LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Nach Umbauarbeiten verfügt das Kapuzinertheater nun über weitere Räumlichkeiten

Das Kapuzinertheater blickt auf eine lange, bewegte Geschichte zurück, oder vielmehr das Gebäude, in dem es sein Zuhause hat. Gebaut wurde es 1623 im Rahmen der Gründung des „Couvent des Capucins“ zwei Jahre zuvor. Damals diente es als Kirche des Klosters. Zwei kleine Kapellen folgten wenig später. Im Laufe der Geschichte diente das Gebäude anschließend als Lebensmitteldepot (1795-1867), als Theater (1879-1963), war dann eine Zeitlang nicht belegt (1963-1980), um seit 1985 wieder als Theaterhaus genutzt zu werden. Zuvor (1980-1984) war die Stätte nach den Plänen des Stadtarchitekten Jean Horger erneuert worden. Ein Mehrzwecksaal mit einem Fassungsvermögen für 270 Zuschauer wurde in der früheren Kapelle eingerichtet. Ateliers, Bühnen-Equipment, Künstlerlogen und Umkleideräume wurden im Seitenflügel des Klosters installiert. Hinzu kam ein Nebengebäude, das Platz für Sitzungs- oder Proberäume für die Vereine und Vereinigungen der Stadt bot. Seine offizielle Eröffnung feierte das Kapuzinertheater am 1. Februar 1985.

Buchladen statt „Billeterie“ und ein neuer Mehrzwecksaal

Nachdem bereits im Jahr 2012 diverse Modernisierungsarbeiten durchgeführt worden waren, wurde nun erneut nachgebessert. Der Eingangsbereich mit der Kasse und Garderobe wurde umgestaltet und präsentiert sich nun in modernerem Look. Aus der früheren „Billeterie“ direkt gegenüber dem Haupteingang, die aber schon lange nicht mehr als solche genutzt wurde, ist ein kleiner Buchladen geworden. In dem 30 m² großen „Bookshop théâtre“, das jedes Mal eine Stunde vor Theatervorstellungen sowie eine Stunde danach geöffnet ist, findet man Literatur rund um Kultur und Theater. Die einstige „Buvette“ im ersten Stockwerk wurde in einen weiteren Mehrzwecksaal umgewandelt. Der 74 m² große Saal kann nun entweder als Probe- oder Versammlungsraum genutzt werden, bietet sich aber auch für Lesungen oder Einführungen in Theaterstücke an. Platz steht für 49 Personen zur Verfügung. Im hinteren Bereich befindet sich auch eine kleine Bar.

Am Mittwochabend wurden die umgestalteten Bereiche offiziell von Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer eingeweiht. Besonders begeistert zeigte sie sich von dem neuen Buchladen. „Ich bin sehr froh, dass wir dem Kapuzinertheater noch mehr Möglichkeiten geben konnten, sich kreativ zu entfalten. Das Haus befindet sich im Herzen der Stadt, und alles, was hier läuft, trägt auch zum Beleben der Stadt bei“, sagte sie nach der Besichtigung. Auch Tom Leick, Direktor der beiden Stadttheater, war sichtlich zufrieden. „Frank Feitler hat im Großen Theater eine große Erbschaft hinterlassen, ein tolles Haus mit einem tollen Programm, dort etwas Grundlegendes zu ändern, leuchtete mir nicht ein. Im Kapuzinertheater hatte ich dagegen das Gefühl, dass eine etwas neuere Dynamik nicht schaden könnte“, bemerkte Leick.

Dialog in komplexen Zeiten fördern

Ein weiterer Proberaum sei notwendig gewesen. Noch dazu sei der neue Veranstaltungssaal vielfältig nutzbar. „Seit einigen Jahren bieten wir vor den Vorstellungen Einführungen in die jeweiligen Stücke. Dieses Angebot wollen wir im Sinne des Austauschs nun noch weiter ausbauen, etwa durch Rundtischgespräche oder Nachbesprechungen. Es geht uns darum, die Leute einzubinden und letztlich auch ein neues Publikum zu einem Theaterbesuch zu motivieren“, sagte Leick, um dann ebenfalls von dem neuen Buchladen zu schwärmen. Auf kleinstem Raum sei ein kleines Schmuckstück entstanden. „Das Kapuzinertheater soll nicht nur mit einem Theaterbesuch gleichgesetzt werden, sondern ein Ort sein, der offen ist, den man nicht gleich nach einer Vorstellung wieder verlässt, den man auch mal aufsucht, um über aktuelle Themen zu sprechen. Wenn wir den Dialog in diesen komplexen Zeiten fördern wollen, wenn wir eine nächste Generation erreichen wollen, dann ist es wichtig, die Leute zu begleiten und ihnen Hilfsmittel zu bieten, um das zu verstehen, was wir manchmal auf der Bühne zeigen. Das war die Idee, die hinter den Umgestaltungsarbeiten steckt. Und genau das ist die Mission des Theaters“, sagte der Direktor der beiden Stadttheater abschließend.