LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Klimaschutz: Regierung zieht positive Bilanz - Herausforderung für Zeitraum nach 2020

In Sachen Klimaschutz ist Luxemburg auf gutem Wege, seine Ziele bis zum Jahr 2020 zu erreichen. So lässt sich die gestrige Bilanz von Umweltministerin Carole Dieschbourg und Staatssekretär Camille Gira (beide „déi gréng“) zusammenfassen. Die Bergetappe kommt aber erst noch, wenn das Großherzogtum bis 2030 seine Emissionen um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 reduzieren soll. Die Regierung will deshalb schon kommende Woche den Weg zu einem dritten nationalen Klimaplan in Form eines partizipativen Prozesses ebnen.

Anlässlich des jüngsten offiziellen Besuchs im Senegal habe man sich ein Bild von der Notwendigkeit machen können, „den Klimaschutz voranzutreiben und die Anstrengungen zu verstärken“, sagte Dieschbourg gestern. Klimapolitik sei eine „Politik für Frieden und Gerechtigkeit“, insofern durch Klimaschutzanstrengungen verhindert werden könne, dass Menschen - oftmals bekommen die ärmsten Menschen die Folgen des Klimawandels am heftigsten zu spüren - ihre Heimat verlassen müssen. Auf internationalem Plan hat sich Luxemburg bekanntlich dazu engagiert, bis zum Jahr 2020 120 Millionen Euro in die internationale Klimahilfe zu investieren. Rechnet man das auf die Einwohnerzahl um, stehe Luxemburg „als verantwortungsvoller Partner da“. Die Gelder fließen zum Teil in Projekte von Nichtregierungsorganisationen.

Klimaschutzpolitik geschieht aber auch auf nationalem Plan. Gira betonte nicht ohne Stolz: „Wir haben es innerhalb einer Legislatur geschafft, alle 102 Gemeinden (nach den Fusionen) in den Klimapakt einzubinden.“ Darüber hinaus seien bereits 87 Gemeinden zertifiziert. Sie haben damit bereits mindestens eine von drei Stufen erreicht.

Erneuerbare Energien: Neun Prozent aus eigener Anstrengung

Der Staatssekretär kam ebenfalls auf die Eurostat-Veröffentlichung von Donnerstag (wir berichteten) über die Fortschritte der EU-Staaten beim Ausbau der erneuerbaren Energie zurück. Denn seit 2016 sei einiges im Bereich erneuerbare Energie geschehen. Gira sprach gar von einer „Revolution“. Die Stromgewinnung aus Windkraft habe sich seit 2013 „praktisch verdreifacht“ von rund 80 auf 220 Gigawattstunden pro Jahr (provisorische Angaben) im vergangenen Jahr. Das entspreche dem Verbrauch von etwa 55.000 Haushalten. Weitere Projekte - Gira sprach von fünf bis sechs Projekten im Süden und nannte noch ein Projekt bei Mersch - seien in Planung. „Das ist nicht das Ende, sondern der Anfang vom Lied“, betonte Gira. Die Photovoltaik habe indes eine „substanzielle Steigerung“ von rund 73 auf 113 Gigawattstunden jährlich erlebt. Zuvor hatte bereits Wirtschaftsminister Etienne Schneider (LSAP) per Pressemitteilung reagiert. Er sei weiterhin zuversichtlich, dass „Luxemburg auf gutem Wege ist, seine Ziele für 2020 in Sachen erneuerbare Energien zu erreichen“.

Luxemburg peilt einen Anteil von elf Prozent erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 an. Laut Eurostat lag der Anteil am Bruttoendenergieverbrauch 2016(der beispielsweise den Spritexport miteinbezieht) bei 5,4 Prozent. Den gestern genannten Angaben zufolge rechnet die Regierung damit, diesen auf neun Prozent erhöhen zu können. Die verbleibenden zwei Prozent würden dann über einen statistischen Transfer mit Litauen und Estland ergänzt werden.

Treibausgasemissionen: „on track“

20 Prozent weniger Emissionen als 2005 bis 2020: Was die Ziele der zweiten Periode des Kyoto-Abkommens angeht, befindet sich Luxemburg laut Aussagen von Dieschbourg und Gira „on track“ - anders als noch in der ersten Phase (2008 bis 2012), als sich die Regierung „freigekauft“ habe, wie Gira sich ausdrückte. Seit 2013 liege Luxemburg unter seinem CO2-Kontingent, das jedes Jahr kleiner wird. 2016 betrug dieses 8,94 Millionen Tonnen CO2. Diese Entwicklung müsse aber sehr genau im Auge behalten werden, betonte Gira. Die CO2-Emissionen pro Kopf lagen 2016 übrigens noch bei 17 Tonnen. Sie müssen bis 2030 noch einmal deutlich reduziert werden. „Diese Regierung hat ihre Hausaufgaben im Klimaschutz gemacht“, betonte Gira. „Nach 2020 kommt die große Challenge auf uns zu“, ergänzte er. Deshalb soll wie gesagt der dritte Klimaaktionsplan unter dem Titel „Generatioun Klima“ jetzt schon in Angriff genommen werden. Ziel soll es sein, eine strategische Vision mit Blick auf 2030 und sogar darüber hinaus zu definieren und - weil jeder gefordert ist - Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen. Erste Etappe ist am 3. und 4. Februar ein „Climate Innovation Lab“ rund um die Themen Wohnen, Mobilität, Wirtschaft und Ernährung.


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