LUXEMBURG
MARCO MENG

Der öffentliche Transport für Grenzgänger steckt vielfach noch in den Kinderschuhen

Wie seit mehr als einem Jahr parke ich mein Auto in Wasserbillig gegenüber dem Bahnhof, um von dort mit dem Zug in die Stadt zu meinem Arbeitsplatz zu fahren. Als ich abends zurückkomme, mich in den Wagen setze und losfahre, fällt mir ein Zettel auf, der vom Regen durchnässt ist. Ein Strafzettel? Das kann nicht sein, ich habe doch ordnungsgemäß geparkt, das Auto hat TüV, was also kann der Zettel bedeuten? Hat jemand mein Auto beschädigt und eine Telefonnummer hinterlassen? Ich bin noch nicht aus Wasserbillig draußen, fahre rechts ran, steige aus. Hinter dem Scheibenwischer klemmt - ein Strafzettel. Police Grand-Ducale. Strafe 27 Euro wegen Parkens ohne Parkschein. Aber wieso Parkschein? Es besteht doch auf dem Parkplatz gar keine Befristung! Ich fahre zurück zum Parkplatz, um ein Foto zu machen und dann damit wutschnaubend zur Polizei zu fahren. Doch als ich zurück am Parkplatz bin, folgt die Ernüchterung. Plötzlich hängt dort ein Schild: Höchstparkdauer vier Stunden. Deswegen auch stehen hier seit Tagen nur noch drei, vier Autos statt sonst fünfzig! Und wie soll ich denn nun mit dem Zug zur Arbeit? Die Parkplätze am Bahnhof selbst sind morgens schon alle voll - zwei werden meist durch je ein Mofa okkupiert, zwei weitere werden jeweils durch ein einzelnes Auto blockiert, weil der Fahrer offensichtlich meint, er bräuchte für sein dickes Fahrzeug zwei Parkplätze - oder ist eben unfähig, richtig einzuparken. Sei’s drum. Ich wende mich an das Bürgermeisteramt. Um den Pendlerverkehr in Luxemburg zu drosseln, ist es ja eigentlich politisch gewünscht, wenn Grenzgänger möglichst auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen und im Land selbst wenig mit dem eigenen Auto fahren. Wie können einerseits öffentliche Verkehrsmittel nutzen und andererseits höchstens vier Stunden parken zu dürfen in Einklang gebracht werden, frage ich.

Zu wenig Parkplätze

Jérôme Laurent (LSAP), Bürgermeister der Kommune Mertert, antwortet: „Wir in der Gemeinde Mertert-Wasserbillig müssen natürlich dafür sorgen, dass alle die, die hier bei uns arbeiten, genügend Parkmöglichkeiten haben. Das betrifft vor allem das Schulpersonal und die Betreuer in den Kindertagesstätten.“ Für den Einzelhandel sei es unerlässlich, dass freie Parkplätze für Kunden zur Verfügung stehen und nicht von Dauerparken blockiert werden. „Deshalb haben wir wieder die Parkzeit auf maximal vier Stunden begrenzt.“ Ja, aber jetzt steht der Parkplatz zu 90 Prozent leer! Das Argument könnte ich ja verstehen, wenn Einkaufswillige keine Parkplätze mehr gefunden hätten, weil die von Dauerparkern blockiert worden wären - tatsächlich fand ich dort aber immer freie Parkplätze, er war nie auf den letzten Platz zugestellt.

Verständlicherweise will Wasserbillig das „Dauerparken“ verhindern - sein Auto volltanken soll man allerdings dort schon, ärgere ich mich. Und wenn ich stattdessen den Zug ab Trier nehme? Das bedeutet dann täglich statt drei Stunden Arbeitsweg vier - inklusive mehr Verspätungen wegen Zugausfällen und ähnlichem. Und auch dort bräuchte ich einen Parkplatz! Mit dem Rad nach Wasserbillig? Das ist mir nun doch zu weit. Kein Wunder, dass darum viele gar nicht erst den Bahnhof anfahren, sondern direkt mit dem Auto fahren, ob von Deutschland, Belgien oder Frankreich kommend. Wir sprechen von zehntausenden Pendlern täglich.

Dass der Parkraum am Bahnhof Wasserbillig - und nicht nur dort - selbst arg begrenzt ist, wissen auch die Verantwortlichen der CFL, deshalb will sie ja dort „demnächst“ ein neues großes Parkhaus bauen. Demnächst? Schon vor mehr als drei Jahren hieß es, die CFL wolle ein Parkhaus mit mehreren Decks Parkfläche in Wasserbillig bauen. Zu sehen ist bislang nichts davon. Ich frage nach. 2020 könnte es soweit sein. Dabei sind Stahlbau-Parkdecks in wenigen Wochen errichtet, und der europäische Marktführer sitzt in Diekirch!

Zurzeit verhandelt die Gemeinde Mertert mit dem Transportministerium, dass der Bus 118 in Mertert hält. Dort gibt es einen großen Parkplatz, der mit dem Bus 118 direkt an die Hauptstadt angebunden werden könnte. „Davon versprechen wir uns eine deutliche Entlastung von Dauerparkern und vom Parkplatzsuchverkehr“, meint Laurent. Nun gut, dem ökologisch besseren Transportmittel Bahn nützen mehr Bushaltestellen auch nichts. Und überhaupt: Wenn der öffentliche Transport mehr genutzt werden soll, muss auch die Möglichkeit bestehen, sein Auto an Haltestellen und Bahnhöfen abzustellen. Übrigens: Wenn die Tram fährt und der Busverkehr eingeschränkt wird, werden viele mit dem Bus aus Deutschland Kommende, die zum Beispiel in Strassen arbeiten, dann aus Zeitgründen das eigene Auto nutzen, um nicht mehrmals umsteigen zu müssen!

„Leider sind in Deutschland bisher alle Bemühungen gescheitert an der Grenzen zwischen Wasserbilligerbrück und Igel einen großen P&R-Parkplatz anzulegen, das würde die Parksituation in unserer Gemeinde erheblich verbessern“, sagt Merterts Bürgermeister. Nun gut, auf deutscher Seite denkt man sich wahrscheinlich, die Leute sind eh weg, was geht das uns an. Umgekehrt sind Grenzgänger aber ein Teil Luxemburgs, auch wenn manche zu denken scheinen, sie seien Störenfriede. Allerdings gab es auch auf deutscher Seite Bemühungen, dem Verkehrsinfarkt in Luxemburg entgegenzusteuern. Obwohl es dem Unternehmen eigentlich schnuppe sein könnte, wie der Pendlerverkehr zwischen Deutschland und Luxemburg läuft, hat in Konz Möbel Martin einen Teil seiner Parkplätze vor Jahren für Pendler zur Verfügung gestellt. Unter der Woche benötige man nicht komplett alle Parkplätze, so die Begründung. Geht doch. Daran könnten sich auch andere ein Beispiel nehmen.