PARIS/LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die Fondation Biermans-Lapôtre bietet Studenten aus Luxemburg eine besondere Bleibe an der Seine

Lëtzebuerger Journal

Die Fassade ist beeindruckend: Ein mehrstöckiger Backsteinbau mit Türmchen und einer Uhr in der Mitte der Fassade, hinter der sich im Erdgeschoss ein lichtdurchfluteter Saal für 400 Gäste samt Flügel verbirgt. Das, was nach einem gewaltigen Herrenhaus aussieht, ist tatsächlich ein Studentenwohnheim – und zwar für Luxemburger und Belgier.
„So wollten es die Stifter, Jean-Hubert Biermans und seine Frau, Berthe Lapôtre“, erklärt Diane Miller. Sie ist seit sechs Jahren die Direktorin der Fondation Biermans-Lapôtre, die das Wohnheim schon seit fast hundert Jahren betreibt. Die sympathische Luxemburgerin steht regelmäßig auf der Studentenmesse in Luxemburg, „damit wir hier auch bekannt sind“. Schließlich ist es eine richtige Institution.

200 Zimmer und 19 Studios

Das besondere Studentenwohnheim zählt 200 möblierte Zimmer, die alle über ein privates Duschbad verfügen. Dazu kommen noch 19 Studios. Jedes Jahr nimmt Miller Anträge von 140 belgischen Studenten entgegen. Von denen muss die Hälfte flämisch und die andere Hälfte frankophon sein, wie sie unterstreicht. Dazu können sich noch 70 Luxemburger bewerben. „Allerdings nehmen wir keine Erstsemester auf, das erlauben die Statuten nicht“, unterstreicht die Direktorin. Bewerber können sich auch Studenten anderer Nationalität sein, sofern sie in Luxemburg leben und die Studentenbeihilfe CEDIES beziehen. Von den 210 Bewerbungen sucht Miller dann 30 Prozent aus, die für einen Austausch mit anderen „Häusern“ bestimmt sind. Wie das funktioniert?
„In Paris unterhalten viele Nationen eigene Studentenheime: Kolumbien, Schweden, Spanien oder Deutschland“, zählt sie auf. „Wir tauschen mit ihnen Studenten. Dadurch haben wir rund 23 Nationalitäten im Haus.“ Einspruch dagegen kann niemand erheben. Doch das wäre auch unwahrscheinlich, denn die anderen Studentenheime sind ebenfalls günstig.
Paris gilt als eine sehr teure Stadt, was die Miete angeht. Ein Zimmer von 17 Quadratmeter für 510 Euro monatlich zu finden, ist laut Miller auf dem freien Markt unmöglich. „Dort liegen die Preise etwa beim Doppelten.“ Die Zimmer sind renoviert. Demnächst kann Miller noch mehr Studenten aufnehmen, denn sie baut gerade den Dachboden des Hauses aus. Dort entstehen noch weitere vier Zimmer sowie vier Studios. Die Lage am Boulevard Jourdan im 14. Arrondissement inmitten der „Cité internationale universitaire“ ist ideal für Studenten.
Das Haus selbst bietet weit mehr als nur Zimmer. Neben der Bar „Hubert et Berthe“ gibt es Räume samt Pianos zum Musizieren, einen Sportsaal, fünf Gemeinschaftsküchen und Bibliothek, einen Leseraum und eine Wäschekammer, einen Sportsaal, ein Fotolabor, einen Malsaal, den Fahrradraum und ein eigenes Kino.

Kulturelles Angebot und eine besondere Gemeinschaft

„Vor der Coronakrise hatten wir zahlreiche kulturelle Veranstaltungen in unserem frisch renovierten, wunderschönen Saal, den wir auch oft vermietet haben. Jetzt ist das etwas schwieriger und die Einnahmen fehlen auch“, bedauert Miller. Sie kooperiert beim kulturellen Angebot eng mit der Mission culturelle der Luxemburg Botschaft in Paris und konnte daher bislang auch bekannte Luxemburger Künstler wie den Pianisten Michel Reis in die Fondation holen. Ein wichtiger Teil des Wohnheimlebens ist die Gemeinschaft mit den anderen. Für viele ist es ein unvergesslicher Aufenthalt. Und zahlreiche bekannte Luxemburger von Jacques Santer über Viviane Reding bis zu Pierre Gramegna haben hier gewohnt. Der Verein der ehemaligen Bewohner der Fondation Biermans-Lapôtre, den derzeit François Biltgen präsidiert, ist aktiv mit Konferenzen, Konzerten und anderen Veranstaltungen. Darüber hinaus finden auswärtige Termine statt. „Wir haben beispielsweise auch einen Besuch der Nationalbibliothek organisiert“, sagt sie. So ist das Wohnheim in jeder Hinsicht eine ganz besondere Bleibe an der Seine.
Bewerbungen unter fbl-paris.org