigenschaften sind untadelig und weit von jedwedem Nutzfahrzeug-Charakter entfernt.

Dem VW Passat mangelt es einfach an Image, mit seinen gnadenlos zuverlässigen TDI-(Diesel)Motoren gilt er als das Außendienstler-Auto schlechthin - mit ein bisschen Pflege für etliche hunderttausend Kilometer gut.

Eine Frage der Philosophie

Also voll empfehlenswert? Hier scheiden sich die Geister, das liegt vor allem daran, dass unser Testwagen mit allen möglichen Assistenzsystemen ausgestattet war. Wer sein Auto als reines Transportmittel begreift, Autofahren eher als Pflicht denn als Kür betrachtet und froh ist, wenn er von A nach B kommt, der ist dankbar dafür, dass ihm der „Passat Variant Elegance 2.0 TSI“ in vielerlei Hinsicht das Denken abnimmt.

Zuviel des Guten?

Der Spurhalteassistent knurrt nicht nur, wenn man die Mittellinie überfährt, er zieht das Auto auch wieder gnadenlos nach rechts. Wenn, wie beim Testwagen, die Verkehrszeichenerkennung mit dem Tempomaten gekoppelt ist - das Auto also automatisch von 90 auf 70 km/h abbremst, wenn die Elektronik ein „70“-Schild erkannt hat - ist es für die einen toll, für die anderen anstrengend.

Wer aber gerne und vor allem aktiv Auto fährt, ist irgendwann genervt. Ein Freund, seit Jahrzehnten Volkswagen- und Passatfahrer, quasi als Experte zum Mitfahren eingeladen, schüttelte zunächst den Kopf, dann brach es politisch unkorrekt aus ihm heraus: „Ich will kein Auto, das mir dauern Vorschriften macht und die Rolle einer schlecht gelaunte Beifahrerin übernimmt!“ So was wolle er nicht haben…

Unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass einige der Assistenzsysteme Optionen sind und sich die anderen abschalten lassen, hat er jetzt doch wieder einen Passat bestellt.

Ob man mit dem überperfekten Passat glücklich wird, ist eine Frage der eigenen Einstellung zum Auto.