LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Die luxemburgische Tänzerin Simone Mousset arbeitet für eine Tanzkompanie in Beirut

Nein, ihre Karriere sei nicht geradlinig verlaufen, erklärt die Luxemburger Tänzerin und Choreografin Simone Mousset. Dabei ist dies bei den meisten Kunstschaffenden eher die Regel als die Ausnahme. In der britischen Hauptstadt London absolvierte die junge Luxemburgerin u.a. ein Studium der Balletpädagogik, heute verdient sie ihren Lebensunterhalt als Tanzlehrerin in einer libanesischen Tanzkompanie (siehe Kasten). Wann sie von Tanzvirus befallen wurde, das weiß Simone Mousset nicht mehr so genau. Es sei vermutlich im Alter von zwölf oder 13 Jahren gewesen.

Im Gegensatz zu sehr vielen Luxemburgern begann Simone Mousset ihre Ausbildung nicht an einem luxemburgischen Konservatorium, sondern besuchte eine private Tanzschule in Sandweiler, wo man das Englische als Unterrichtssprache benutzte. Dieses frühe Eintauchen in die englische Sprache sowie das frühe Kennenlernen des Trainingssystems von der Insel machte es der jungen Luxemburgerin vergleichsweise einfach, auf studentischer Ebene in England Fuß zu fassen. Zurzeit und noch bis Ende dieses Jahres lebt und arbeitet die Tänzerin im Libanon für die Caracalla Dance Company in Beirut.

Per Anzeige hatte die Tanzschule aus dem Mittleren Osten in London eine Lehrerin für zeitgenössischen Tanz gesucht. Da die Hochschulabsolventin genau zu diesem Zeitpunkt ohne Engagement da stand und auch kurzfristig kein Auftrag am Horizont sichtbar war, packte sie ihre Koffer und ging das Abenteuer im Mittleren Osten ein. Im Libanon angekommen hieß es dann aber, sie möge doch bitte lieber Ballett unterrichten. Mittlerweile unterrichtet sie jedoch neben dem Ballett auch zeitgenössischen Tanz. Die Hälfte der Schüler käme aus der Ukraine, die andere aus Syrien und dem Libanon, erklärt Simone Mousset. Das Trainieren mit ukrainischen Schülern sei etwas komplizierter, da sich ihr Trainingssystem radikal von jenem unterscheidet, das sie selbst in England studiert habe. Die Libanesen und Syrer hätten mit Trainingsdefiziten zu kämpfen.

Mix aus Ballett und Musical

Des Weiteren bewegt die Caracalla Dance Company sich nicht streng innerhalb des Balletts oder des zeitgenössischen Tanzes: Vielmehr zelebriert die Truppe eine orientalische Mischung aus Ballett und Musical. Mit der Kompanie hatte Mousset bisher Auftritte in Oman und Algerien. Im Dezember läuft ihr Arbeitsvertrag im Libanon aus, ein neues Engagement ist momentan noch nicht in Sicht. Sie könne, so Mousset, beispielsweise eine Masterarbeit verfassen oder sich auf „Auditions“ in London vorbereiten.

In ihrem Heimatland würden ihr unter anderem die nötigen Kontakte fehlen, um ein Engagement an Land zu ziehen, erwidert die Mittzwanzigerin auf die Frage, wieso sie ihre berufliche Zukunft nicht im Großherzogtum sehe. Die äußerst reiselustige und sprachinteressierte Luxemburgerin kann sich durchaus vorstellen, sich zu einem späteren Zeitpunkt in Osteuropa nieder zulassen, wieso nicht in Russland. Mindestens zwei Argumente sprechen dafür: Simone Mousset beherrscht die russische Sprache und ihr Lebenspartner ist… Russe.