MONT SAINT MICHEL
HELMUT WYRWICH

Der Profi-Golfsport brilliert mit seinen großen Namen und hohen Geldsummen -

Sie heißen Javier Ballesteros, Katharina Keilich, Greta Isabella Völker, Franziska Friedrich oder Luisa Diettrich. Was sie eint: Sie sind alle 22 bis 24 Jahre alt und spielen Golf. Ihr Ziel: In die Spitze zu kommen, in den Golf Olymp, wo man mit den Preisgeldern, Werbe - und Sponsorenverträgen ordentlich Geld verdienen kann. Die Luxemburgerin Liebelei Elena Lawrence hat das zu Beginn des Jahrzehnts ebenfalls gehofft, hat es beinahe geschafft und ist dann von der Bildfläche verschwunden.

„Ich weiß, dass alle auf meinen Namen schauen“, sagt Javier Ballesteros. „Aber ich bin nicht mein Vater.“ Javier Ballesteros ist Sohn einer Legende, nach der der Flugplatz von Santander benannt wurde. Vater Ballesteros gehörte zu den „Big Five“ im weltweiten Golf, die alle im selben Jahr 1957 geboren wurden und das weltweite Golfspiel bestimmten oder bestimmen. Severiano Ballesteros, Bernhard Langer, Nick Faldo, Sandy Lyle und Ian Woosnam gewannen alle mindestens eines der großen klassischen Turniere, gewannen mit dem Ryder Cup gegen die USA. „M“, erzählt der Junior mit dem großen Namen. Javier versucht es dennoch. „Mein Vater ist 2011 an Krebs gestorben. Ich spiele jetzt als Profi. Aber er hat gewusst, dass ich es tun würde.“

Gnadenloser Wettbewerb

Der Wettbewerb im Golf ist gnadenlos. An der Spitze gibt es weltweit möglicherweise gerade 60 oder 70 Spieler und Spielerinnen, die als Golf-Millionäre ein Aushängeschild sind. Und dann sind da Tausende weltweit, die versuchen, an die Spitze zu gelangen. Träumen ist dabei nicht erlaubt. Und nicht wenige haben sich, bevor sie mit 21 oder 22 Jahren in das Profigeschäft einstiegen, eine andere Basis geschaffen. Javier hat in den USA und in Madrid Jura studiert, steht vor dem Examen und nimmt in Absprache mit der Universität eine Auszeit.

Franziska Friedrich hat in Kalifornien studiert und einen „Bachelor in Corporate Accounting and Finance“ erworben. Katharina Keilich erwarb ihren Bachelor in Cininnati im Studiengang „Sportmanagement“ und „Business Administration“. Nebenbei führte sie ihre Universitätsmannschaft zur US Universitätsmeisterschaft und wurde als Einzelmeisterin im US Universitätssport „unsterblich“. Um dorthin zu kommen, wiesen alle ein gutes Abitur auf und sind gute Golfspieler. Europäer lieben es, sich mit solchen Referenzen an amerikanischen Universitäten zu bewerben. Die US Institute integrieren sie in ihre Golfteams und zahlen das Bachelor-Studium. Voraussetzung: Harte Doppelarbeit im Studium und auf dem Golfplatz und dadurch hervorgerufen doppelter Leistungsdruck.

Liebelei Elena Lawrence hat diesen Druck erfolgreich umgesetzt. Sie ging 2011 in den europäischen Profigolfsport, qualifizierte sich schnell für die europäische Profigolftour, die „Ladies European Tour“, die in Wirklichkeit ein weltweiter Wanderzirkus ist, galt als Riesentalent und konnte sich doch nicht halten. Der Grund: Sie litt unter Verletzungen. Am Ende verließ sie den Profigolfsport, trat noch einmal beim US Sender CBS in einer „Golf Casting Show“ auf. Aber da hatte sie bereits andere Wege eingeschlagen.

Der Alltag für diese Jungprofis ist hart. Luisa Dittrich, die mit 16 begann, Golf zu spielen, hatte nach dem Abitur keine Lust auf Hörsäle, dafür aber auf den Golfplatz. Sie spielt die zweite europäische Damenliga, hat Golf aber als Berufsziel. Sie studiert Golf und will Golflehrerin werden. „Die Praxis beherrsche ich ja“, sagt sie. „Jetzt muss ich Theorie lernen.“ Um als Golfprofi zu bestehen, arbeitet sie täglich sechs bis sieben Stunden. Ihr voller Arbeitstag umfasst sowohl ein dauerhaftes Fitness Training als auch das stundenlange Üben des Ballschlagens, Einlochens oder das Studium des Ballverhaltens auf dem Gelände, das Erkennen, wie ein Ball von oben nach unten, von rechts nach links, im Regen und auf trockenem Rasen läuft. Besuche bei Physiotherapeuten gehören dazu, wie auch das Hören auf leiseste Proteste des Körpers.

„Ich mache das zwei bis drei Jahre“, sagt Javier Ballesteros im Gespräch mit dem Journal. „Wenn ich dann nicht oben bin, höre ich auf und werde Jurist.“ Die jungen Frauen sehen das ein wenig anders. Der Konkurrenzkampf ist bei ihnen zwar nicht weniger hart, aber die Anzahl der Mitbewerberinnen ist geringer. „Mit 30 spiele ich in den USA,“ sagt die 22-jährige Greta Isabella Völker, die sich nebenbei zur Anthropologin ausbilden lässt. Sollte es mit dem Golfspielen wirklich nichts werden, will sie Forensikerin werden.

Geringe Preisgelder

Damit das überhaupt möglich wird, sind die Eltern die Sponsoren ihrer Kinder. In den Turnieren, in denen sie spielen, ist nicht einmal der Lebensunterhalt zu verdienen. Die Preisgelder dieser „Nachwuchs“-Turniere liegen in Spanien bei 35.000 Euro, in Metz Marly im Frühjahr dieses Jahres bei 43.000 und in Saint Malo im Juli 2019 bei 45.000 Euro. Der Sieger erhält davon 15 Prozent, der Zweite die Hälfte davon. Für die Letzten bleiben in der Regel 300 bis 400 Euro. Das deckt weder die Hotelkosten noch die Reisekosten oder die Lebenshaltungskosten, die in einer Turnierwoche schnell auf 1.000 Euro anwachsen.

„Ohne die Hilfe der Eltern geht das nicht“, sagt Katharina Keilich. Die lassen sich den Ehrgeiz ihrer Sprösslinge leicht zwischen 40.000 und 60.000 Euro oder auch mehr im Jahr kosten. Selbst Javier Ballesteros, der mit Schlägern von Callaway und mit Kleidung von Hugo Boss ausgerüstet wird, gibt zu, von seiner Mutter unterstützt zu werden.

Träumen dürfen die Nachwuchs-Golfspielerinnen immerhin. Wo für sie häufig gerade die Kosten für eine Tankfüllung übrig bleiben, geht es im Olymp geradezu üppig zu. Die „Evian Championships“ im Juli waren mit 4,1 Millionen dotiert, von denen 650.000 brutto in die Taschen der Siegerin flossen.

Liebelei Elena Lawrence, mit der die Kontaktversuche des Journals erfolglos blieben, tat nach dem Ausscheiden aus dem Profisport das, worauf sich auch unsere Gesprächspartnerinnen vorbereitet haben. Sie führte in Berlin ihr Studium fort und schloss es mit einem Master in „International Management“ ab. Ihr in den sozialen Netzwerken zugänglicher Lebenslauf weist sie heutzutage als Mitarbeiterin in der Finanzbranche aus.