TRIER
CHRISTIAN SPIELMANN

Theater in Trier: „Ewig Jung“ oder „Alt werden ist nichts für Feiglinge“

Der Haken am menschlichen Leben ist das Altwerden und der finale Tod. Wie man sein Leben als Rentner führt, hängt von vielen Gegebenheiten ab, vor allem von der Gesundheit. Erik Gedeon, ein schwedisch-schweizerische Autor, machte sich in seinem Stück „Thalia Vista Social Club“, das 2001 in Hamburg uraufgeführt wurde, Gedanken über den letzten Abschnitt im Leben der Menschen. Das Stück wurde in Deutschland ein Hit und zwecks der Dresdener Premiere 2007 in „Ewig Jung“ umbenannt. Für das Theater Trier inszenierte Tobias Materna das Musikdrama, da viele bekannte Oldies von den Rentnern gesungen werden, wenn sie sich an die besten Jahre ihres Lebens erinnern.

Immer wenn die Uhr schlägt

Die Trierer Premiere fand im kleinen Kasino am Kornmarkt statt. In einem Zimmer in einem Altersheim stehen drei Sessel, ein Sofa und ein Piano sowie eine Urne mit den Überresten verstorbener Bewohner. Die vier Schauspieler und drei Schauspielerinnen werden mit ihren wirklichen Familiennamen angeredet. Herr Rosenberger (Frank) kommt mit einer Sauerstoffflasche auf die Bühne und nimmt am Piano Platz. Ihm folgen die Herren Peters (Thomas) mit seinem Aquarium, Nix (Klaus-Michael) und Geisen (Martin) sowie die Damen Wolf (Andrea) und Ullmann (Barbara).

Die Krankenschwester Gramms (Franziska Marie) versucht die Belegschaft des Heims mit dem Lied „Wir klatschen in die Hände“ in Stimmung zu bringen. Die Begeisterung hält sich jedoch in Grenzen. Sobald Gramms verschwunden ist, singen die Bewohner ihre Lieder, die sie an ihre besten Jahre im Leben erinnern. Sie toben sich, so weit ihre alten Knochen es zulassen, bei „I Love Rock ’n‘ Roll“ aus. Herr Geisen kramt zu diesem Zweck sogar seine E-Gitarre hervor. Herr Peters macht Frau Wolf zu dem Hit „I Got You Babe“ von „Sonny & Cher“ eine Liebeserklärung. Die Uhr schlägt, und Frau Gramms taucht wieder auf. Alle werden still, bekommen aber ein Schnäpschen. Als Gramms wieder anderen Aufgaben nachgeht, greift Herr Geisen zu einer Tüte Gras, die alle in eine Superstimmung versetzt. Zu „Born to be Wild“ rattern die Herren mit ihren fiktiven Easy-Rider-Motorrädern durch den Saal, ehe es zu einem handfesten Streit zwischen Peters und Geisen kommt, der mit dem Tod von Fridolin endet, dem Goldfisch von Peters. Am Ende singen alle „I Will Survive“, und es wird klar, dass das Altwerden eine Kopfsache ist, doch da gibt es eine Menge körperlicher Gebrechen, die das Alter mit sich bringt.

Graue Zellen gegen Arthrose und Rheuma

Die Schauspielertruppe macht sich einen echten Spaß daraus, diese Rentnerbande zu spielen. Sie strengen sich an, falsch zu singen, bringen aber auch das Gegenteil problemlos fertig. Mal liegen sie am Boden, kämpfen mit Arthrose sowie Rheuma und brauchen Hilfe, um wieder auf die Beine zu kommen. Einen Moment später springen sie problemlos auf den Sesseln herum. Im Kopf sind alle noch gut, bis vielleicht auf Frau Wolf, die eine Kombination aus Tourette-Syndrom und Demenz aufweist, aber die Knochen quietschen und knarren. Die Dialoge und Aktionen der Rentnerbande regen die Lachmuskeln an, und ihre Lieder lassen Stimmung im Saal aufkommen, unter anderem singen sie noch den zu allen Pensionären passenden Song „Sex Bomb“ und den Titel „Forever Young“ von „Alphaville“, der dem Stück den Namen gab.

Man merkt in den ruhigen Momenten, wie beim Lied „All By Myself“, wie die Altenheim-Bewohner das Leben genossen haben und immer noch daran hängen, wohlwissend, dass es irgendwann zu Ende ist. Wie heißt es zum Schluss: „Alt werden ist nichts für Feiglinge“, aber Feigling hin oder her, es trifft jeden, nur kommt es darauf an, wie man das Altwerden angeht. In Trier findet man ein wunderbares Rezept gegen die Langweile im Alter in „Ewig Jung“.


Weitere Informationen und Tickets unter
www.theater-trier.de. Die nächste Vorstellung ist am 22. April um 20.00 im Kasino. Am 19. Mai und am 9. und 30. Juni
wird ebenfalls im großen Theater gespielt. Das Stück dauert etwa 90 Minuten und wird ohne Pause durchgespielt