LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Regierung wünscht sich überall mehr Frauen

Chancengleichheitsministerin Lydia Mutsch (LSAP) und Vizepremier und Wirtschaftsminister Etienne Schneider (LSAP) scheinen in ihren jüngeren Jahren begeisterte Discofans gewesen zu sein, ansonsten sie ihre gestrige Pressekonferenz wohl kaum unter das Motto des, nach „I love America“, zweitgrößten Hits des Discosängers Patrick Juvet gestellt hätten, und zwar „Où sont les femmes?“.

Viele Frauen, doch nicht genug

Bis 2019, so steht es jedenfalls im Regierungsprogramm, sollen nämlich 40 Prozent der Verwaltungsratsposten in öffentlich-rechtlichen Institutionen und in Unternehmen mit staatlicher Beteiligung mit Frauen besetzt werden. Ein ambitiöses Ziel, wie beide Minister gestern eingestehen mussten, müsse hierfür doch noch „an vielen Schrauben gedreht“ werden, wie Mutsch sich ausdrückte. Gefordert wird ein Umdenken in der Gesellschaft; Etienne Schneider machte in diesem Sinne einen dringenden Aufruf an die Privatwirtschaft und an die Sozialpartner, sich an den Anstrengungen zur Mission „Mehr Frauen“ zu beteiligen. Die 40 Prozent seien dann auch nur ein Etappenziel, „aber noch keine Gleichheit“, wie Schneider anmerkte, dem 50 oder sogar mehr Prozent vorschweben.

Chancengleichheitsministeriumnicht länger ein Alibiministerium

Dass die Regierung dabei sei, ihre Hausaufgaben zu erledigen, versuchte der Vizepremier dann anhand einiger aktueller Zahlen zu beweisen, waren zwischen Januar 2014 und März 2015 doch anscheinend unter 208 Nominierungen 78 Frauen dabei, was einem Prozentsatz von 37,5 Prozent entspricht. Auch würden die Nominierungen inzwischen heftig im Regierungsrat diskutiert werden, derweil die Nominierungsvorschläge früher, das heißt bei den vorherigen Regierungen, einfach diskussionslos durchgewunken wurden, wie Schneider aus dem Nähkästchen plauderte. Es komme dann auch öfters mal vor, dass ein Nominierungsvorschlag eines Ministers abgelehnt werde. Frau Mutsch könne hier „ganz schön unerbittlich“ sein, was beweise, dass das Chancengleichheitsministerium definitiv kein Alibiministerium mehr sei.

Dass es nicht an geeigneten Frauen fehlt, die auch Verwaltungsratsposten besetzen können, zeigt indes die Initiative „Female Board Pool“, die mit 36.000 Euro pro Jahr vom Staat konventioniert wird und momentan rund 400 Frauen in ihrer Datenbank hat. Hier können sich Frauen melden, die einen Spitzenposten anstreben; hier sollen sich aber auch Unternehmen melden, die kompetente Frauen suchen.

Rund 400 Spitzenfrauen in Datenbank

Wie die „Female Board Pool“-Koordinatorin für Luxemburg, Rita Knott, gestern unterstrich, umfasse die Datenbank die unterschiedlichsten Profile, wobei 40 Prozent der hier vertretenen Frauen aber aus dem Industrie- und Handelssektor kommen würden, und 20 bis 30 Prozent aus dem Finanzsektor.

Auch die Regierung selbst hat bereits auf die Datenbank zurückgegriffen, so zuletzt bei der Besetzung von zwei freien Posten im Verwaltungsrat des Staatslaboratoriums. ;

Man darf gespannt sein, ob die 40 Prozent bis zum Ende der Legislatur erreicht werden.
www.mega.public.lu
www.female-board-pool.com