Schlimmer kann es nicht mehr werden - dachte der Autor dieser Zeilen. Er sieht sich getäuscht. Die noch in der gestrigen Ausgabe des „Journal“ geäußerte Hoffnung, dass sich der unsägliche Donald Trump in der gestrigen Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten mit seinem Mundwerk ins Abseits schießt, wurde getäuscht. Objektiv war sein egomanischer Auftritt unsäglich, aber hat es ihm geschadet? Offensichtlich nicht. Selbst seine verweigerte Zusage im Falle eines Falles einen anderen - bei den Wählern erfolgreicheren - Republikaner zu unterstützen, stieß nur die vor den Kopf, die ihn auch schon vorher für die Pest gehalten haben. Warum soll sich Donald, der stolz ist, kein Politiker zu sein, mit einem Politiker solidarisieren? Das sehen seine Jünger genauso, der Milliardär mit dem blonden Bürzel soll endlich dem Washingtoner Establishment in den Hintern treten. Für große Teile der republikanischen Basis gehören auch die anderen Kandidaten ihrer Grand Old Party zu dieser Clique, die am Potomac regiert. Sorry, dazu kann man aber nur eins sagen: Blödheit und Paranoia sind nicht heilbar. Erinnert sei an die McCarthy-Tribunale, den Wahn Richard Nixons, der ihn das Amt kostete, die hysterische Angst der Rechten vor Cuba und das Ende vieler Bürgerrechte nach 9/11.
Dass die Paranoia bis hinunter in die kleinste Dienststelle regiert, machte in dieser Woche ein völlig bizarrer Fall deutlich. Da wurde eine deutsche Abiturientin, die die Zeit zwischen Schule und Studium bei ihrer amerikanischen Cousine verbringen wollte, mit dem Spruch „Niemand macht vier Monate Urlaub“ bei der Einreise festgehalten. In der Folge wurden einfach mal ihre Facebook-Chats durchleuchtet. Dort stand die Ungeheuerlichkeit , dass sie auch die Kinder ihrer Cousine hüten könne - prompt wurde die „illegale Arbeitsimmigrantin“ mit dem nächsten Flugzeug zurückgeschickt. Völlig krank, aber kein Einzelfall.
Wer in God’s own country einreisen will, muss sich trotz angeblicher Visafreiheit, per ESTA sowieso gefühlt bis auf die Unterhose ausziehen. Für Journalisten gibt es keine Visafreiheit. Da diese immer arbeiten, so die verquere US-Logik, müssen sie immer ein Arbeitsvisum beantragen. Es gibt Kollegen, die aus bitteren Erfahrungen heraus die USA von ihrer Reiseliste gestrichen haben. Fingerabdrücke und biometrische Fotos von jedem einreisenden Ausländer zu nehmen, sind auch kein Zeichen von Gastfreundschaft. An dieser Stelle kann man den rechten Freunden von adr bis CSU, die so gerne wieder Grenzkontrollen hätten, nur sagen, dass der ganze Quatsch - inklusive Zugriff auf alle Daten ihrer Bürger - den US-Behörden nichts nützt. Die Kriminalitätsrate der USA ist verheerend hoch.
Genau hier beißt sich die republikanische Katze in den Schwanz. Wer für freien Waffenbesitz plädiert, muss damit leben, dass die Dinger auch von bösen Buben benützt werden, also rüstet auch der brave Bürger auf. Ebenso die Polizei. Dann heißt es: Erst schießen, dann fragen. Bevorzugt auf Schwarze und Latinos.
Dann kommt Schmalztolle Donald Trump daher und verkündet, dass alle Mexikaner Vergewaltiger sind und man nur hart genug durchgreifen müsse - und Joe Redneck glaubt dem Idioten auch noch.


