LUC SPADA

Ich bin in Brüssel. Nicht weit weg von der „Place de Luxembourg“, die Verbundenheit zu meinem Land ist mir doch so wichtig. *HERZ*.

Währenddessen ich so still in mich rein jammere, weil mir einfach nichts für diese Kolumne einfällt, fällt mir auf, dass immer mehr komische Gestalten den Weg in dieses „Hotel-Lobby-Open-Space-Restaurant“ finden.

Zum Beispiel ein Typ mit Lederjacke, nicht coole Lederjacke, viel mehr so Trenchcoat, mehr so Typus (Achtung! Klischee!) Zuhälter oder Amokläufer.

Gut, kein Grund zur BEUNRUHIGUNG. Aber da, noch so ein anderer junger Mann. Er hat einen, hä?, hat er… ja, er läuft tatsächlich mit Holzstock, nicht weil er ohne nicht laufen kann, sondern weil er glaubt, dass das zu seinem Image passt, mehr so als Gadget, als Symbol für, hm, für was nur?

Irgendwas stimmt hier nicht. Und weiter, zwei sehr junge, strengaussehende Frauen kommen rein, Sorte: Stewardess. Aber nicht so „falschfreundlich“ wie eine Stewardess, eher so „richtigunfreundlich“, Frauke-Petry-Anti-Ausstrahlung, tote Augen, sind das Kontaktlinsen? Ist das die Karnevalisierung Belgiens? Oder ist heute 11. November und ich bin in Köln? Man kommt ja auch so schnell durcheinander, weil die Grenzen doch alle so sperrangelweit offen sind.

Langsam bildet sich eine Gruppe: Viele schlechte Zähne, einer mit irischem Fußballtrikot, ein anderer versucht wohl einen Al-Capone-Lookalike-Contest zu gewinnen. Wow, einer und eine eigenartiger als der oder die andere. Die Meisten etwas kräftiger gebaut, schlecht sitzende Hemden, Krawatten und Hosen. Viele reden miteinander, ohne wirklich dem Gegenüber zuzuhören. Ich höre: Trump, Brexit, We, Nation.

Einige andere sind ganz für sich, isoliert in der Gruppe, Handy in der Hand. Tipp tipp tipp. Was ist das? Feiert Pinguin aus Gotham Geburtstag?

Ich kriege WIRKLICH etwas Angst, ich kriege aber auch schnell Angst, und Brüssel soll ja auch WIRKLICH sehr gefährlich sein. Plötzlich, ich schrecke auf, die Stimme? DIE Stimme? Woher kenn ich sie? Ich dreh‘ mich vorsichtig um. HEILIGER BIMBAM! Ok, schnell, Facebook. Ich gebe den Namen, von dem ich fürchte zu glauben, dass er… ER IST ES!

Es hätte nicht schlimmer sein können, in MEINEM Hotel trifft sich gerade die Crème de la Crème der europäischen Konservativen. Die „Wir sind keine Rassisten, aber…“ Kacklaberer.

Lautstark mit dabei, der Tilo Sarrazin in jung und luxemburgisch der immerbeleidigten adr (die luxemburgische AFD), Joe Thein. Er will sich beim Kongress der „Young European Conservatives“ zur Wahl stellen.

Ich denke kurz an Le Pen, Trump, Erdo?an, Putin, dann irgendwie an Ungeziefer. Ich beobachte die Freak Show noch ein wenig. Und schließlich verlassen diese Karikaturen des Absurden MEIN Hotel und kommen hoffentlich nie wieder zurück.

Ich habe fertig.