LUXEMBURG
COLETTE MART

Derzeit werden in der Politik und in den Medien die verheerenden Auswirkungen der Krise auf die Jugend, die Betriebe und Freischaffende diskutiert. 
Es gibt jedoch ebenfalls Presseberichte, die den eher unsichtbaren Menschen gewidmet sind, wie zum Beispiel sogenannten „Illegalen“, Opfern von Menschenhandel oder Sexarbeiter, die durch die Pandemie in die Prekarität gestürzt wurden.
So berichtet zum Beispiel „Médecins du Monde“, dass in Luxemburg immer noch Menschen auf der Straße sterben können, weil viele vom Gesundheitssystem ausgeschlossen bleiben. Im Rahmen der Pandemie verloren viele, die im Restaurationsbereich „illegal“ arbeiten, und demnach keine Sozialversicherung haben, ihre Arbeit und ihre Einkünfte, und waren der völligen Mittellosigkeit ausgesetzt.  
Ihre Kinder sind bei uns eingeschult, und Lehrer und Erzieher sollten demnach in diesen Zeiten unbedingt eine Sensibilität dafür entwickeln, dass es Kinder gibt, die die existentiellen Sorgen ihrer Eltern in sich tragen.
Auch für Sexarbeiter war die Pandemie und die damit verbundene Ausgangssperre eine schwierige Zeit.
Allgemein brachte die Pandemie die Misere und die Prekarität von Menschen ans Licht, die im Geschäft mit dem Sex arbeiten und auch oft Opfer von Menschenhandel sind.
So stellte sich zum Beispiel heraus, dass Tausende junge Nigerianerinnen, die von Menschenhändlern in Italien in die Prostitution gezwungen wurden, oft nachdem sie eine gefährliche Mittelmeerfahrt überlebt hatten, während der Pandemie völlig mittellos sich selbst überlassen wurden. Man habe sie regelrecht dem Hunger ausgeliefert, und viele mussten sich ohne jegliche Einkünfte mit Kindern durchschlagen. Während Italien in der Pandemie den großen Verdienst hatte, hundert Tausende Erntearbeiter zu legalisieren, bleiben Sexarbeiterinnen am Rande der Gesellschaft. Glücklicherweise mobilisieren aber NGOs für das Schicksal dieser Frauen und Mädchen, denn es ist nicht selten, dass Dreizehnjährige der Prostitution ausgeliefert sind und hohe Schulden an ihre Zuhälter zahlen müssen.
Es wurde mittlerweile bekannt, dass in Italien junge Prostituierte nur noch durch die Suppenküchen von NGOs überleben.
Hunger und Obdachlosigkeit sind demnach die Folgen der Pandemie für diese Frauen, die ihre Miete nicht mehr zahlen können, und die auch ihre Zuhälter nicht mehr interessieren, da sie kein Geld mehr einbringen.  
In Italien halten sich schätzungsweise 55.000 ausländische Prostituierte ohne Papiere im Land auf.
Die Schließung der Bordelle in Deutschland hat dazu geführt, dass sich die Prostitution in private Wohnungen verlagert, und Frauen, die normalerweise in Bordellen arbeiten, gehen jetzt trotzdem wieder auf die Straße. Die Preise für eine Sex-Dienstleistungt sinken, 30 Euro werden von Freiern oft schon als zu viel angesehen.
Die Folgen der Pandemie stellen uns demnach als europäische Gesellschaft vor unsere humanitären Verantwortungen. Dort, wo es einen „Markt“ für kleine Mädchen aus Nigeria gibt, sollten wir uns ernsthaft Fragen über uns selber und unsere Werte stellen, und über das Bild, das wir als Europäer der ganzen Welt vermitteln.