MICHEL TURK

Das Befahren der Standspur auf den Autobahnen durch die Motorradfahrer in einer Stausituation sowie die daraus resultierenden Diskussionen in den sozialen Medien greift Michel Turk, Vize-Präsident der „Fédération Internationale de Motocyclisme Europe (FIME)“ auf, um aus Sicht der Biker einige Dinge zu erläutern und klarzustellen.

„In den Sommermonaten fahren viele Pendler aus den Nachbarländern mit dem Motorrad nach Luxemburg, dies um Staus zu vermeiden, um etwas zugiger am Arbeitsplatz zu sein und auch um leichter einen Parkplatz zu finden. Somit tragen sie natürlich dazu bei, dass es ein bisschen weniger Staus auf unseren Straßen gibt; ein Motorrad braucht weniger Platz als ein Auto. Ohnehin sitzt meistens nur eine Person in einem Auto, das Motorrad ist beim Personentransport effizienter. Somit sei eine Diskussion, ob ein Motorradfahrer auf der Autobahn bei Stau oder gar bei zähfließendem Verkehr, in der Mitte der Autos auf den beiden Autobahnspuren durchfahren kann oder soll (zurzeit ist dies gemäß unserer Straßenverkehrsordnung nicht gestattet ist), erlaubt. Auch sollte man Überlegungen anstellen, ob man zu gewissen Tagesstunden; so zum Beispiel von 7.00 bis 9.00 und von 17.00 bis 19.00, den Motorradfahrern das Befahren der Pannenspur erlauben soll.

Hierfür braucht es eine im Gesetz verankerte Regelung, zudem müssen Standspuren für das Befahren instand gesetzt werden, dazu kommt noch eine regelmäßige Säuberung dieser ‚dritten‘ Spur. Hinzu kommt noch eine elektronische Beschilderung, die an besagten Zeiten die Spur freischaltet. Als Beispiel gilt hier die A3 um den Frankfurter Flughafen, wo bei hohem Verkehrsaufkommen auch die Pannenspur für den Verkehr an bestimmten Zeiten freigegeben wird.

Seit 1999 arbeite ich hinsichtlich dieser Problematik mit dem deutschen Automobilclub ADAC zusammen, dies auch in meiner Eigenschaft als Vize-Präsident der FIME. Die FIM-Europe ist der Zusammenschluss von 47 Ländern aus Europa sowie einigen Ländern außerhalb dieses Kontinents. Zudem bin ich seit 2009 Mitglied der ‚Groupe de travail motocycliste‘ beim MDDI, unserem ‚Transportministerium‘. Seit vielen Jahren arbeitet die FIM sowie die FIM-Europe eng mit Experten für die Motorradsicherheit im Straßenverkehr in der ganzen Welt zusammen. Das Thema zur Befahrung der Pannenspur durch die Motorradfahrer ist auch Gegenstand der ‚Road-Safety Conference‘, die jedes Mal anlässlich des FIM-Kongresses stattfindet. Zudem sind der europäische sowie der Weltverband der Motorradfahrer (FIME und FIM) bei der EU in Brüssel präsent.

Das Thema um die Befahrung der Pannenspur ist nun auch in Luxemburg losgetreten, es wäre an der Zeit, alle Beteiligten sowie ausländische Experten für ein Rundtischgespräch zusammenzuführen.“