LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Éimaischen“ wird digital - „Péckvillchen“ kommt per Post

Eine digitale „Éimaischen“? Was ausnahmslos jeder vor wenigen Worten wohl noch für einen schlechten Scherz gehalten hätte, soll jetzt Realität werden. Ja, derzeit wird vieles, was vor der Ausbreitung des Coronavirus undenkbar gewesen wäre, möglich gemacht. Vieles wurde bereits ins Netz verlagert, und viele weitere Initiativen entstehen gerade. Es scheint, als hätte ganz Luxemburg verstanden, dass diese Krise eben nicht in zwei Wochen überstanden ist und dann alles wieder seinen gewohnten Gang gehen kann.

Das „Comité Alstad“ will deshalb nun tatsächlich eine digitale „Éimaischen“ auf die Beine stellen, um doch noch eine 193. Ausgabe bieten zu können, dann zwar nicht wie gewohnt auf dem „Fëschmaart“ sondern eben virtuell, dies in Zusammenarbeit mit der Luxemburger Unesco-Kommission sowie dem „Centre national de l´audiovisuel“ (CNA) im Rahmen der Feierlichkeiten zu „25 Joer Lëtzebuerger Patrimoine mondial“.

Lebendiges Kulturerbe

„Dat immateriellt Kulturierwen, och gären ,liewegt Kulturierwen´ genannt, lieweg, well déi Mënschen, déi et iwwerhuelen, et als sollecht unerkennen an um Liewen halen; lieweg awer och, well et hinnen e Gefill vun Identitéit a Kontinuitéit vermëttelt. Doduercher gëtt d’Villfältegkeet an der Kultur geuecht an d’Schafensfreed vun de Mënsche gefuerdert a gefërdert. D’Leit halen hiert Ierwen um Liewen an hiert Ierwen dréit zu hirem Liewe bäi - ëmmer erëm op en Neits“, schreibt das „Comité Alstad“ in einer Pressemitteilung, in der es gleichzeitig einen dringenden Appell an alle Leute richtet, die Filme, Videos und Fotos der „Éimaisercher“ in der Altstadt aus früheren Jahren haben, dieses Material dem Komitee zur Verfügung zu stellen. Jeder kann also seinen Beitrag zur „digitalen Éimaischen“ leisten. Selbstverständlich wird das verwendete Material mit Copyright veröffentlicht. Das Ganze kann an folgende E-Mail-Adressen geschickt werden: comite.alstad@pt.lu oder guyjourdain12@gmail.com.

Kein Osterfest ohne „Péckvillchen“

Auch wenn wir in diesem Jahr also auf den richtigen Besuch der „Éimaischen“ verzichten müssen, auch die Nospelter „Emaischen“ wurde bekanntlich abgesagt, heißt das noch lange nicht, dass es keinen „Péckvillchen“ gibt. Auch er ist schließlich eine feste Tradition an Ostern, und es gibt ihn nur in Luxemburg. Die Nospelter „Emaischen a.s.b.l.“ hat auf ihrer Webseite bereits angekündigt, dass die „Péckvillercher 2020“ in nächster Zukunft auf Bestellung zum Verkauf angeboten werden. „Damit auch keiner in der Sammlung fehlt!“, heißt es. Weitere Informationen sollen in Kürze folgen (www.emaischen.lu).

Die Künstlerin Romy Weydert hat ihren „Péckvillchen“ - einen Steinschmätzer, „Broochschësser“ auf Luxemburgisch - übrigens schon fertig gebrannt. Ab sofort kann er bei ihr bestellt werden, wie sie gestern mitteilte. Der Steinschmätzer ist ein Sing- und Zugvogel, der in Europa nur noch spärlich vorkommt und in Afrika überwintert. Als Langstreckenflieger hat er lange Flügel. „Das auffälligste Merkmal beim Männchen ist seine schwarze Maske. Sein Gefieder ist am Bauch hell weißlich, der Scheitel und der Mantel sind grau. Das Prachtkleid des Weibchens ist dem des Männchens ähnlich, aber ohne Augenmaske und mit dunkelbraunen Flügeln und einer beigen Überaugenstreife vor dem Auge“, weiß Romy Weydert. Interessierte können sich bei ihr im Keramikatelier melden (Tel. 36 87 65 oder E-Mail aradia@pt.lu). Der „Péckvillchen“ kommt dann per Post. Und so darf dann auch in diesem Jahr ohne echte „Emaischen“ oder Éimaischen zumindest auf den unterschiedlichen bunten Keramikpfeifen in Vogelform getrillert und gezwitschert werden, damit doch noch ein bisschen was von der Oster-Tradition bleibt. Der Eiersuche steht derweil bekanntlich nichts im Weg.