LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Mit Privatflugzeugen im Rahmen der „Memorial Hans Gutmann Rally“ bis nach Israel und Bosnien

Irgendwie kennen wir das: Jean „Jängi“ Birgen, erfahrener Pilot mit mehr als 3.500 Flugstunden, kommt total ins Schwärmen, als er uns in der Redaktion erzählt: „Ein superflottes Land, mit ganz feinen Leuten!“ Diese Zeilen sind drei Jahre alt und bezogen sich damals auf Georgien. In diesem Jahr galt die schwärmerische Begeisterung dem deutlich näher liegenden Bosnien-Herzegowina. Auch den anderen Satz kennen wir: „Ich kann nicht schreiben, ich will’s euch lieber erzählen“. Der Unternehmer im Unruhestand und langjährige Präsident der luxemburgischen Privatflieger könnte seine Fliegergeschichten durchaus aufschreiben, so anschaulich wie er erzählt.

18 Maschinen, 5.000 Kilometer

Thema unseres Gesprächs war die diesjährige „Memorial Hans Gutmann Rally“ eine Flugrallye vom 13. bis 23. Juni, für ein- und zweimotorige Privatflieger zu der sich jährlich Piloten aus etlichen europäischen Staaten zusammenfinden, um einen mehrtägigen Rundflug durch verschieden Länder zu unternehmen - die nicht unbedingt in Europa liegen müssen. In diesem Jahr sollte es über Kleinasien bis nach Nordafrika gehen - sollte. Murphy’s law: Irgendwas geht immer schief.

Wie immer war es die Politik oder besser gesagt miteinander streitende Verwaltungen, die den Flugplan über den Haufen warfen. Wie in der schlechten alten Zeit stellten sich Grenzübertritte als äußerst heikel heraus. Ein Beweis, dass das große persönliche Anliegen von Jängi Birgen berechtigt ist. Sein Thema ist „Schengen“, der Ort, der Wein, das Abkommen und vor allem das problemlose Reisen über Grenzen hinweg. Im Gepäckraum seiner Maschine findet sich immer bester Schengener Wein für die jeweiligen Gastgeber - kein Wunder, dass seine Expeditionen auch von Tourismusminister Lex Delles unterstützt werden.

Im Gegensatz zu 2016, wo man Istanbul noch meiden musste, trafen sich die 86 Flieger und Mitflieger mit ihren 18 Maschinen aus genauso vielen Ländern in der europäisch-asiatischen Metropole zum Start ihrer 5.000 Kilometer langen Tour. Geplant war in Etappen Richtung Süden zu fliegen, mit dem ägyptischen Hurghada als Wendepunkt. Aber die Gegend ist bekanntermaßen politisch heikel…

Von Istanbul zur türkischen Südküste, um noch einmal zu tanken, rüber nach Zypern und dann nach Haifa in Israel. Dumm nur, dass die Zyprioten, zumindest die offiziellen, die Türkei nicht mögen. Schließlich ist der Norden immer noch türkisch besetzt. Keine Direktflüge von der Türkei in die Republik Zypern! Gut, man will nicht unmenschlich sein: Wer seine kleine Einmotorige auftanken muss, darf landen und Sprit bunkern - muss aber wieder „abschwirren“. Keine dauerhafte Einreise.

Je nach Motorisierung reicht eine Tankfüllung für vier bis acht Flugstunden was einer Strecke von rund 600 nautischen Meilen, etwa 1.000 km, entspricht.

Ein Tiefpunkt als Höhepunkt

Im israelischen Haifa begann dann der touristische Teil der Tour. Bei einem dreitägigen Stop-over lernte man einiges vom Land kennen, natürlich auch Jerusalem. Dann folgte der absolute Höhepunkt - es ging ganz weit runter. Ab einem bestimmten Punkt liefen die Instrumente in den Cockpits rückwärts. Verkehrte Welt? Einfache Erklärung: Die Rallye machte Station in Masada am Toten Meer, auf dem tiefstgelegenen Flugplatz der Welt: 398 Meter unter Normal Null, einfacher gesagt fast 400 Meter unter dem Meeresspiegel!

Nach Israel zu fliegen war schon eine administrative Herausforderung, das Land ist in einem permanenten Alarmzustand. Aber Flieger kennen normalerweise einen, der einen kennt.

Gleiches sollte für die nächste Etappe gelten, vom israelischen Eilat über den Sinai nach Hurghada in Ägypten - sollte! Die ägyptischen Behörden hatten zu langsam reagiert und die Grenze war dicht - obwohl Birgen, wie üblich, auch in Ägypten jemanden kannte. Zitat: „Ohne Freunde und Bekannte ist so eine Flug-Rallye gar nicht zu organisieren!“

Zu neuen Zielen

Stattdessen ging es, je nach Flugzeugtyp via Zypern oder Kreta, in einem langen Flug auf den Balkan. Das neue Ziel der 18 Flugzeuge war Bihac in Bosnien Herzegowina. Hier machte die Truppe für drei weitere Tage Station und genoss das Land und seine Natur. Mit, siehe oben, allerbesten Erfahrungen rund um die bosnische Gastfreundschaft. Natürlich den Wein aus Schengen als Gastpräsent dabei.

Es wartete noch ein ganz besonderer Leckerbissen auf die Rallye-Teilnehmer: Željava - eine unterirdische Basis der früheren jugoslawischen Luftwaffe, erbaut zwischen 1957 und 1970.

„Europas größter Flugzeugstollen bot bis zu 80 MiG-21 Kampfjets Platz. Die drei Start- und zwei Landebahnen waren sternförmig angelegt, sodass stets mehrere Flugzeuge gleichzeitig abheben konnten. Die drei Stollen waren insgesamt ca. 3,5 Kilometer lang. Dort wurden die Flugzeuge geparkt, getankt und gewartet.“ Leider ist die Anlage im Rahmen der Bürgerkriege in Jugoslawien unbrauchbar gemacht worden und wird heute von der bosnisch-kroatischen Staatsgrenze durchschnitten. Ein Unding für den Europäer Birgen: „Man könnte eine Startbahn wieder flott machen, das wäre ein echter Gewinn für den Tourismus in diesem wunderschönen Land!“

Zurück in Schengenland

Die letzte Station der Rallye, kaum eine Flugstunde entfernt, lag dann schon in „Schengenland“ im slowenischen Portoroz, wo es einen winzigen Sportflughafen direkt an der kroatischen Grenze gibt. „Der Anflug ist ein bisschen komisch, man sinkt entlang der kroatischen Berge und erst bei der unmittelbaren Landung ist man in Slowenien.“ Hier trennten sich die Fliegerfreunde.

Nach der Rallye ist vor der Rallye - Jängi Birgen plant schon wieder.