LUXEMBURG
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EY-Studie: Mittelständische Unternehmen setzen auf Wachstum

Globale mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz von einer bis drei Millionen US-Dollar zeigen keine Anzeichen eines verlangsamten Wachstums - trotz der geopolitischen Unsicherheiten. Das ist das Ergebnis des neusten Wachstumsbarometers, den das Beratungsunternehmen EY gestern vorlegte. Über ein Drittel der mittelständischen Unternehmen (34 Prozent) will demnach in diesem Jahr um sechs bis zehn Prozent wachsen. Das ist zum Beispiel deutlich mehr als in den jüngsten Prognosen der Weltbank die weltweite Wirtschaftsleistung (BIP) wächst.

Die positive Einschätzung der Unternehmensleiter ist umso bemerkenswerter als neben geopolitischen Spannungen, einschließlich des Brexit, die Wirtschaft sich zusätzlich neuen Herausforderungen gegenüber sieht wie Automatisierung, Digitalisierung (künstliche Intelligenz) sowie eines Fachkräftemangels. Tatsächlich sieht die überwiegende Mehrheit der Befragten Führungskräfte - immerhin 89 Prozent von ihnen - die heutigen Unsicherheiten sogar als Gründe für Wachstumschancen an. Die technologischen Umbrüche und neue Talente, also Nachwuchs, sehen die Führungskräfte übrigens als die beiden größten Herausforderungen für die mittelständische Vorstandsebene an - und beides wird gleichzeitig als Quelle neuen Wachstums verstanden.

Yves Even, zuständiger Partner für die Abteilung Entrepreneur des Jahres (EoY) - Unternehmertum/KMU und Familienunternehmen bei EY Luxemburg, kommentiert: „Führungskräften mittelständischer Unternehmen nutzen die Technologie, um Talente anzuziehen und an die Unternehmen zu binden, das Wachstum zu beschleunigen, die Produktivität zu verbessern und die Profitabilität zu steigern. Unsicherheit ist die neue Normalität. Obwohl geopolitische Risiken und Handelsbarrieren Einflussfaktoren sind, setzen mittelständische Unternehmen ihre Einstellungspläne um.“

Brexit tut Optimismus keinen Abbruch

Trotz Brexit sind in Großbritannien niedergelassene Start-ups (Unternehmen, die vor weniger als fünf Jahren gegründet wurden) unter allen Unternehmen in den befragten Ländern am zuversichtlichsten. Sie geben für das laufende Jahr ein Wachstumsziel von 26 Prozent an und möchten in den Folgejahren elf bis 25 Prozent wachsen. Ob der Optimismus der Jungunternehmen angebracht ist, werden die zweijährigen Brexit-Verhandlungen zeigen.

Ganz anders hingegen im Land, das Optimismus eigentlich zum Nationalcharakter zählt: Die USA. Etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent) aller Unternehmen dort haben bescheidene Wachstumsziele von unter fünf Prozent, während in den Tigerstaaten China und Indien 42 Prozent der Unternehmen Wachstumsraten von sechs bis zehn Prozent anstreben.

Dass die Automatisierung zu eine Welle von Entlassungen führen könnte, sehen die Unternehmensleiter nicht. Zwar haben bislang nur sechs Prozent der mittelständischen Unternehmen bereits Robotic Process Automation (RPA) für einige Geschäftsprozesse im Einsatz, aber nur 15 Prozent aller Führungskräfte mittelständischer Unternehmen vertreten die Auffassung, dass die Einführung von RPA zu einem Personalabbau führt, und der von wahrscheinlich weniger als zehn Prozent.

Auf makroökoomischer Ebene sehen Führungskräfte mittelständischer Unternehmen den zunehmenden Wettbewerb (20 Prozent) als größte externe Bedrohung für ihre Wachstumspläne an, gefolgt von geopolitischer Instabilität (17 Prozent) und Kreditkosten und Kreditverfügbarkeit (zwölf Prozent). Diese Bedrohungen wurden als weitaus bedeutender angesehen als der finanzielle Gegenwind durch steigende Zinsen (acht Prozent),