BISSEN
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Google hatte zur Bürgerinformationsversammlung in Bissen eingeladen

Luxembourg est venu à nous, nous ne sommes pas venus à Luxembourg“, betonte der in Paris arbeitende Fabien Vieau, seit 2010 bei Google und aktuell „Principal, Data Centers Energy & Location Strategy“, also zuständig für die Suche und Entwicklung von Standorten für Google unter anderem in Europa sowie für erneuerbare Energien, am Donnerstagabend in Bissen. Vor einer Kulisse von über 400 Interessierten betonte der Ingenieur indes, „c’est un genre d’exercice qu’on ne fait jamais, ceci est une première pour nous“.

Womit er die Informationspolitik von Google meinte, informiert seine Firma doch nie über Projekte, solange sie sich in der Prozedur befinden, beziehungsweise noch nicht abgeschlossen sind. In Bissen - sowohl vor der Presse während der Mittagsstunde, als auch bei der Bürgerinformationsversammlung im „Frounert“ unterstrich Vieau denn auch, dass eine definitive Entscheidung für den Standort Bissen erst dann getroffen wird, wenn die Baugenehmigung vorliegt.

Die Biisser Bürger - vorwiegend ältere, zu zwei Dritteln männliche Interessierte - konnten anschließend während fast 50 Minuten den Ausführungen von Fabien Vieau und Frederic Descamps, „Data Center Facilities Manager“ in Saint-Ghislain, dem belgischen Google-Standort nahe Mons, zuhören. Für diejenigen, die sich im Google-Dossier auskannten, ergab sich dabei nichts Neues. Aber auch jene, die sich erst nach der Google-Einladung damit befassten, gab es keine konkreten Antworten. Wie bereits den Journalisten zuvor erklärt, wurde mitgeteilt, dass zur Kühlung in einer ersten Phase circa ein Prozent Wasser der Alzette entnommen werde, in einer zweiten Phase, wenn das zweite Datacenter angeschlossen sei, circa zweiProzent, dies berechnet auf das von der Alzette in den letzten zehn Jahren geführte Wasser. Nur einmal in diesen zehn Jahren sei die Situation so gewesen, dass für einige Tage ein Wasserentnahmeverbot bestanden hätte. Nichtsdestotrotz müsse Google sicher sein, 24 Stunden auf 24 kühlen zu können, sodass man in Absprache mit der SEBES eine Trinkwasserverbindung für Kühlwasser herstellen werde. Seit einigen Wochen im Gespräch sei auch die Nutzung von Wasser aus einer Kläranlage.

Creos muss Kapazitäten ausbauen

Der von Creos gelieferte Strom - 8 Prozent des gesamten Landesverbrauchs im Jahr - wird für das erste Datazenter von 30.000 Quadratmetern ausreichen, später wird der Strombedarf dann 12 Prozent des Gesamtverbrauchs darstellen.

Aber, so Vieau, Creos werde ihre Kapazitäten ohnehin in den nächsten Jahren ausbauen, und dabei auf deutschen Strom zurückgreifen, der ja zunehmend aus erneuerbaren Energien stammen soll. Dabei entspreche der Verbrauch in etwa 10 funktionierenden Windmühlen. Anderes Thema im Frage-Antwort-Spiel war der Lärm, der laut Google 40 Dezibel im Dorfzentrum ausmachen soll. „Pour le bruit, il y a des solutions, c’est quelque chose qui se gère“, unterstrich Vieau, die allgemeine Lärmbelastung für die Bürger werde durch Google nicht steigen. Ein Einwohner meinte daraufhin, ob Google nicht eine Woche lang eine Lärmquelle am gewählten Standort aufstellen könne, die die Lärmbelastung simuliere, ein Vorschlag, der nicht wirklich ernst genommen wurde. Der belgische Manager meinte daraufhin, er wohne unweit des Datazenters, und könne im Sommer problemlos bei offenem Fenster schlafen… eine Aussage, die mit Gelächter quittiert wurde. Nicht angesprochen wurde unterdessen der Lärm während der jahrelangen Bauarbeiten.

Auch die Lichtverschmutzung wurde thematisiert. Die Google-Vertreter versicherten dabei, dass man ein striktes Minimum an Licht einsetzen werde, um die Bewegung der Menschen auf dem Gelände zu ermöglichen. Dass es vom Umweltministerium Auflagen gibt, die Lichtquellen und -intensität so zu gestalten, dass die am Ort lebenden Fledermäuse nicht gestört werden, schien er nicht zu wissen.

Genauso verhielt es sich, was die im Januar vorgestellte Strategische Umweltprüfung anbelangt, ein Umstand, der vielleicht darauf zurückzuführen ist, dass beide Dokumente in deutscher Sprache verfasst sind. Hiervon abgesehen, meinte der dritte Google-Vertreter, dass es auf „Busbierg“ keine Tierarten gebe, die unter Naturschutz stehen, lediglich solche, die dort ihr Jagdgebiet hätten, und für die man Schutzkorridore einrichte.

Google soll denn auch - wie bereits seit der Umänderung des Allgemeinen Bebauungsplanes gewusst, durch einen kleinen Grüngürtel aus Bäumen und Büschen umgeben, in die Landschaft integriert werden. Den Bürgern wurde denn auch eine Ansicht von der Rochi-Kapelle aus gezeigt: Von der gegenüberliegenden Anhöhe aus soll das Datazenter kaum zu erkennen sein. Auf dem Bild vergessen wurde indes die Dampfwolke, die wahrscheinlich permanent zu sehen sein wird.

Die erstaunlichste Aussage des Abends war wohl die, dass auch der am 30. Oktober bei der Gemeindeverwaltung hinterlegte Teilbebauungsplan nur wenige konkrete Angaben enthalten wird, es sei denn die, dass die Gebäude maximal 28 Meter in die Höhe schießen werden, und dass 30 Prozent der Fläche von rund 34 Hektar verbaut werden.

Konkrete Größen würden erst in der „Etude d’impact environnemental“ genannt. Jedenfalls wolle man sich in Allem an die europäischen und lokalen Normen halten, und stehe im Kontakt zu Wasserwirtschaftsamt, SEBES, Creos und anderen wichtigen Stellen. Wenn Google sich in Belgien lokal in Schulen usw. engagiert, hat man diese Bereitschaft auch in Bissen. Sicher ist indes, wie Google am Donnerstagabend sagte, „einen Tag der Offenen Tür“ wird es nicht geben.

Teilbebauungsplan Ende November bei der Gemeinde

Nun, Ende des Monats soll der Teilbebauungsplan laut Google bei der Gemeindeverwaltung einsehbar sein, wobei er aktuell nicht auf der Tagesordnung des Gemeinderates figuriert, der am 28. November unter dem Vorsitz des neuen Bürgermeisters David Viaggi zusammentreten wird.

Die Bürger jedenfalls verließen am Donnerstagabend nach über zwei Stunden den Saal, etwas müde und ohne dass sie alle ihre Fragen hätten stellen können. Und vor allem eine Frage blieb im Raum hängen: Was kann man noch gegen Google tun? Wobei es sich aber sichtlich so verhielt, dass die Anwesenden insgesamt geteilter Meinung waren, was die Ansiedlung des Internetgiganten auf dem Busbierg anbelangt.