LUXEMBURG
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Opfer häuslicher Gewalt können sich fortan an neue Telefon-Hotline wenden

Die Covid-19-Krise bringt eine Bandbreite an weiteren Risiken mit sich, die keineswegs unterschätzt werden sollten. Ein ganze Reihe an Ländern verzeichnen derzeit eine Zunahme der häuslichen Gewalt – ein beunruhigender und ernstzunehmender Zustand. Die Warnung, dass eine Steigerung an Gewalttaten in Quarantänezeiten kommen könne, wurde bereits zu Beginn der Krise ausgesprochen. Nicht nur die soziale Isolation, sondern die Kombination aus dieser und zahlreichen weiteren Stressfaktoren, wie beispielsweise die Ungewissheit über die Zukunft, die Angst um Freunde und Angehörige, die ständige Anwesenheit der Kinder, des Partners oder der Mitbewohner, gepaart mit möglichen finanziellen oder sonstigen Sorgen, kann schnell zur Überforderung führen.

Täglich erreichbar

Um diesem Teufelskreis entgegenzuwirken, Hilfestellungen zu bieten und Opfern sowie auch Tätern Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen, hat das Ministerium für die Gleichstellung von Frauen und Männern zusammen mit Opferhilfeverbänden – Fondation Pro Familia, Fondation Maison de la Porte Ouverte, infoMann, a.s.b.l. Femmes en Détresse und der Conseil national des Femmes du Luxembourg – einen Telefon-Service auf die Beine gestellt, an den sich alle Betroffene wenden können. Seit gestern ist die Hotline unter der Telefonnummer 2060 1060 erreichbar. Sieben Tage die Woche jeweils von 12.00 bis 20.00 wird den Betroffenen anonym unter dieser Rufnummer ein offenes Ohr geboten. Für Leute, die nicht telefonieren wollen, oder nach einem diskreteren Weg suchen, sich mitzuteilen, wurde zudem die E-Mail-Adresse info@helpline-violence.lu eingerichtet, an die sich auch gewendet werden kann. Wichtig zu unterstreichen sei allerdings, dass die Hotline nicht den Notruf der Polizei ersetze.

Keine beunruhigende Steigerung verzeichnet

Gestern morgen, pünktlich zum Inkrafttreten des Telefon-Service, sagte die Ministerin für die Gleichstellung von Frauen und Männern, Taina Bofferding im RTL Radio, dass das Ministerium stets in Kontakt mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft stehe. Derzeit gäbe es noch keine beunruhigende Steigerung von Fällen häuslicher Gewalt. Jedes Opfer sei eines zu viel, allerdings habe Luxemburg sich darauf vorbereitet, den Menschen, die Hilfe benötigen, eine Hilfestellung zu bieten, verriet sie gegenüber RTL. Man sei sich dessen bewusst, dass nicht jede/r Betroffene/r sich melde, dass es nicht einfach ist, um Hilfe zu bitten und, dass nicht jeder die Möglichkeit habe, zum Telefon zu greifen. „Auch in Coronazeiten ist häusliche Gewalt kein Kavaliersdelikt“, betonte die Ministerin. Täter werden weiterhin zur Rechenschaft gezogen und es sei allen daran gelegen, Opfer zu schützen. Auch alle anderen sozialen Dienste würden normal weiter funktionieren, wenn auch aufgrund der Krise via Telefon oder Internet.

Zudem appellierte Bofferding an die Öffentlichkeit. Man solle hinschauen und melden, wenn man mitbekomme, dass jemand Opfer häuslicher Gewalt würde. „Wir müssen zeigen, dass häusliche Gewalt ein absolutes No-Go ist, dass niemand alleine ist, und dass Leuten geholfen wird, wenn sie Hilfe brauchen“, heißt es seitens der Ministerin. Ein Appell, für den auch diese neu eingerichtete Hotline steht.

Die Telefon-Hotline 2060 1060 ist täglich von 12.00 bis 20.00 erreichbar, Betroffene können sich auch per E-Mail melden info@helpline-violence.lu.