Was ähnlich schon im „Institut de Formation Sectoriel du Bâtiment“ (IFSB) in Bettemburg angeboten wird, soll nun auch für das Handwerk aufgebaut werden: Die Handwerkerföderation und die Berufsverbände des Bauhandwerks wollen ihre Beschäftigten selber weiterbilden, nicht zuletzt um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Gestern wurde das Projekt in der Handwerkskammer vorgestellt, das schon ab dem ersten Juli unter der Federführung von Prof. Dr. Marc Ant umgesetzt werden soll.
Er entwickelt nun noch die Module und das Validationssystem, im September 2016 sollen die Kurse dann zunächst mit 1.200 Beschäftigten in 30 Berufen und in zwei Kompetenz-Zentren anlaufen. Die technische Gebäudeausstattung (Elektriker, Sanitärinstallateure, Aufzugbauer, etc.) und der Innen- und Außenausbau (Schreiner, Maler, Fliesenleger, etc.) machen den Anfang, 13 Föderationen sind hier impliziert. Weitere Handwerkerberufe sind in Ausarbeitung, denn das offene Konzept ist auf den gesamten Handwerkssektor ausdehnbar.
Eigenes Gebäude im „Krakelshaff“ ist in Planung
Begonnen wird zunächst mit den ersten vier Ausbildungsstufen - Unqualifizierte können damit bis zur Qualifikation zum „Chef d‘Equipe“, der selbständig eine Baustelle leitet, aufsteigen. Das Lehrangebot richtet sich am europäischen Zertifikationsrahmen (EQF) aus und sieht langfristig sieben Qualifikationsstufen vor - von einer Grundausbildung bis hin zum Masterniveau. Finanziert wird es über einen Beitrag von 0,5 Prozent der Gehältermasse, der obligatorisch von den Handwerksbetrieben geleistet werden und über das „Centre Commun de la Securité Sociale“ eingezogen werden soll. Die Verhandlungen über den gesetzlichen Rahmen dafür laufen noch.
„Seit 30 Jahren wissen wir, dass wir Probleme haben, qualifizierte Leute zu bekommen“, sagte der Präsident der Fédération des Artisans, Michel Reckinger, die Politik habe sich nun lange genug die Zähne daran ausgebissen. „Wir wollen junge Leute selber ausbilden und müssen dann nicht mehr so stark auf die Großregion zurückgreifen.“ Die Qualität der Ausbildung sei zudem Schlüsselelement für beschäftigungsfähigere Arbeitnehmer und damit wettbewerbsfähige Betriebe.
Übergangsweise finden die Kurse im IFSB statt. Geplant ist aber ein eigenes Gebäude, das gegenüberliegend innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre entstehen soll. Das Wirtschaftsministerium stellt dafür das Grundstück für 30 Jahre zur Verfügung, die Baukosten von rund acht Millionen Euro tragen die Handwerksbetriebe.
Der Luxemburger Prof. Dr. Marc Ant, der bislang an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg im Fachbereich Wirtschaft lehrte, erstellte das pädagogische Rahmenprogramm und wies gestern auch auf die europäischen 2020-Ziele hin, wie zur Energieeffizienz von Neubauten. „Kurse nur auf einem Gebiet sind keine nachhaltige Lösung, zumal wenn es schon an der Basisausbildung fehlt. Wir wollen also ein ganzes System an Ausbildung aufbauen.“ Die klassische Lehre im Handwerk wird damit nicht ersetzt. Aber: „Leuten ohne Schulabschluss soll ein Parcours aufgebaut werden, der es ihnen erlaubt, auch höhere Funktionen in einem Betrieb auszufüllen“, sagte Ant.
Nach der Aufteilung „Kenntnisse, Kompetenzen, Einstellungen“ wurden die beruflichen Kompetenzbeschreibungen erstellt, die sich an den standardisierten Berufsprofilen (ROME) orientieren, mit denen auch die ADEM arbeitet. „Wir haben auf Bestehendem aufgebaut, sodass wir dieselbe Sprache sprechen und die angestrebte Zusammenarbeit klappt“, betonte Ant.
Eine Commission de gouvernance, die allen Ausbildungszweigen übergeordnet wird, garantiert deren Gleichwertigkeit. Die Verwaltung erfolgt paritär mit OGBL und LCGB. „Wir hoffen, uns in den nächsten zwei Wochen mit den Gewerkschaften über die Rahmenvereinbarung einigen zu können, die über einen klassischen Kollektivvertrag hinausgeht“, sagte der Direktor der Fédération des Artisans, Romain Schmit.


