PATRICK WELTER

In der Redaktionskonferenz habe ich mich noch geweigert, heute wieder etwas über Donald „Trampel“ Trump zu schreiben, aber langsam komme ich mir vor wie ein Statist in einem frühen James-Bond-Film oder einem Roman von Robert Ludlum.

Wenn sich der Präsidentendarsteller in 1600, Pennsylvania-Avenue, demnächst noch eine weiße Perserkatze zulegt, dann bin ich mir sicher: Unter der Maske eines einfältigen Immobilienhändlers steckt niemand anders als Ernst Stavro Blofeld, Ian Flemmings Ober-Bösewicht und Gegenspieler von 007. Stets auf der Suche nach der Weltherrschaft.

Die Zucker-Brüder müssen sich die Augen gerieben haben angesichts von Trumps Europa-Trip, der die Fettnäpfchen-Quote von Lieutenant Frank Drebin in die „Nackte Kanone“ fast toppte. Alten Damen von 92 Jahren gebührt Respekt, dafür müssen sie nicht mal Königin von England sein. Außer, dass Trump die Queen nicht in die Torte geschubst hat, hat er ein Maximum an Rüpelhaftigkeit gezeigt. Allein, die alte Dame eine Viertelstunde im knalligen Sonnenschein stehen zu lassen, hätte früher einen Waffengang zur Folge gehabt. Vermutlich wissen Milliarden Menschen auf der Welt, überall dort wo man einen Fernseher hat, dass man nicht vor einer Königin her marschiert. Donald nicht!

Der Super-Womanizer kann ganz offensichtlich nicht mit intelligenten Frauen - nichts gegen Melania, aber sobald sein weibliches Gegenüber kein Beiwerk, sondern auf Augenhöhe ist, packt er den Holzhammer aus. Mutti Merkel weiß das schon länger, Theresa May bekam jetzt ihr Fett weg. Stattdessen liebt er den Bruder im Geiste Boris Johnson. Das Team aus der Krachmacher-Straße. Ins NATO-Hauptquartier einzumarschieren - natürlich mit Verspätung - und dann zu tönen „Hübscher Schuppen, haben wir ja auch bezahlt!“ erfüllt alle, aber alle anti-amerikanischen Vorurteile und noch eine halbes Dutzend Maklerklischees dazu. Rücksicht auf langjährige Freunde? Für den „Tycoon“ Trump zählt wohl Gordon Gekko als Vorbild: „Wenn Du einen Freund willst, dann kauf dir einen Hund!“

Das Schmierentheater in Helsinki übertrifft alles, alles was man sich bis dahin vorstellen konnte. Womit wir wieder bei Ian Flemming und Robert Ludlum wären. Der Plot eines US-Präsidenten, der bei einem russischen Neo-Zaren den Schmusekater gibt und dann seine eigenen Geheimdienste in einer Pressekonferenz in die Pfanne haut, hätte die erste Tee-Stunde mit dem Verlagslektor nicht überlebt.

Helsinki war ein Fest für Putin. Auf dem Rückflug nach Moskau wird das brüllende Gelächter in der russischen Maschine die Stratosphäre durchdrungen haben, unterbrochen nur vom Knallen der Sektkorken. Entweder hat Putin das größte Glück in der Geschichte der russisch-sowjetischen Präsidenten, mit Trump zufällig einen unfähig-infantilen Gegenpart zu haben, der von Außenpolitik nichts hält und noch weniger davon versteht, oder…

... Putin ist das größte aller politischen Schurkenstücke gelungen und er hat einen Mann ins Weiße Haus gebracht, der völlig von ihm abhängig ist. Im gottesfürchtigen Amerika kann eine „Golden shower“ politisch tödlich sein.

Egal ob Dummheit oder Verrat. Diesmal ist Olympus wirklich gefallen.