Die Rüstungskonzerne Krauss-Maffei Wegmann, bekannt für seinen „Leopard 2“ und Nexter Systems, Bauer des „Leclerc“, fusionieren zum deutsch-französischen Panzerriesen. Nachdem gestern in Paris erstmal die Panzerschmiede für neue Rüstungsprojekte geschaffen wurde, könnte also der „Leo 3“ schon „Made in Europe“ sein. Die Entwicklung eines neuen Kampfpanzers für Deutschland und Frankreich - beides potenzielle Kunden - ist in Vorbereitung, Anforderungen an einen Nachfolger für den 36 Jahre alten „Leopard 2“ für die Zeit nach 2030 sind bereits besprochen.
Als „Newco“ wollen der deutsche Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und sein bisheriger französischer Konkurrent Nexter Systems die Basis für einen neuen Rüstungsriesen in Europa legen. Mit der Fusion kommen die dann neuen Partner aus München und Paris auf etwa zwei Milliarden Euro Umsatz und zusammen rund 6.000 Mitarbeiter.
Vor einem neuen Projekt wie einem „Leopard 3“ geht es den Beteiligten zunächst um den Bestand. Die Fusion sichere Arbeitsplätze, heißt es. So sei es nicht beabsichtigt, an Fertigungskapazitäten oder Standorten etwas zu ändern. Das dürfte ein Grund sein, warum Betriebsräte die Fusion weitgehend ruhig begleiten.
Rüstung europäisch standardisieren
28 EU-Staaten haben eigene Waffensysteme und kaufen separat ein. Da jeder für sich plant, bedeutet das höhere Kosten wegen niedrigeren Stückzahlen, mehr Bürokratie bei der Zulassung. Für den hybriden Krieg der Zukunft brauche Europas Rüstungsindustrie eine Konsolidierung, stellte vor einigen Monaten eine Studie der Beratergesellschaft McKinsey fest. „Während es in den USA bei fast allen Waffenarten maximal drei Anbieter gibt, sind es in Europa bis zu 14“, so deren Fazit. Nach Angaben des schwedischen Friedensforschungsinstituts SIPRI in Nordafrika nahmen die Militärausgaben von 2005 auf 2014 um 144 Prozent zu, in Zentralamerika und der Karibik um 90 Prozent. Als Ziel gilt dem neuen deutsch-französischen Unternehmen nun die Vorgabe, Rüstung europäisch zu standardisieren. Versuche, etwa beim Kampfpanzer 90, sind gescheitert, am Ende stand kein gemeinsames Projekt.
„Newco“ verspricht mehr Chancen für alle Beteiligten, durch Synergien zu sparen. Die bisher bei KMW und Nexter Systems sitzenden Experten sollen in den kommenden Jahren alles abklopfen. So stellt Nexter zum Beispiel Munition her, KMW dagegen nicht. KMW wiederum baut taktische Brücken, was Nexter nicht macht. KMW hat nach eigenen Angaben rund 3.500 Mitarbeiter weltweit, Hauptsitz ist München. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei etwa 750 Millionen Euro. Nexter Systems gehört zum französischen Rüstungskonzern Nexter Group. Das Unternehmen mit rund 3.300 Beschäftigten hat 2014 in der Gruppe einen Umsatz von etwa 1,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. Für eine rein nationale Fusion von KMW mit etwa Rheinmetall in München galten letztere als „zu dicke Braut“. Europäische Partner bräuchten Augenhöhe etwa bei Größe und Marktpräsenz. Noch unter der Hand wird aber auch eine Erweiterung nicht ausgeschlossen. Interessierte Blicke gehen zu Italienern oder Finnen, aber auch nach Großbritannien mit der BAE-Sparte Landsystems. Deutsche und Franzosen wollen dem neuen Unternehmen eine starke Position im globalen Wettbewerb geben, der auch von bei schrumpfenden nationalen Verteidigungsbudgets geprägt wird.
Sorge um Exportkontrollen
Kartellbehörden - auch in Kundenländern - müssen das Rüstungsprojekt noch abnicken. Das scheint für die bald ehemalige KMW ungleich schwerer. Der „Leopard-2“ rasselt immerhin durch 17 Staaten. Vom „Leclerc“ ließen sich - neben den Franzosen selbst - nur die Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate überzeugen.
Die deutschen Grünen fürchten, dass durch die geplante Fusion deutsche Rüstungsexportkontrollen umgangen werden könnten. Der Zusammenschluss dürfe „unter keinen Umständen dazu beitragen, dass über Umwege noch mehr deutsche Waffen in Länder gelangen, die die Menschenrechte mit Füßen treten“, sagte die verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen, Agnieszka Brugger. „Die strengen deutschen Exportvorschriften gelten unvermindert weiter“, sagte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Tobias Dünow, in Berlin. Es sei nicht davon auszugehen, dass eine Debatte über eine Harmonisierung der Vorschriften in Europa dazu führen werde, die restriktiven deutschen Vorgaben für Rüstungsexporte zu lockern. Für jede Zulieferung und jeden Technologie- sowie Know-how-Transfer eines deutschen Unternehmens ins Ausland gelten laut Dünow die deutschen Rüstungsexportvorschriften: „Und daran wird sich auch nichts ändern.
Waffengeschäft boomt in Nordafrika
Nach Angaben des schwedischen Friedensforschungsinstituts SIPRI wuchsen die Militärausgaben von 2005 auf 2014 am stärksten in Nordafrika, wo sie um 144 Prozent zunahmen, in Zentralamerika und der Karibik stiegen sie um 90 Prozent. In Nordafrika summierten sich die Militärausgaben letztes Jahr auf 627 Milliarden US-Dollar, in Ostasien waren es 309 Milliarden, in West- und Mitteleuropa 292 Milliarden. Deutschland exportierte laut Defense News 2014 Waffen im Wert von vier Milliarden Euro, Frankreich für rund acht Milliarden Euro.


