ROODT-SUR-SYRE
CORDELIA CHATON

80 Prozent ihrer Neukunden kommen via Social Media in den Salon von Anika Raskopp

Werben ist manchmal gar nicht so einfach. Da kann Digitalisierung helfen, wie das Beispiel  eines Friseursalons in Roodt-sur-Syre zeigt. Denn Anika Raskopp stand als Friseurmeisterin 2015 vor dem Problem, dass sie nicht nur in einem Salon arbeiten wollte, sondern noch weitere Services außer Haus anbot. Raskopp ist nämlich auch Hair- und Make-up Artist für Foto- und Werbeproduktionen. Daher war sie nicht nur in ihrem Salon zu finden, als sie sich 2011 selbständig machte. „Gerade am Wochenende war ich dann auch für Brautstylings in Hotels oder Schlössern“, erzählt sie. Der erste Salon der 32-Jährigen befand sich im 1535 C°-Gebäude in Differdingen. „Da waren viele Künstler, es war eine tolle Atmosphäre“, erinnert sie sich. Doch der Mietvertrag für den Friseursalon wurde nicht verlängert und Raskopp musste sich schnell nach einer Alternative umsehen. „Das war Fluch und Segen zugleich“, sagt sie im Rückblick. Denn die rührige Meisterin entdeckte einen Salon in Roodt-sur-Syre nahe der Autobahn. „Man muss aber wissen, dass er dort liegt. Daher war klar: Ich muss etwas dafür tun, dass man mich hier findet. So habe ich begonnen, auf social media für den Salon zu werben“, erklärt sie. Das machte auch Sinn, weil ihre Stylings ein weiteres Geschäftsgebiet waren.

Auf Instagram folgen ihr mittlerweile mehr als 1.600 Menschen. „Das sind echte Follower, keine gekauften“, versichert sie lachend. „Viele sind unsere Kunden oder kommen darüber.“ Raskopp postet Haarfarben, Schnitte, Hairstylings oder Brautfrisuren und Make-ups. „Ich habe das mit Facebook verknüpft und poste rund drei Mal die Woche. Das läuft dann auf beiden Kanälen. Darüber hinaus sind wir auch auf Pinterest“, berichtet sie. Bei anderen Kanälen überlegt sie, ob es etwas bringen würde. „Youtube sehe ich da weniger, weil der Aufwand mit Planen, Filmen und Schneiden zu hoch ist. Auch TikTok nicht, weil unsere Zielgruppe da momentan nicht so vertreten ist und es eher um Entertainment geht.“

Anfangs hatte Raskopp auch Flyer aus Papier genutzt. Doch das wirkte sich nicht aus. „Wir fragen Neukunden immer, wie sie uns gefunden haben. Rund 80 Prozent der Neukunden kommen über social media“, berichtet Raskopp. „Die kommen sowohl aus dem ganzen Land als auch aus dem Ausland. Wir haben so Kunden aus der Schweiz oder den USA, die zu uns nach Roodt-sur-Syre kommen!“ Andere Kundinnen haben ein spezielles Anliegen, weil sie jemanden suchen, der für das Brautstyling zum Ort der Feier kommt. „Da finden uns auch viele“, versichert die Friseurmeisterin. „Oft bleiben sie danach unsere Kunden.“

Mittlerweile hat sich die Situation verändert. Ihre kleine Tochter lässt Raskopp weniger Zeit für Reisen. Daher konzentriert sie sich auf den Salon, in dem sie mit mittlerweile fünf Mitarbeiterinnen schneidet, färbt und föhnt. „Ich würde mich gern noch vergrößern mit einem zweiten Salon. Am liebsten würde ich ins Nebengebäude ziehen und mich ausbreiten“, sagt sie. Denn für Hairworkshops oder Make-up-Workshops braucht Raskopp mehr Platz; gerade in Coronazeiten.

Die Chefin nutzt Digitalisierung nicht nur für Werbung. „Ich arbeite auch mit einem digitalen Kassenmanagement-System. Bei uns kann jeder Kunde Termin online buchen. Dadurch klingelt das Telefon viel weniger. Viele Kunden buchen abends oder sonntags, also zu Zeiten, zu denen wir sowieso nicht besetzt wären.“ Raskopp hat eine bereits vorhandene Software gekauft, nachdem sie gesucht und einiges ausprobiert hat. Die Software sorgt auch für eine automatische Erinnerung. So erhalten ihre Kunden 24 Stunden vorab eine SMS mit dem Hinweis auf den Termin. „Dadurch habe ich nur sehr wenige Terminausfälle“. Auch der Produktbestand im Lager wird digital überwacht. „Das System warnt mich auch, wenn zu wenig da ist. Dazu habe ich sofort eine Statistik darüber, welches Produkt gut läuft und welcher Mitarbeiter den meisten Umsatz macht. Das ist auch für die Mitarbeiter selbst super, die sehen, ob sie Gas geben müssen“, berichtet sie. Es versteht sich fast von selbst, dass ihre Mitarbeiter sie ebenfalls auf den sozialen Medien gefunden haben. „Darüber erhalte ich immer mehr Bewerbungen.“

Raskopp hat keinen Kurs abgelegt, um zu wissen, was sie wann wo postet. „Das entscheide ich intuitiv.“ Sie versteht, dass ältere Kollegen sich mit der Digitalisierung schwer tun können. „Aber mir macht das Spaß. Auch, weil ich die Erfolge sehe, die dahinter stehen.“ Einwände, dass es viel Mehrarbeit sei, will sie nicht gelten lassen. „Wenn das alles automatisiert ist, dann geht das.“ Spart Digitalisierung Geld? „Ich würde sagen, das ist schwer messbar. Aber auf lange Sicht kann man nur damit gewinnen“, ist sie überzeugt.