LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Zwei luxemburgische Koproduktionen im Kino: „I Will Cross Tomorrow“ und „Chambre 212“

Im Rahmen des Cineworld-Programms des luxemburgischen Film Fund wurde die holländisch-griechisch-französisch-luxemburgische Koproduktion „I Will Cross Tomorrow“ der iranischen Regisseurin Sepideh Farsi mitfinanziert, wobei die Produktionsfirma Tarantula ausführender Produzent war. „Chambre 2012“ von Christophe Honoré („Les chansons d’amour“) wurde von Bidibul Productions koproduziert, mit Lilian Eche als Produzent auf luxemburgischer Seite.

Vage Kost in „I Will Cross Tomorrow“

So richtig warm wird man nicht mit der Geschichte der griechischen Polizistin Maria (Marisha Triantafyllidou), die wegen der Schließung ihres Kommissariats auf die griechische Insel Lesbos versetzt wird. Sie lässt ihre Tochter Daphne (Vaia Kathiotou) bei ihrer Mutter (Lydia Fotopoulou) in Athen zurück. In einem Flüchtlingslager muss sie den Fall des Syriers Yussof (Hanna Issa) behandeln, der sich als Steuermann eine gratis Überfahrt von der Türkei aus sichern konnte. Maria mag den Flüchtling, und so kommt es zu einer Liebesszene in einem Waldstück. Diese Szene ergibt keinen logischen Sinn, außer wenn man sie mit der zuvor gezeigten ähnlichen Situation mit ihrem Kollegen Kostas (Thanassis Dovris) in Verbindung bringt, was Maria als eine leicht zugängliche Frau charakterisiert, die sich einen Dreck um ihre Aufgabe schert. Ihr Privatleben scheint ebenfalls eine einzige Katastrophe zu sein. Schließlich erfährt Maria, dass ihre Tochter vor ein paar Tagen verschwunden ist. Zusammen mit Yussof kehrt sie nach Athen zurück, wo die Suche jedoch erfolglos bleibt.
Zum einen gibt es keine Erklärungen zu den Gegebenheiten im Lager. Als Zuschauer muss man sich alles aus den Fingern saugen, um trotzdem keine Antworten zu finden. Warum nimmt sie im Lager Noura (Shirin Youssefian) Geld ab, ohne irgendwelche Gegenleistung? Und ohnehin benimmt sie sich als Polizistin oft daneben, wie dass sie über dem Fahren nicht angeschnallt ständig telefoniert, davon einmal abgesehen, dass die Zigaretten-Szenen kräftig gegen den Strich gehen. Hier fehlt eine durchdachte Geschichte mit konkreten Figuren, die Stärken und Schwächen haben. „I Will Cross Tomorrow“ zeichnet ein vages Bild einer Situation, die einem bereits vor Ablauf des Abspanns komplett egal geworden ist.

Teils lustige Unterhaltung in „Chambre 212“

Eine weitere Maria (Chiara Mastroianni, die Tochter von Catherine Deneuve und Marcello Mastroianni) liebt außereheliche Affären mit ihren Studenten. Als ihr Mann Richard (Benjamin Biolay) davon Wind bekommt, kriselt es in der 20-jährigen Ehe. Maria zieht kurzerhand ins gegenüberliegende Hotel ins Zimmer 212. In der Nacht tauchen dort ihr Mann im Alter von 25 Jahren (Vincent Lacoste) und dessen Klavierlehrerin Irène (Camille Cottin) auf, die ihn als 15-Jährigen (Kolia Abiteboul) verführt hat. Außerdem werden noch Marias Mutter (Claire Johnston), Irène mit 60 Jahren (Carole Bouquet), Marias Willen (Stéphane Roger) und etliche von Marias Liebhabern (darunter Tommy Schlesser) ins Zimmer einziehen und ein Wörtchen in der Geschichte um die mögliche Trennung von Richard mitreden.
Der Film dreht um Erinnerungen an vergangene Ereignisse und um denkbare Lösungen der Probleme von Maria und ihrem Mann, wie dass Irène ihr Leben mit Richard weiterführen könnte. Anfangs braucht man einen Moment, um ins Spiel mit den „Geistern“ aus der Vergangenheit einzutauchen. Dann machen die vielen originellen Einfälle in den Wendungen des Drehbuchs Spaß, um jedoch gegen Ende des Films abzuflachen. Chiara Mastroianni wurde letztes Jahr in Cannes in der Reihe „Un certain regard“ als beste Schauspielerin ausgezeichnet, wobei man aber bemerken muss, dass ihr Spiel in Ordnung geht, sie aber nichts wirklich Außergewöhnliches leistet.