LUXEMBURG
SIMON LAROSCHE

Hobbyfotograf Mike Zenari, 30, hält das moderne Leben in Luxemburgin seinen Bildern fest - ein Triumph der Autodidaktik

In Luxemburg bekommen derzeit wieder zahlreiche Kinder allerhand Geschenke für ihre Kommunion. Während Familien heute ihre Sprösslinge mit Playstation 3, ipads oder modernen Handys beglücken, wurde vor noch nicht allzu langer Zeit zu diesem Anlass der erste einfache Fotoapparat geschenkt. Das war jedenfalls bei Mike Zenari der Fall. Der leidenschaftliche Hobbyfotograf aus Düdelingen gibt allerdings zu, dass nicht dieses Geschenk, eine kompakte Olympus, in ihm die Faszination am Fotografieren weckte, sondern die weitaus leistungsstärkere Canon ae-1 seines Vaters. „Mit diesem Apparat fing ich damals an, zu experimentieren“, erzählt der heute 30-Jährige, „ich entdeckte die unterschiedlichen Objektive und was alles mit ihnen möglich ist. Kurz darauf habe ich auch angefangen, im Düdelinger Foto-Club meine Bilder selbst zu entwickeln und auf den Vergrößerungsapparat eines Freundes zurückzugreifen.“ Die Passion nahm ihren Lauf. Zenari entdeckte in Folge die digitale Fotografie und die dazu gehörende wunderbare Welt von Photoshop.

Ähnlichkeiten zwischen deranalogen und digitalen Fotografie

„Eigentlich ist es fast das gleiche wie in der Dunkelkammer, außer, dass man heutzutage Bilder digital entwickelt.“ Als Kenner schätzt er besonders das .raw-Format der digitalen Bilder. „Wie der Name es schon verrät, handelt es sich hierbei um eine unverarbeitete Version der Bilder, mit der hat man, im Gegensatz zu den gängigeren Formaten, wie .jpeg oder .tif, mehr Möglichkeiten. Es ist also fast wie ein Negativ in der Analogfotografie. Im .raw-Format stecken mehr Informationen, damit kann man das Bild etwas aufhellen oder gezielt in den dunkleren Töne mehr Farbe reinbringen.“ Obschon sein Vater und der Foto-Club ihm während seiner Kindheit einige nützliche Tipps, etwa zur Auswahl der richtigen Objektive, mit auf den Weg gaben, so brachte sich Zenari das meiste selbst bei.

Heute ist er Anhänger der „Street Photography“-Strömung, auch wenn dieser Begriff seiner Meinung nach recht vage sei. „Ich gehe gerne durch Straßen und halte Ausschau nach schönen Alltagsmomenten, die ich dann versuche in Bildern festzuhalten“, erzählt Zenari, „manchmal habe ich jedoch noch eine gewisse Hemmung, Menschen zu fotografieren. Wenn ich mich mit meinem Apparat an sie heranwage und sie mich dabei erblicken, ist der Moment weg, entweder, weil sie sich dann nicht mehr so interessant verhälten oder weil sie schlichtweg nicht geknipst werden wollen.“ Auch für diese Fälle bringt sich Zenari noch selbst Trick bei, etwa sich diskreter seinen Zielobjekte zu nähern oder so zu tun, als ob er diese gar nicht ablichten möchte. Sein Talent hinter dem Objektiv scheint sich herumgesprochen zu haben, heute bekommt er ab und zu Anfragen von angesagten Luxemburger Bands, um diese zu fotografieren, etwa Eternal Tango oder Monophona.

Anerkennung durchWettbewerb-Sieg

2012 gewann Zenari den großen öffentlichen Fotowettbewerb der „Fondation de l’Architecture et de l’Ingénierie“, obwohl er dies nicht für möglich hielt. „Sämtliche Fotos waren auf dem ‚Knuedler‘ auf einer Palisade angebracht, die verdeckt war. Ich wollt eigentlich die Siegerehrung nicht mehr abwarten, da ich mir nicht die größte Chance einräumte. Umso mehr war ich erstaunt, als meine Freundin mich zurückrief, um mir zu sagen, dass ich der Sieger war. Das war cool.“ Dieser Moment war für ihn eine Bestätigung, dass er mit seinen Fotos Leute ansprechen kann.

Die Kunst der Straßenfotografie ist laut Zenari jetzt noch zugänglicher geworden, da die heutigen Smartphones seiner Meinung nach ausgezeichnete kleine Kameras besäßen. Nicht so toll findet er hingegen die Tatsache, dass man anhand unzähliger Filter-Apps ein unscheinbares Bild im Nu in ein fantastisches Bild verwandeln kann. Doch letztendlich vertritt Mike Zenari eine Maxime des echten „Street Photographer“ : Der beste Apparat ist der, den du gerade dabei hast.