LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Heute Abend in der Rockhal: die Country-Folk-Pop-Band „Zero Point Five“ mit neuer EP

Locker und dennoch tiefgründig, handgemachte Musik und dennoch Multiinstrumentalisten, nichts Halbes und dennoch „Zero Point Five“: Das sind Kiko Menichetti, Gilles Saracini, Pietro Marchesini und Claudio Goetzinger. Heute Abend stellen die vier Jungs ihre zweite EP „Southbound“ um 21.30 in der Rockhal vor. Wir haben uns vorab mit den beiden Sängern der jungen Country-Folk-Pop-Band unterhalten.

„Zero Point Five“ gibt es seit 2009, wie habt ihr euch gefunden?

Kiko Menichetti Im „Lycée“. Das einzige, was wir unserer Schulzeit zu verdanken haben, ist, dass wir zufällig in eine Klasse gesetzt wurden (lacht). Gilles und ich waren die ersten Bandmitglieder. Claudio, unser Drummer, ist nun nach seinem Studium in Montpellier wieder zur Band zurückgekehrt. Damals haben wir uns während jeder freien Stunde getroffen, um zu proben. Erst haben wir aber eher Songs gecovert, dann kamen eigene Sachen.

Welche Geschichte steckt hinter dem Bandnamen?

Gilles Saracini Bei einem unserer ersten Konzerte, als eben nur Kiko und ich auf der Bühne standen, meinte jemand: „Ihr seid ja nur eine halbe Band. Ihr habt weder einen Bassisten noch einen Drummer“. Dadurch kamen wir auf den Namen: „Zero Point Five“. Es ist überdies von Vorteil, wenn der Bandname mit Z beginnt, weil man immer ganz unten aufgelistet wird, was wiederum ins Auge sticht. Eigentlich steht nur noch ZZ Top unter uns (lacht).

Wie hat sich euer Musikstil im Laufe der Jahre entwickelt? Habt ihr anfangs eher herumexperimentiert?

Gilles Ja, wir kommen alle aus anderen Musikrichtungen. Am Anfang haben wir die Lieder, die jeder so in seiner Schublade hatte, für die Band eingesetzt. Das waren demnach auch verschiedene Stile, wie man auch auf unserem ersten Album „Stories from the Bar Downtown“ sieht, das geht von Pop Funk bis Pop Folk und auch mal in Richtung Grunge oder etwas härter. Für unsere neue EP „Southbound“ haben wir bei null angefangen, uns hingesetzt und Lieder geschrieben, die in eine Stilrichtung gehen, nämlich Country Folk, aber mit Popelementen, das heißt ganz modern. In Amerika ist dieser Musikstil in den Charts, bei uns allerdings noch nicht ganz angekommen.

Und dabei bleibt es jetzt?

Gilles Vor wenigen Tagen haben wir unsere erste Single „Honolulu“ veröffentlicht und viel positives Feedback bekommen. In einem Monat folgt die zweite Single, die etwas mehr Richtung Country Folk geht mit Banjo und so. Mal schauen, wie das ankommt. Es ist ja so, dass es doch noch gewisse Vorurteile gegenüber Countrymusik gibt. Das liegt aber vor allem daran, dass das Genre oft ein bisschen lächerlich dargestellt wird, mit Pferd und Cowboyhut. Das geht auch anders. Viele haben eine falsche Vorstellung.

Schreibt ihr die Lieder gemeinsam?

Gilles Bei der ersten CD war das noch etwas strenger aufgeteilt. Da Kiko der einzige von uns ist, der eine Musikschule besucht hat, war er es auch, der sich um die Musik kümmerte, und ich war für die Texte zuständig. Bei der zweiten CD war die ganze Gruppe beteiligt. Wir haben uns hingesetzt und zusammen geschrieben. Das neue Album ist also kollektiv entstanden.

Wo nehmt ihr die Inspiration her?

Gilles Das hängt ein bisschen davon ab. Wenn ich zum Beispiel ein Lied schreibe, gehe ich nie mit der Idee an die Sache ran, dass ich jetzt einen Song über die Liebe schreiben muss. Es ist immer die Gefühlslage, die mitspielt, und dann geht es eigentlich wie von selbst. Es gibt keine richtige Anleitung, wie man da vorgeht.

Kiko Es geht um Sachen, die wir selbst erleben. Dann können tiefgründige und weniger tiefgründige Texte entstehen. Wir bieten auf unserer neuen EP einen guten Mix. Das letzte Lied „Glow“ ist zum Beispiel sehr politisch, „Honolulu“ dagegen vielmehr eine Liebeserklärung an den Sommer, das heißt etwas oberflächlicher. Wir sind eine junge Band und versuchen deshalb, jugendliche Themen mit einzubringen, beispielsweise in „Sing Along“, wo es einfach nur darum geht, sich frei zu fühlen, um den Spaß am Leben.

„Glow“ passt dann aber nicht so richtig rein?

Gilles Der Refrain geht auf ein sozial- und politikkritisches Gedicht zurück, das ich mal geschrieben habe. Ich bin da etwas engagiert. Irgendwie ist daraus dann ein Lied entstanden, das ein bisschen „Last Minute“ auf der CD landete. Wenn man den Leuten jedoch nur philosophische Texte bietet mit tiefgründigen Botschaften wird das auch anstrengend. Ein Konzert soll Spaß machen und nicht nur zum Nachdenken verleiten.

Zuerst steht also der Text und dann folgt die Melodie?

Gilles In diesem Fall ja, das kann aber auch andersrum sein. Bei „Honolulu“ hatten wir zuerst die sommerlich klingende Melodie und dann kamen die Lyrics, die dann auch an den Sommer erinnern, beziehungsweise an etwas, was wir selbst erlebt haben. Vor zwei Jahren haben wir nämlich in Honolulu gespielt und konnten unsere Emotionen mit einfließen lassen. Das Konzert sehen wir immer noch als eines unserer bisherigen Highlights, vor allem weil wir im „Hard Rock Cafe“ spielten und das auch noch am Tag des Superbowl, gleich nach dem Spiel. Das war eine super Erfahrung, wir haben viele CDs verkauft. Es ist natürlich toll, wenn man darüber nachdenkt, wo unsere Musik dadurch überall gelandet ist.

Ist das Publikum in Luxemburg denn anders?

Gilles Wir haben bisher nur ein Konzert vor einem amerikanischen Publikum gespielt, aber da sind die Leute mega mitgegangen. Es wird ja oft gesagt, dass das Publikum hier kälter ist. Bei uns war das aber bislang nie der Fall, weil wir einfach versuchen, die Leute als Live-Band mit einzubeziehen und mit kleinen Sketchen zum Lachen zu bringen. Viele Gruppen bringen ihre Konzerte ganz ernst über die Bühne. Das passt einfach nicht zu uns. Auch heute Abend können sich die Leute auf witzige Sachen freuen, auf Anekdoten und Erklärungen zu den Liedern. Das gehört ja zu einer Release.

Träumt ihr davon, von eurer Musik leben zu können?

Gilles Dazu sagt man nie nein. Natürlich ist es nicht leicht, über die Grenzen hinaus bekannt zu werden. Ich muss aber sagen, dass man viel Unterstützung erfährt, um in Luxemburg etwas zu erreichen, sei es vom Kulturministerium, vom „Fonds culturel national“ oder der Sacem, die einem sehr unter die Arme greifen, sei es finanziell oder bei organisatorischen Fragen. Nicht so leicht hat man es dagegen, sich als Luxemburger Band im Ausland zu vermarkten, obwohl das Exportbüro Music:LX einen guten Job leistet. Die Hoffnung besteht natürlich ganz klar, vor allem jetzt, da wir alle fertig mit unseren jeweiligen Unistudien sind. Mal schauen, wie es jetzt weiterläuft, wenn wir das Ganze etwas professioneller anpacken.

Der Eintritt für das Konzert heute Abend (21. September) ab 20.00 ist frei. Im Vorprogramm um 20.30: „Redhills.