LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Staatsanwaltschaft fordert neun Monate Haft für Angeklagte

Ein ganzes Jahr lang soll eine 53-Jährige ihren Ex-Mann und seine Freundin belästigt und bedroht haben. Auslöser für den Prozess waren mehrere Vorfälle, die sich ab Mai 2016 in Mamer abgespielt haben. Dagegen konnte sich der Mann nur rechtlich wehren.

Am gestrigen Freitag stand die 53-jährige Frau vor Gericht. Ihr wird von der Staatsanwaltschaft „unbefugtes Nachstellen“ ihres Ex-Mannes und dessen Freundin vorgeworfen. Sie soll ihren Ex-Mann (50) und seine Freundin immer wieder mit Anrufen und Textnachrichten privat und am Arbeitsplatz belästigt haben.

Bis zu 259 Anrufe an einem Wochenende

Laut Anklage rief sie ihren Ex-Mann an einem Wochenende bis zu 259 Mal an. Sie habe über ihre zwei Kinder reden wollen, sagte die Frau. Einmal wurde sie gar gewalttätig. Der Beschuldigten werden mehrfache Sachbeschädigungen vorgeworfen. So soll sie unter anderem eine Märklin-Eisenbahn im Haus ihres Ex-Gatten zerstört haben. In einer Nebenklage fordert der Mann das Geld (4.000 Euro) für die Mini-Eisenbahn zurück.

Außer der Zerstörung der Märklin-Eisenbahn räumte die Angeklagte sämtliche Vorwürfe ein und zeigte sich reumütig. „Es tut mir leid, so etwas passiert nicht mehr“, meinte sie. Sie sei komplett verzweifelt gewesen. Wegen der Kinder hätte sie nicht mehr „ein und aus“ gewusst.

Die Staatsanwaltschaft will, dass die Frau den Ex-Mann und seine Freundin nicht mehr belästigt. „Wenn Sie dagegen verstoßen, fangen wir wieder von vorne an und dann wird die Strafe wesentlich härter als in diesem Verfahren.“

Schließlich sind beim Stalken die Grenzen fließend, beim Verstoß gegen juristische Verfügungen aber nicht. Wegen der Vorgeschichten könne man bei der Angeklagten keine günstige Sozialprognose erkennen, fand die Staatsanwältin und beantragte eine Haftstrafe von neun Monaten ohne Bewährung sowie eine Geldstrafe. Möglichkeiten, diese Strafe zur Bewährung auszusetzen, sah sie keine.

„Sie müssen Ihr Verhalten ändern und das in den Griff kriegen“, sagte der Richter an die Angeklagte gerichtet.

Beim Stalking geht es um mehr als romantische Besessenheit: Laut Artikel sechs des Strafgesetzbuches sind Freiheitsstrafen von acht Tagen bis zu einem Jahr und eine Geldstrafe für jene vorgesehen, die freiwillig die Privatsphäre einer Person verletzt haben.

Das Urteil fällt am 15. März.