LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Marc Weber gibt in „Bock auf Liebe?!“ einen humorvollen Einblick in abstruse Dates

Wer kennt sie nicht, die unzähligen Dating-Apps, die uns heutzutage die Suche nach dem Traumpartner erleichtern sollen? Einen Einblick in abstruse Dates, die das Resultat sein können, gibt Marc Weber in seinem Erstling „Bock auf Liebe?!“. Der Luxemburger lebt seit 2009 in Wien, wo er einen interessanten Werdegang zurückgelegt hat. Wir haben uns mit dem Nachwuchsautor unterhalten.

Was hat Sie nach Wien geführt?

Marc Weber An sich der Zufall. Anfangs habe ich in Luxemburg studiert, um Grundschullehrer zu werden, dann aber gemerkt, dass ich doch etwas anderes in meinem Leben machen wollte. Ein Studium an der Medienhochschule Köln war dann der Plan. Zufällig hat einer meiner besten Freunde zur gleichen Zeit in Wien ein Architekturstudium angefangen und mich von der Stadt überzeugt, wo ich auch Theater-, Film- und Mediengeschichte studieren konnte. Mit ihm drehe ich auch seit längerem Musikvideos und Kurzfilme. In den letzten sechs bis acht Jahren ist einiges zusammengekommen.

Nach Studienabschluss nach Luxemburg zurückkehren, war keine Option?

Weber Die Option habe ich mir eigentlich bis heute offengelassen, aber Wien gefällt mir extrem gut. Als ich mit dem Studium fertig war, habe ich gleich bei der Flohmarkt-App Shpock einen Job gefunden und war dort im Marketing zuständig für die Video-Werbung. Bis April letzten Jahres war ich dort tätig und habe mir dann eine Auszeit genommen, um das Buch zu schreiben. Seit einiger Zeit arbeite ich nun beim Wiener Kurier an einem neuen Format, das sich www.k.at nennt und digitale Nachrichten für Jugendliche bietet. Ich helfe, den Videobereich aufzubauen. An einem neuen Projekt mitzuwirken, hat mich sehr gereizt, gerade weil es sich um eine große Zeitung handelt, die jetzt dabei ist, sich auf die digitalen Zeiten einzustellen.

Wobei die Jugend ja keine leichte Zielgruppe ist...

Weber Eben, bei diesem neuen Format geht es gerade darum, junge Leute zu erreichen und wieder auf den Geschmack einer Zeitung zu bringen. Dazu muss man ihnen das bieten, was sie interessiert, und das sind insbesondere ihre Influencer, also Youtuber und Instagrammer. Die jungen Leute haben aber auch Interesse an der Tagesaktualität, wollen allerdings keine fünf Seiten Text lesen, sondern eher die Überschrift und noch ein paar Zeilen, dazu Bilder und Videocontent. Die Seite ist übrigens bereits online.

Und was hat Sie dazu bewogen, zwischendurch ein Buch zu schreiben?

Weber Schon als Kind habe ich gerne für die Schülerzeitung geschrieben. Diese Lust hat sich nie gelegt. Irgendwann habe ich dann erstmal Musikvideos gemacht, die Drehbücher aber selbst geschrieben, demnach meine eigenen Geschichten verfilmt. Da mir das Schreiben leichtfällt, hatte ich schon länger die Idee, ein Buch zu schreiben, vielleicht sogar mit dem Ziel, daraus einmal einen Film zu machen.

Oft ist so etwas ja leichter gesagt als getan. Wie war es bei Ihnen?

Weber Eigentlich hatte ich ursprünglich eine etwas andere Idee im Kopf, beziehungsweise wollte nur ein paar Kurzgeschichten über witzige Tinder-Dates schreiben. Während der Recherche ist mir dazu aber eine komplette Geschichte eingefallen, die ich dann auch relativ schnell geschrieben hatte.

Um was geht es also in „Bock auf Liebe“?

Weber Um einen jungen Mann namens Hannes. Er ist 23 und hat immer noch ein etwas überromantisiertes Bild von der Liebe. Vieles geht schief, und er wird ständig enttäuscht. Schließlich landet er bei einer Psychologin, die ihm vorschlägt, eine Online-Liebes-App auszuprobieren. Diese App hat zwar keinen Namen im Buch, funktioniert aber nach dem gleichen Prinzip wie Tinder. Hannes gerät dann auch in ziemlich lustige und absurde Abenteuer. Dating über Internet ist ja inzwischen ein ganz normales Thema. Heute ist es fast schon üblich, sich online kennenzulernen, vor zehn Jahren wollte noch niemand das zugegeben.

Wie viel Autobiografie steckt denn in dem Buch?

Weber (lacht) Das fragt mich natürlich jeder. Das Buch ist aber wirklich fiktiv. Nichts ist genauso und in dieser Reihenfolge passiert. Doch egal welche Geschichte man erzählt, die Inspiration nimmt man immer aus dem Leben, ob es sich dabei um die eigenen Erfahrungen oder die eines anderen handelt... Ich kenne mich aber natürlich auch ein bisschen mit Dating-Apps aus.

Das Buch interessiert wohl eher jüngere Leser?

Weber Davon gehe ich aus, habe aber auch Feedback von weniger jungen Leuten bekommen. Meine Eltern waren zum Beispiel Testleser und haben das Thema gerade deswegen interessant gefunden, weil sie es überhaupt nicht kennen. Ein Kollege hat gemeint, das Buch würde an sich von Dates erzählen, die jeder gerne erleben würde oder teilweise schon erlebt hat. Es richtet sich auch nicht nur an Singles, sondern ebenso an humorvolle Paare oder einfach an alle, die zumindest gerne mal in ihrer Fantasie solche Dates durchleben wollen. In erster Linie ist es eine Geschichte, die unterhalten soll. Sie fällt also nicht in die Sparte Weltliteratur. Vielmehr ist alles mit einem Augenzwinkern zu lesen, denn natürlich ist einiges etwas übertrieben.

Werden weitere Bücher folgen?

Weber Definitiv. Mit dem Aufbau für das nächste Buch habe ich schon begonnen. Bis Ende des Jahres möchte ich eine erste Fassung fertighaben. Es soll wieder um Liebe gehen, dieses Mal wird es jedoch philosophischer und trauriger.

„Bock auf Liebe“ haben Sie im Selbstverlag herausgegeben, hat sich sonst keine Möglichkeit ergeben?

Weber Ich habe gar nicht erst nach einem Verlag gesucht. Ich wollte das Buch einfach schnell herausbringen und wusste, dass dies über Amazon relativ leicht zu bewerkstelligen ist. Natürlich muss ich mich selbst um das ganze Marketing kümmern, die Werbetrommel rühren und so weiter, was ich aber auf der anderen Seite wiederum interessant finde. Dieses „Learning by doing“ ist ja eine Bereicherung. Wenn man mit einem Verlag arbeitet, hat man wohl eine gewisse Unterstützung, verliert aber gleichzeitig die Rechte an dem Buch, kann also nicht mehr entscheiden, was man damit machen will. Trotzdem hätte ich ein Angebot von einem Verlag natürlich nicht abgelehnt.

Liegen Film- und Videoprojekte erstmal auf Eis?

Weber Nein, ich habe letztes Jahr schon mit einem Freund angefangen, einen Kurzfilm zu drehen, übrigens auch ein Liebesfilm, eine witzige Komödie, die quasi in zehn Minuten eine ganze Beziehung zeigt, die über zwei Jahre geht und dann in einem Fiasko endet. Wir drehen zu verschiedenen Jahreszeiten, um diese zwei Jahre eben bestmöglich wiederzugeben. Alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer leicht, an den Wochenenden finde ich aber in der Regel Zeit für diese Projekte.

Haben Sie das Gefühl, in Wien mehr Möglichkeiten zu haben als in Luxemburg?

Weber So genau kann ich das nicht beurteilen, weil ich in den letzten Jahren nicht viel in Luxemburg war, beziehungsweise gearbeitet habe. Für mich war Wien einfach vom Gesamtpaket her interessant. Wenn man in einer solchen Großstadt lebt, lernt man viele Leute kennen. Meine Wunschvorstellung für die Zukunft wäre, in Wien wohnen zu bleiben, aber selbstständiger zu arbeiten, um häufiger nach Luxemburg kommen zu können, auch mal spontan.

Weitere Infos unter www.geschichtenmitweber.at