LUXEMBURG
JOS BOURG

Was Protransplant.lu-Präsident Jos Bourg fordert

Jos Bourg, Präsident von Protransplant.lu, setzt sich für die Aufklärung zum Thema Organspende in Luxemburg ein. Selbst mit einer neuen Leber beschenkt, engagiert der 69-jährige sich jetzt als Dankeschön an die Gesellschaft für die Organspende. Neben mehr Aufklärung liegt der Organisation auch die politische Unterstützung am Herzen, die weiter ausgearbeitet werden muss.

„Wenn wir uns mit der Förderung der Organspende befassen, stellen wir leider fest, dass die Spenderbereitschaft oft immer noch sehr gering ist, was aber auch am politischen Willen liegt, Sachen durchzusetzen. Wie beispielsweise, dass endlich das ‚DSP‘ eingeführt wird, das ‚dossier de soins partagé‘, in dem endgültig geklärt werden würde, ob eine Person Organspender ist oder nicht. Außerden werden unsere Krankenhäuser zurzeit verpflichtet eine ‚personne de référence‘ zu benennen, die sich um Fälle kümmert, die am Hirntod verstorben sind und eine Akte anlegt, in der festgehalten wird, ob die Personen explantiert wurden oder nicht. In Fällen, in denen nicht explantiert wurde, werden die Gründe beigefügt. Unseres Wissens nach sind diese Personen, obwohl das Gesetz bereits seit einem Jahr besteht, noch nicht ernannt worden. Trotzdem tut auch niemand etwas dagegen. Ein weiterer Punkt, der uns sehr am Herzen liegt, ist dass wieder in Luxemburg Transplantationen durchgeführt werden sollten. Wenn es beispielsweise um Nierentransplantationen geht, gibt es in verschiedenen Krankenhäusern Teams, die dafür geschult sind und auch das nötige Material haben. Würden solche Operationen auch hier durchgeführt werden, hätte dies womöglich auch einen Einfluss auf die Spenderbereitschaft der luxemburgischen Bevölkerung, da es die Prozedur weniger anynom machen würde. Die Menschen würden so vielleicht eher merken, dass damit auch kranken Personen in Luxemburg geholfen wird. Gesundheitsminister Etienne Schneider hat durchaus einige Hausaufgaben in diesem Bereich gemacht und wir haben aber natürlich auch die Hoffnung, dass die neue Ministerin die Projekte weiterführen wird, aber bisher wurde eben leider noch nichts finalisiert.

Das Manko an Spenderbereitschaft liegt aber auch immer noch an einem Mangel an Aufklärung. Nehmen wir wieder das Beispiel des Hirntodes, so wissen viele Leute nicht so recht, was es damit auf sich hat. Ein Mensch, der einen Hirntod erleidet, ist tot. Die Angst, bei der Explantation erst tatsächlich zu sterben, ist demnach unberechtigt. Wenn die Organe nach dem Hirntod nicht geschenkt werden – die Organspende ist für mich ein Geschenk – wird der Tod vom Neurologen festgestellt und ein Totenschein wird ausgestellt. Wenn es aber zur Explantation kommt, müssen gleich zwei Ärzte den Hirntod feststellen und bescheinigen.

Wenn wir Konferenzen mit Studenten haben, zeigen wir in unserer Präsentation Bilder von einem Gehirn, das durchblutet ist und einem Gehirn, das nicht mehr durchblutet ist, was bei der Aufklärung enorm hilft. Wir merken natürlich auch, dass die Jugendlichen dem Thema generell sehr offen gegenüber sind. Für ältere Altersklassen bleibt das Thema allerdings noch ein Tabu-Thema. Darum, und auch um Angehörigen diese enorme Stressstituation, bei der sie für jemand anderes entscheiden müssen, zu nehmen, ist das ‚DSP‘ so wichtig. Wenn wir so weit wären, dass jeder seine Entscheidung selber trifft, müsste jede einzelne Person sich mit dem Thema auseinandersetzen, damit eben nicht andere nach unserem Tod Entscheidungen für uns treffen müssen.“