SIMONE MOLITOR

Der Ton hat geändert. Das Tempo hingegen nicht. Traditionell fällt in der zweiten Septemberwoche der Startschuss für einen regelrechten Marathon an Pressekonferenzen. Auf den Bühnen dieses Landes herrscht prompt wieder Leben, nicht nur auf den politischen, sondern besonders auch auf den kulturellen. Wer sein Programm für die neue Spielzeit nicht vor den Sommerferien vorgestellt hat, tut es jetzt. Etwas hat sich aber geändert: der allgemeine Tenor. Insbesondere in den kleinen Häusern „Théâtre du Centaure“, Kasemattentheater und TOL war dieser in der Vergangenheit stets recht (an)klagender Natur. Sorgen bereiteten die Arbeitsbedingungen. Da das nötige Budget für einen Verwaltungsposten fehlte, musste diese zeitintensive Arbeit ehrenamtlich geleistet werden. Der angestrebten Professionalisierung dieser Strukturen war dies nicht dienlich.

„Ich weiß nicht, ob ich noch lange die Energie und Leidenschaft aufbringe, unter diesen Bedingungen weiterzuarbeiten“, hatte etwa Jules Werner, administrativer Leiter des Centaure, noch bei der Saisoneröffnung 2018/19 gesagt. Bei der diesjährigen Vorstellung klang er dagegen zufrieden. Mehr Finanzmittel sind der Grund. Das Kulturministerium hat die Subvention substanziell erhöht, was letztlich die Schaffung eines solchen Postens ermöglicht. Auch eine Erhöhung der Künstlergagen wird angepeilt. Nach jahrelangen Diskussionen habe man endlich Gehör im zuständigen Ministerium gefunden. Die Notwendigkeit einer größeren Unterstützung wurde offensichtlich erkannt. Somit wird der Weg aus „dem administrativen Amateurismus“, wie es Werner formulierte, geebnet. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter den Kulissen und gerade auf administrativer Ebene muss professionell gearbeitet werden können, um diese Vereinsmentalität abzulegen.

Dies sind letztlich die Früchte, die der Kulturentwicklungsplan, der seit September 2018 vorliegt, langsam gedeihen lässt. Das Wachstum dieser Früchte ist aber wiederum stark vom Einsatz und Willen einer engagierten Ministerin abhängig. Diesbezüglich scheint die Kulturszene mit weit mehr Zuversicht in die Zukunft zu blicken, als dies noch vor einem Jahr der Fall war.

Dass Sam Tanson die richtige Person in diesem Amt ist, darüber herrscht kaum Zweifel. Deutlich machte dies auch TNL-Direktor Frank Hoffmann während der Programmvorstellung seines Hauses. Er sprach von einer Kulturministerin, die ihre Arbeit mit viel Engagement und Enthusiasmus angehe. Auch der Seitenhieb auf Tansons Vorgänger war unmissverständlich: „So haben wir das schon lange nicht mehr gekannt“. Mit Verständnis wurde derweil auf die kurzfristige Absage der Ministerin reagiert, die sich wegen ihrer neuen Aufgaben im Justizministerium entschuldigen ließ. Präsenz zeigen, Hände schütteln, in die Kamera lächeln, ist eben nicht alles, viel elementarer ist das, was hinter den Kulissen passiert und konkrete Taten zur Folge hat, die dann auch die nötigen Verbesserungen nach sich ziehen. Bisher ist dies ganz gut gelungen, man darf nur hoffen, dass die - vorübergehende - Ressorterweiterung nicht doch noch ein Abrutschen der Kultur in das Stiefmutterdasein bewirkt. So geschehen immerhin dieser Tage bei der Ressortverteilung in Brüssel, wo die Kulturpolitik künftig scheinbar eine untergeordnete Rolle spielt...