DUBAI
INGO ZWANK

Wenn das Öl einmal ausgeht: Wie sich Dubai auf die Zukunft samt Expo 2020 vorbereitet

Wenn man auf Sand gebaut hat, dann war die Sache umgangssprachlich oft nicht so erfolgreich. Doch Eishockey und Skifahren im Wüstensand? Kein Problem in Dubai, der Expo-Stadt 2020, wo bekanntlich auch Luxemburg mit seinem Ausstellungspavillon präsent sein wird. In Dubai begann eigentlich alles im Jahr 1966 - wortwörtlich im Sand. „Ein Meilenstein in unserer Geschichte - da wurde im Dubai-Fateh-Feld Öl gefunden“, erklärt der 28-jährige Reiseführer Cebrail in einem fast perfekten Deutsch. Cebrail begleite uns auf Fahrt durch die Wüstenstadt, er hat er in Deutschland studiert. Aktuell verdient er sich während eines Jobwechseln etwas Geld hinzu, wie er freimütig erzählt.

Expo: „Opportunity, Mobility and Sustainability“

Ab 1971 ging alles dann ganz schnell, sagt Cebrail: „Die Vereinigten Arabischen Emirate wurden als Sicherheits- und Wohlfahrtsgemeinschaft gegründet“ und 1979 wurde bereits das Dubai World Trade Centre eingeweiht. „Es ist der erste Wolkenkratzer der Stadt, der den Anfang einer Reihe recht ehrgeiziger Architekturprojekte bildet. Heute zählt Dubai zu den Städten mit den meisten Wolkenkratzer“, es sind bereits über 300, wie Cebrail weiß. Ganz zu schweigen vom bekannten „Burj Khalifa“, der vier Jahre nach der Regierungsübernahme von Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum 2010 eingeweiht wurde. Das ist jener Scheich, der vor einiger Zeit auch in Luxemburg Schlagzeilen anderer Art machte, als er den Fitnesscoach seiner Tochter wegen angeblicher Entführung mittels Interpol-Haftbefehl verhaften ließ.

Doch zuerst in die Wüste: Das kleine Emirat am persischen Golf hat ein existenzielles Problem. Mit neuen, von Finanzexperten sowohl als teils überflüssig als auch als wahnsinnig beschriebenen Bauprojekten will Dubai eine gewisse Stärke und damit verbundene Position demonstrieren - und neue Finanzquellen eröffnen. Denn in Kürze wird hier in der Wüste das Erdöl ausgehen. Schätzungen sprechen von 2030. Bis dahin muss ein neues (Tourismus-)Konzept herbei, sonst wird es düster - oder trocken - am Golf.

Ein neuer Repräsentationspunkt ist die anstehende Weltausstellung. Den Zuschlag für die Weltausstellung 2020 erhielten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) im November 2013. Damit wird die Expo in der äußerst sauberen Stadt Dubai zum ersten Mal in der Region Naher Osten, Nordafrika und Südasien stattfinden. „Die Expo 2020 hat sich zum Ziel gesetzt, an die Tradition der Weltausstellungen anzuknüpfen und die Erfindungen und Innovationen sowie den globalen Zeitgeist zu erfassen“, wie es offiziell von den Organisatoren heißt - was Cebrail genau so offiziell an die Touristen weitergeben muss. „In einer Zeit von beispiellosen wechselseitigen Abhängigkeiten ist partnerschaftliche Zusammenarbeit für die Veranstalter der Schlüssel zu Fortschritt und Wohlstand. Im Zentrum der Expo stehen die Themen ‚Opportunity, Mobility and Sustainability‘, die den zukünftigen Fortschritt erst ermöglichen werden“, wie Cebrail aus der Expo-Broschüre vorträgt. Eine Art Hilferuf des Emirats? Man wird sehen...

Sehen konnten wir auch das neueste Prunkstück in Dubais Skyline, das als eine „gigantische Errungenschaft der Ingenieurskunst“ gilt, wie der Reiseführer durchaus etwas mit stolzgeschwellter Brust erklärt.

Neues Highlight: Ein Bilderrahmen

Der „Dubai Frame“ im Zabeel Park wurde im Januar 2018 eröffnet und steht sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen ganz oben auf der Liste der Attraktionen, die es unbedingt zu besuchen gilt - dies natürlich auch mit Blick auf die anstehende Expo. Im „Bilderrahmen“ können Besucher in 150 Metern Höhe die gesamte Stadt überblicken. „Die Altstadt Deiras, die Ufer des Arabischen Golfs, die Dünen der arabischen Wüste und die Wolkenkratzer der Dubai Marina, alles kannst Du von da sehen“, sagt Cebrail. Das Einzigartige am „Dubai Frame“ ist die moderne Glasbrücke. Die 25 Quadratmeter verglaste Fläche ist Bestandteil der 93 Meter langen Brücke, die die beiden Türme miteinander verbindet. Da kann einem schon etwas schwindelig werden... neben der Superlative „immer noch etwas höher hinaus“ am Golf.