LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Maxime Weber stellt seine Texte jetzt via Video vor

Maxime Weber hat bereits im Kindesalter seine Leidenschaft für die Literatur entdeckt. 2015 hat er erstmals den Schritt gewagt und am Prix Laurence teilgenommen, um gleich als drittplatzierter aus dem Wettbewerb zu gehen - 2016 erklomm er dann das Siegertreppchen. Zurzeit widmet sich der 26-Jährige zwar voll und ganz seiner Masterarbeit, lässt sein Studium aber auch in seinen Werken immer wieder mit einfließen. Wer sich seinen Beitrag beim #LiteraturLiwwererOnline anschaut, dürfte sich erst einmal über den Hammer wundern - ein gerne benutztes Beispiel Heideggers. Was Maxime Weber neben der Philosophie bewegt und fasziniert, verrät er im Interview.

Würdest Du Dich und Deine Literatur kurz vorstellen?

MAXIME WEBER Ich schreibe seit Jahren für meine verschiedenen Bandprojekte Songtexte, das in der Regel auf Englisch. Als ich neun war, habe ich angefangen Fantasy-Romane zu schreiben. Da sind schon einige zusammengekommen, die allerdings nie veröffentlicht wurden. Vor kurzem habe ich dann meinen ersten deutschen Roman fertiggestellt, der auch veröffentlicht werden wird. Ich weiß leider nicht, ob ich bereits verraten darf, bei welchem Verlag er erscheinen wird, aber, dass er rauskommt, steht auf jeden Fall schon fest. Seit kurzem habe ich nun auch angefangen englischsprachige Kurzgeschichten zu schreiben. Anfangs habe ich Deutsch und Englisch streng getrennt. Meine Songtexte und Lyrik waren immer ausschließlich auf Englisch, weil man damit zum einen mehr Leute erreicht, aber auch, weil mir das Anglophone für Lyrics besser lag. Lange Zeit konnte ich mich aber bei längeren Texten besser auf Deutsch ausdrücken, sodass meine Prosa eigentlich immer deutschsprachig war. Irgendwann wollte ich diese Trennung aufheben, habe versucht englische Kurzgeschichten zu verfassen und schnell gemerkt, dass es mir unglaublich viel Spaß bereitet. Daher hat sich das zweisprachige Schreiben eigentlich aus diesem Experiment ergeben.

Würdest Du behaupten, dass sich Dein Schreibstil über die Jahre verändert hat?

MAXIME Ich glaube vor allem, dass ich, seitdem ich beim Prix Laurence den ersten Preis gewonnen habe, selbstsicherer geworden bin. Das insbesondere in puncto Themen, die ich behandeln möchte und Genres, die ich schreiben will. Speculative Fiction, Fantasy, Science-Fiction oder auch Weird Fiction haben mich schon immer fasziniert, allerdings hatte ich das Gefühl als käme diese Art der Literatur in Luxemburg nicht besonders gut an, da auch nicht so viele sich damit befassten. 2016 habe ich mich an einer realistischeren Geschichte versucht, war zufrieden damit, aber es lag mir nicht so gut wie Fiktion. Als ich diese Anerkennung bekam und gemerkt habe, dass die Leute meine Texte mögen, habe ich mich getraut non-apologetischer zu werden und mich meiner wahren Passion zu widmen. Vor allem, weil Speculative Fiction hier auch leider noch etwas unterrepräsentiert ist.

Beim Online-Literatur-Lieferant hast Du „Panima“, eine englische Kurzgeschichte, vorgestellt. Warum fiel die Wahl auf diesen Text?

MAXIME Bisher habe ich nur zwei englische Prosatexte geschrieben und „Panima“ hatte für dieses Format eigentlich die ideale Länge. Zudem wird der Text im Laufe des Jahres noch bei Black Fountain Press veröffentlich werden, sodass ich die Gelegenheit auch nutzen wollte, um ihn schon im Voraus vorzustellen. Zu Beginn hatte ich überlegt, ob ich aus meinem Roman vorlesen soll, habe mich dann aber bewusst dagegen entschieden, weil er viele Parallelen zur aktuellen Situation aufweist. Zwar entführt auch diese Geschichte in eine für den Menschen unbegreifliche Welt, aber sie liegt nicht so nahe an der Realität wie mein Roman. Den hatte ich im vergangenen Jahr fertiggestellt - lange vor der Coronakrise - und einige Szenen sind mittlerweile Realität geworden, was ich ziemlich gruselig finde. Ich wollte dieses Buch eigentlich eher allgemeiner halten und mich mit dem Thema Tod auseinandersetzen, damit es zeitlos ist. Vielleicht wäre es aber witzig, die Klopapier-Problematik noch irgendwie einzubauen (lacht).

Wie kam es zu Deiner Teilnahme am #LiteraturLiwwererOnline?

MAXIME Jérôme Jaminet unterstützt junge Autoren sehr und hält auch immer den Kontakt mit uns aufrecht. Als er diese Initiative gestartet hat, hat er uns angeschrieben und eine WhatsApp Gruppe gestartet, in der wir uns austauschen und planen konnten. Hier wurde geplant, wer welchen Text wann vorstellt, sodass eine Art Timeline erschaffen wurde, dass wir stets den Überblick behalten.

War es, obwohl Du es gewohnt bist Videos aufzunehmen, eine neue Erfahrung, Deine Texte vor der Kamera zu lesen?

MAXIME Ich hatte das tatsächlich auch vorher schon einmal gemacht. Das Lesen vor der Kamera erlaubt es einem, Patzer, in denen man sich verspricht, rauszuschneiden. Ich versuche das zwar auf ein Minimum zu reduzieren, weil es sonst doch zu sehr auffällt, aber es ist natürlich praktisch. Ein Live-Publikum bekommt mit, wenn man sich verhaspelt. Was aber da umso schöner ist, ist, dass man die Reaktionen des Publikums mitbekommt und darauf eingehen kann, was bei einem im Vorfeld abgedrehten Video leider ein wenig untergeht. Deshalb habe ich auch schon überlegt, ob ich einmal eine Geschichte live vorlesen soll, weil dort eine gewisse Interaktion möglich ist. Beim #LiteraturLiwwererOnline habe ich zwar vereinzelt Feedback bekommen, aber keine Fragen oder Kommentare, die zu einem ausgiebigeren Austausch geführt hätten. Das wäre vielleicht etwas, wozu wir die Leute noch etwas mehr animieren müssten, denn wir freuen uns als Autoren natürlich über ein Gespräch mit den Leuten, die sich die Videos anschauen. Es ist immer spannend die spontanen und intuitiven Gedankenprozesse anderer mitzuverfolgen und sich darüber auszutauschen, deshalb sollten Zuhörer keine falsche Scheu zeigen und ruhig das Video auf Youtube oder Facebook kommentieren, oder uns auch privat anschreiben.

Die Videos gibt es unter www.tinyurl.com/literaturliwwereronline oder www.facebook.com/derkritischeblick/