LUXEMBURG
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Erster Preis des Nationalen Literaturwerbewerbs geht an Ulrike Bail

Die Würfel sind gefallen, die Jury hat entschieden: Ulrike Bail heißt die diesjährige Gewinnerin des Nationalen Literaturwettbewerbs, der diesmal die beste Gedichtsammlung prämiert. Mit ihrem „statt einer ankunft“ konnte sie die Jury, bestehend aus Lambert Schlechter (Vorsitzender), Claude Bommertz, Sarah Lippert, Tonia Raus und Raoul Walisch, überzeugen. Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert. Der zweite Preis (2.000 Euro) geht an Serge Basso de March für „Petite cosmogonie des poèmes avec jardin“. Mit dem dritten Preis (1.250 Euro) wird Paul Mathieu für „à bord“ ausgezeichnet. Über den ersten Preis in der Kategorie „Junge Autoren zwischen 15 und 25“ (2.000 Euro) darf sich Tom Weber für sein „fluides Herz“ freuen. Seit 1978 organisiert das Kulturministerium diesen Literaturpreis nun schon, um das literarische Schaffen im Großherzogtum zu fördern.

Breite Beteiligung, hohe Qualität

In ihrer Begründung wies die Jury zunächst auf die große Beteiligung an der Ausgabe 2020 hin. Sie sei ein Zeichen dafür, wie weit verbreitet die poetische Praxis sowohl bei Laien als auch erfahrenen Dichtern sei. Andererseits werde auch deutlich, dass sich dieser Wettbewerb unter den Literaturliebhabern Luxemburgs großer Beliebtheit erfreue. Die Jurymitglieder unterstrichen, dass eine große Zahl der eingereichten Manuskripte von poetischer Qualität gewesen sei. Insgesamt waren 67 Typoskripte eingereicht worden, davon 52 in der Kategorie „Erwachsene“ und 15 in der Kategorie „Junge Autoren".
Einstimmigkeit herrschte bei der Wahl der Preisträgerin Ulrike Bail. Lobende Worte fand die Jury für den originellen poetischen Ansatz der Dichterin in ihrem Werk „statt einer ankunft“: „Au fil des arrêts de bus qui scandent deux trajets à travers la ville (...), suivis de deux temps d’arrêts (...), un itinéraire langagier et intime se crée à partir du regard sensible et mordant porté sur l’ordinaire de la ville de Luxembourg. Dans la lignée de la poésie du quotidien, ancrée ici dans une réflexion urbaine sur la mobilité des corps et de la pensée, des détails apparemment insignifiants des arrêts de bus se révèlent propices à la rêverie et création poétiques, dans un style par notations, où domine la distance. Le transport du bus se fond avec le transport du poème, en référence à l’étymologie de la métaphore, convoquée en épigraphe. (...)“.
Serge Basso de Marchs Gedichtsammlung „Petite cosmogonie des poèmes avec jardin“ überzeugte die Jury durch ihre Originalität in Ton und Komposition sowie durch ihre formale Vielfalt. Bei Paul Mathieus „à bord“ gefiel besonders die Form, zusammengesetzt aus einer Reihe von Dokumenten (Postkarten, Fotos, verschiedene Dokumente), die einem belgischen Matrosen gehörten.

Vielversprechendes Talent

Den Preisträger in der Kategorie „Junger Autor“, Tom Weber, möchte die Jury ermutigen, seine poetische Reise fortzusetzen. „La métaphore centrale des fluides file le recueil et se décline au gré d’expérimentations langagières et intertextuelles qui laissent présager un véritable potentiel et épanouissement poétiques“, heißt es.
Die offizielle Preisverleihung des Nationalen Literaturwettbewerb 2020 findet am 8. Dezember um 19.30 im Nationalen Literaturzentrum in Mersch statt. Wegen der Covid-19-Pandemie wird die Zahl der Gäste begrenzt. Die Zeremonie kann jedoch im Livestream verfolgt werden.